Antonii Baryshevskyi begeisterte einmal mehr in Ochsenhausen.
Antonii Baryshevskyi begeisterte einmal mehr in Ochsenhausen. (Foto: Vogel)
Günter Vogel

Antonii Baryshevskyi hat Musik der Romantik und der Moderne im Bibliothekssaal in Ochsenhausen interpretiert. Es war ein Gedenkkonzert zu Ehren des im vorigen Jahr verstorbenen Grafen Raimund zu Erbach-Fürstenau, einem der Mitbegründer der International Summer Academie of Music (ISAM).

Drei Capriccios und sieben Intermezzi bilden zusammen die sieben Fantasien op. 116, die Brahms im Sommer 1892 in Bad Ischl schrieb. Clara Schumann äußerte sich voller Begeisterung über die „Perlen“, hob ihren neuartigen Charakter hervor. Der Komponist setzt starke stilistische Unterschiede gegeneinander. Die Capriccios dominieren in sehr freier Form mit viel Emotion, starkem Elan, wechselweise rasantem Tempoaufbau und ruhigen Dreiertakt sowie starkem Fortissimo-Abschluss. Die Intermezzi sind der eher ruhige Pol. Da kommen Wiegenliedklänge, die wie Perlen herabtropfen, da hört man impressionistische Klanggestaltungen, kleinteilige Klangfiguren, ein schwermütiges Adagio.

Seine „Préludes für Klavier“ op. 74 schrieb Alexander Skrjabin ebenso wie das Poème für Klavier“ op. 72 1914, ein Jahr vor seinem Tod. Der Musikwissenschaftler Blair Johnson schreibt hierzu: Bei diesen letzten Stücken war Skrjabin ein radikal veränderter Musiker, auf der Schwelle völliger Atonalität und zumindest in seiner eigenen Vorstellung der Vertreter der göttlichen schöpferischen Kraft in einer immer komplexeren mystischen und theosophischen Weltanschauung. Und so ist es nicht verwunderlich, dass diese fünf konzentrierten, stringenten Arbeiten zu den meist herausfordernden Essays gehören, die er der Nachwelt hinterlassen hat. Die Sätze heißen „Schmerzhaft, herzzerreißend, sehr langsam, nachdenklich, dramatisches Allegro, langsam, vage, unbestimmt, stolz, kriegerisch“.

Und der Komponist wandelte die Satznamen in wunderbare tonale Architekturen. Laut dem Pianisten Vladimir Horowitz wurde das Stück „Poème“ für Klavier „Vers la flamme“ (der Flamme entgegen) von Skrjabins exzentrischer Überzeugung inspiriert, dass eine stetige Ansammlung von Hitze letztlich zur Zerstörung der Welt führt. Tremoli und Fanfaren türmen sich am Schluss zu einem gleißenden Feuersturm von orchestraler Gewalt auf. Robert Schumann setzte über seine „Fantasie für Klavier“ op. 17 eine programmatische Strophe von Friedrich Schlegel: „Durch alle Töne tönet im bunten Erdentraum ein leiser Ton gezogen für den, der heimlich lauschet.“ Die Komposition von 1938 zählt zu des Komponisten bedeutendsten Klavierwerken. Die romantische Klangfülle geht in des Zuhörers Seele.

„Drei Sätze aus Petruschka“ ist der Titel eines Arrangements für Klavier solo aus diesem Ballet von Igor Strawinskys, das der Komponist selbst für den Pianisten Arthur Rubinstein angefertigt hatte. Baryshevskyi spielte die drei Sätze attacca. Der erste Satz „Danse Russe“ ist ein feuriger Trepak in kompositorischer Kleinarbeit, eine wilde Klangorgie mit höllischen Fortissimo-Läufen. „Chez Petruschka“ ist aus der zweiten Szene des Balletts. Der dritte Satz La „semaine grasse“ stellt an den Spieler vor allem hohe Ansprüche an seine Sprung- und Schlagtechnik. Bedingt durch die enormen spieltechnischen Schwierigkeiten des Werks hat es bislang nur wenige Interpreten gefunden. Antonii Baryshevskyi ging in absoluter Souveränität mit diesen technischen Extremanforderungen um.

Den hingerissenen Zuhörern war das Gehörte in dieser künstlerischen Vollendung schier unfasslich. Sie dankten mit Standing Ovations.

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