Meisterhaftes Klavierspiel mit vier Händen

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Das Klavierduo Shin Park sorgte in Ochsenhausen für anspruchsvolle Unterhaltung.
Das Klavierduo Shin Park sorgte in Ochsenhausen für anspruchsvolle Unterhaltung. (Foto: Günter Vogel)

Das Klavierduo Shin Park hat im Bibliothekssaal in Ochsenhausen mit Romantik, Impressionismus und Wiener Klassik von Strauß bis Mozart begeistert.

Das Duo mit Mijung Shin und Sangwook Park erhielt 2018 den Bruno-Frey-Musikpreis. Unter vielen anderen Auszeichnungen errangen die beiden südkoreanischen Künstler 2016 den zweiten Platz beim hochkarätigen ARD-Musikwettbewerb. Sie sind Schüler der in Ochsenhausen bekannten Professores Hans-Peter und Volker Stenzl.

Beim Konzert wurde es mit Schwung und Charme sofort sehr, sehr wienerisch. Die beiden hatten die Ouvertüre zur Strauß-Operette die „Fledermaus“ für Klavier zu vier Händen für sich bearbeitet, und sie ließen den ganzen Zauber dieser Musik erblühen. Raffinierte Vorhalte und Ritardandi hoben die Stimmung, verstärkten die ohnehin hohe klangliche Spannung des Originals.

Und wieder Wiener Musik. Franz Schubert hatte 20 Ländler geschrieben. Johannes Brahms setzte sie vierhändig für Klavier mit eigenem Feeling von Dynamik und Artikulation. Die beiden Komponisten deklinierten hier alle Tempi, Dynamiken und Tonarten durch, verbanden auf einzigartige Weise volksliedhafte Melodik, tänzerische Elemente mit kunstvoller Verarbeitung, aber legten über alle Stücke hinweg einen fröhlich strahlenden Impetus.

Ganz anders der Charakter des nächsten ebenfalls vierhändigen Schubert-Stückes. Das „Allegro a-moll D 947 - Lebensstürme“ ist ein monumentaler Sonatensatz, der schier mit Blitz und Donner beginnt, ein stürmisches akkordisches Allegro. Das Seitenthema ist eine tief empfundene liedhafte Melodie, umspielt mit irrisierend tanzenden Triolenläufen. Dieses Werk ist mit seinem Wechselspiel von schwärmerischer Freude und tiefer Melancholie wie eine Konzentration aller kompositorischen Genialität und seelischer Empfindungstiefe des großen Wiener Meisters.

Dann „La valse für zwei Klaviere“ von Maurice Ravel. Aus der Tiefe empor steigen einzelne Töne, assoziieren das Ur-Es aus Wagners „Rheingold.“ Rasch entwickeln sich erste Walzertakte, vereinzelte Harmonien deuten sich an. Virtuos kunstvolle Verarbeitung lässt durch das diffizile Spiel der Pianisten festliche Räume entstehen. Ravel schrieb ein Walzer-kaleidoskop, das sich ständig neu darstellt und anhört, glänzend, pastellen, golden schimmernd. Bizarre Muster treten auf, schrillfarbene Töne. Am Ende gerät alles aus den Fugen, die Musik wird geradezu brachial-gewalttätig. Ein Fortissimo-Donner tötet den Glanz der Kronleuchter eines Ballsaales. Endzeitstimmung.

Schließlich ertönen als wunderbarer Gegensatz zu Ravel die Klänge von Mozart, der 1781 seine Sonate für zwei Klaviere in D-Dur KV 448 schrieb, komponiert im galanten Stil mit ineinandergreifenden Melodien und Kadenzen.

Das erste Allegro beginnt mit ebenso aufreizenden wie liebenswürdigen schnellen Läufen, die geradewegs ins Ohr und die Seele der Zuhörer stürmen. Einzelne Phrasen nehmen Klangelemente des fünf Jahre später entstandenen „Figaro“ frappierend vorweg. Danach ließen die beiden Künstler im charmanten Dialog ihre beiden Flügel ein wegschmelzendes Adagio singen, gleichsam als schmachtende Tenorarie wie die des „Belmonte“ aus der nur ein Jahr später entstandenen „Entführung“. Das Schluß-Allegro führt sich mit wild tanzenden Sechzehnteln ein, aus denen „Blondchens“ Arie „Welche Wonne, welche Lust“ als perlende Läufe hervorschimmert.

Die hingerissenen Zuhörer wollten die Musiker natürlich nicht ohne Zugaben gehen lassen, und die zeigten zuerst ihre grandiose Virtuosität mit einem Ausschnitt aus Franz Liszts „Ungarischer Rhapsodie Nr. 2“ sowie dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms.

Als krönenden Abschluss gingen sie mit ihrer dritten Zugabe zum Anfang des Konzertes zurück, spielten den Schlussteil der „Fledermaus-Ouvertüre“ mit verstärkten Ritardandi und Vorhalten, zelebrierten und überhöhten die süffige Kulinarik der Musik in schier himmlische Sphären. Das Publikum dankte den beiden Künstlern für ihr großartiges Konzert, das keinerlei Wünsche offen ließ, mit stehenden Ovationen.

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