Mehr als 200 Angeles treffen sich in der Region Biberach

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 Johannes Angele mit der aktuellen Ausgabe seiner „Angele-Info“. Der Reinstetter organisiert das 70. Treffen der Angele-Sippe,
Johannes Angele mit der aktuellen Ausgabe seiner „Angele-Info“. Der Reinstetter organisiert das 70. Treffen der Angele-Sippe, das am Wochenende in Fischbach stattfindet. (Foto: Gerd Mägerle)
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Alles, was Angele heißt, trifft sich ab dem Freitag wieder in der Festhalle in Fischbach. Bereits zum 70. Mal findet dieses Treffen der Angele-Sippe bis zum Sonntag statt. Organisator ist Johannes Angele aus Reinstetten, der sich seit vielen Jahren intensiv der Heimat- und Ahnenforschung widmet.

Sippe – das klingt für viele altbacken, für manche hat der Begriff sogar eine negative Konnotation. Johannes Angele kennt diese Debatte. „Der Begriff Sippe ist sehr alt und wird üblicherweise benutzt für eine große Familie, für eine Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsame Vorfahren haben und den gleichen Nachnamen tragen“, sagt der 66-Jährige. Während des Dritten Reichs sei der Begriff allerdings auch missbraucht worden. Die gemeinsamen Aktivitäten der Angele-Sippe beginnen allerdings erst am 9. Oktober 1949, also wenige Wochen nach Gründung der Bundesrepublik, mit dem ersten Angele-Familientag.

„Sippenvater“ auch für Ahnenforschung zuständig

„Ins Leben gerufen haben ihn der aus Ummendorf stammende Pfarrer Albert Angele und Josef Angele, der frühere Bürgermeister von Eschach, der von den Nazis abgesetzt wurde“, berichtet Johannes Angele. Rund 240 Angeles aus Oberschwaben, Österreich und der Schweiz begrüßten sie damals im Bräuhaus in Ummendorf. „Dieses Treffen kann als Geburtsstunde der Angele-Sippe angesehen werden“, sagt Johannes Angele.

Pfarrer Albert Angele hatte damals bereits intensiv Ahnenforschung betrieben und berichtete von seinen Ergebnissen. Er wurde bei diesem Treffen zum „Sippenvater“ gewählt. So wird seither derjenige bezeichnet, der die Familientage organisiert und bei dem die Forschungsergebnisse zur Angele-Sippe zusammenlaufen. Vor einigen Jahren hat Johannes Angele dieses Amt vom inzwischen verstorbenen Artur Angele aus Biberach übernommen.

Bei jedem Treffen gibt’s eine kleine Zeitung

Die Angeles haben die Ahnenforschung in den vergangenen sieben Jahrzehnten weit vorangetrieben. Die erste nachgewiesene urkundliche Namensnennung datiert aus dem August 1405 und erwähnt einen Michael Angelin. Als örtlicher Ursprung der Angele-Sippe gelten die Rißhöfe bei Warthausen. Die meisten Angeles gibt es zwar nach wie vor in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz, Johannes Angele erwartet aber an diesem Wochenende Gäste aus weiteren Ländern. Die weiteste Anreise dürfte dabei Lore Angele, Jahrgang 1936, haben, die aus Texas nach Fischbach kommt.

Zu jedem Treffen gibt Johannes Angele eine mehrseitige „Angele-Info“ heraus – eine kleine Zeitung, die über vergangene Angele-Treffen informiert und neueste Ergebnisse der Ahnenforschung präsentiert. Rund 1300 Exemplare davon verschickt er davon jährlich. „Spannend ist vor allem, die Verbindung zwischen den einzelnen Angele-Stämmen herauszufinden, die an verschiedenen Orten leben“, sagt er. In vielen Fällen sei das bereits gelungen, in anderen sei noch Forschungsarbeit zu leisten.

Internet macht Forschung leichter

Das Internet erleichtere vieles, sagt Johannes Angele. „Anhand dieser Familien- und Sippengeschichte lassen sich zum Teil auch die großen Einflüsse der Weltgeschichte ablesen“, sagt Johannes Angele. Interessant findet er auch die vielen Berufe, die darin vertreten sind. Viele seien Handwerker oder Bauern, „aber es sind auch Pfarrer, Ärzte, Professoren und Bürgermeister dabei, einer war sogar Raketentechniker bei Wernher von Braun in den USA“. Und auch die Sigmaringer Landrätin Stefanie Bürkle ist eine aus Biberach gebürtige Angele.

Johannes Angele war 1957 zum ersten Mal bei einem Angele-Treffen dabei. Auch wenn sich viele der mehr als 200 Teilnehmer meist noch nicht persönlich kennen, fühle sich das Treffen immer familiär an. „Wir duzen uns alle, auch wenn manchem das am Anfang noch etwas schwer fällt“, sagt Johannes Angele. Standen in früheren Jahren vor allem Vorträge zur Ahnenforschung im Mittelpunkt, lege man heute Wert auf den Austausch und direkte Gespräche: „Das alles schafft ein schönes Zusammengehörigkeitsgefühl.“

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