Kuhhausen ist jetzt fest in Narrenhand

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Die Narren in Ochsenhausen haben Bürgermeister Andreas Denzel Zwangsurlaub verordnet. Beim Rathaussturm der Karnevalgesellschaft-Narrenzunft am Gompigen Donnerstag enthoben sie ihn seines Amts. Nun regieren bis Aschermittwoch Prinz Daniel II. und Prinzessin Teresa I. (Daniel Walker und Teresa Müller) in Kuhhausen. „Ärgert Ihr Euch jetzt rum, mit dem, der sich mischt ein, ich bin fein raus, ich lass es sein“, sagte Denzel in seiner launigen Rede, die auch Spitzen gegen die KGNZ enthielt.

Zuvor zogen aber erst einmal die vielen Kinder, Erzieher und Lehrer vom Busbahnhof über die Schloßstraße und den Bahnhofsstraße zum Marktplatz. Den bunten Zug der Ochsenhauser Kindergärten und Schulen verfolgten viele Besucher, die ebenfalls zahlreich in kreative Kostüme geschlüpft waren. Getreu des diesjährigen Mottos „Dìa de los muertos a la KGO – Wir feiern bunt und fröhlich wie in Mexiko“ waren manche als Mexikaner verkleidet. Im Umzug selbst fanden sich neben Kakteen beispielsweise auch Dschungelbuch-Charaktere sowie Bewohner einer Unterwasserwelt und eines Märchenwalds.

„Ochsenhausen geht baden!“

Eine Gruppe widmete sich wie im vergangenen Jahr einem kommunalpolitischen Thema. Statt die befürchteten horrenden Bauplatzpreise im neuen Baugebiet „Siechberg III“ anzuprangern, griffen sie heuer die verkürzten Öffnungszeiten im Naturfreibad Ziegelweiher auf. „Ochsenhausen geht baden! Ochsenhausen geht unter, wir bleiben munter“ – Transparente wie diese zierten einen eigens dafür kreierten Wagen mit Gummi-Palme und Sonnenschirm.

Natürlich darf auch Kommunalpolitik nicht fehlen: Ein Gruppe widmet sich den Diskussionen um den Ziegelweiher.
Natürlich darf auch Kommunalpolitik nicht fehlen: Ein Gruppe widmet sich den Diskussionen um den Ziegelweiher. (Foto: Daniel Häfele)

Nachdem alle Teilnehmer vor dem Rathaus angekommen waren, ging es schließlich Bürgermeister Andreas Denzel an den Kragen. Die Prinzengarde durchsuchte den Sitz der Stadtverwaltung nicht nur nach dem Schultes, sondern auch nach verborgenen Schätzen im Keller. Offenbar hatten die Männer in diesem Jahr besonders leichtes Spiel, Bürgermeister Andreas Denzel schien erleichtert über den Kurzurlaub zu sein. „Den Shutdown hab’ ich vorhergesehen. Wie sollt’s bei einem Rathaussturm auch anders gehen?“, sagte Denzel.

„Ohu“ – und dabei jede Menge Konfetti verteilen macht Laune.
„Ohu“ – und dabei jede Menge Konfetti verteilen macht Laune. (Foto: Daniel Häfele)

Die Prinzengarde habe jede Blockade wieder einmal mühelos übersprungen: „Statt einen unnützen Kampf zu absolvieren, möcht ich Euch meine Kapitulation offerieren. Ärgert Ihr Euch jetzt rum, mit dem, der sich mischt ein, ich bin fein raus, ich lass es sein.“ Der Karneval behage auch ihm: „Wenn Menschen miteinander schunkeln, und keine Spur von bösem Munkeln, wenn niemand mischt sich unfair ein, bruttelt und drückt dem andern eine rein.“

Zum Hintergrund: Vergangene Woche hatte die Stadt einen Rechtsstreit gegen Franz Wohnhaas verloren. Nach Ansicht der Verwaltung hatte Wohnhaas, der verantwortlich für die Seite www.mischdichein-ox.de ist, in einem Rundschreiben falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet. Der Richter sah das anders.

Den Shutdown hab’ ich vorhergesehen. Wie sollt’s bei einem Rathaussturm auch anders gehen? Bürgermeister Andreas Denzel

Doch auch die KGNZ musste einstecken. Denzel reimte: „Bei Mexiko denk ich an Fiesta, an Tequila, Sombreros, an eine heiße Latina bei einer Siesta, aber doch nicht an mit Totenköpfen bemalte Frauen. Das Motto, ich sag’s Euch: ein einziges Grauen.“ Narren, die sich so etwas ausdenken, wollten jetzt die Stadt regieren? Und ja, wie sie wollen – zumindest bis Aschermittwoch.

Öchslefest soll Kinder-Budget bekommen

Denn danach hat Denzel einen aus der Sicht der KGNZ wichtigen Auftrag zu erledigen. Er solle sich mit „Blut und Haaren“ für den Kinderbereich beim Öchslefest einsetzen – und zwar in Form eines eigenes Budgets, wie Präsident Stefan Müller sagte. Spiel, Spaß, Spannung und Süßes ohne Ende sollten die Kinder haben.

Das Kinderprinzenpaar Linus I. und Johanna I. (Johanna Patzelt und Linus Gerner) haben für die jüngsten Besucher später noch ein
Das Kinderprinzenpaar Linus I. und Johanna I. (Johanna Patzelt und Linus Gerner) haben für die jüngsten Besucher später noch eine süße Überraschung parat. (Foto: Daniel Häfele)

Wie das funktioniert, das haben die Narren dem Bürgermeister natürlich gleich einmal vorgemacht. Für die Jüngsten gab es wie in den Vorjahren verzogene Küchle. Zudem öffnete am Ende der Veranstaltung das Kinderprinzenpaar Johanna I. und Linus I. (Johanna Patzelt und Linus Gerner) die Schatztruhe mit vielen Leckereien. Ihre magnetische Wirkung scheint die Truhe noch immer nicht verloren zu haben.

Kaum war die Kiste geöffnet, drängten sich die Knirps um diese. Nur richtig so, hätte die Schokolade bei den warmen Temperaturen mit viel Sonne doch rasch dahin schmelzen können.

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