Krämer glänzt mit Landesjugendorchester

Lesedauer: 4 Min
Das Landesjugendorchester hat zum Abschluss der Probenphase ein Konzert an der Landesakademie gegeben.
Das Landesjugendorchester hat zum Abschluss der Probenphase ein Konzert an der Landesakademie gegeben. (Foto: Helmut Schönecker)
Schwäbische Zeitung
Helmut Schönecker

Erfrischend, effektvoll, voller Spielfreude und differenziertem Registerklang, in mitreißendem Schwung und mit jugendlichem Esprit hat das Landesjugendorchester (LJO) Baden-Württemberg sein Publikum im Bräuhaussaal in Ochsenhausen abgeholt. Zur Eröffnung erklang Schostakowitschs Festliche Ouvertüre op. 96.

Von Beginn an zeigte sich der künstlerische Leiter und Dirigent Hannes Krämer als unprätentiöser Mittler, der die Fäden zu seinen hochkonzentrierten jungen Musikern fest in der Hand hielt. Eine Woche lang hatte das Auswahlorchester an der Landesakademie in Ochsenhausen geprobt und stellte sich zum Abschluss und zugleich zum Auftakt seiner Konzerttournee durch Baden-Württemberg am Samstagabend einem begeisterten Publikum vor.

Klassisch ausgewogene Strukturen, eine gute Balance der Register, zurückhaltende Eleganz, eine schlichte aber eindringliche Interpretation kennzeichneten das erste Hauptwerk des Konzerts, Mozarts Fagottkonzert B-Dur, mit dem inspirierten Hanno Dönneweg am Solofagott. Einmal mehr bestätigte sich die Erkenntnis, dass sich im langsamen Satz der wahre Meister zeigt.

Hoher spieltechnischer Anspruch

Weite Spannungsbögen im Adagio, feinsinnig und sanglich ausgestaltete Melodielinien, gefühlvoll ausdifferenzierte Dynamik auf einem langen Atem und ohne romantische Übertreibungen ließen einen Mozart auferstehen, der auch der heutigen Generation noch etwas zu sagen hat. Das klassisch Schöne entfaltete hier eine zeitlose Größe und Erhabenheit, die sich nicht im schnellen Vorübergehen erschließt. Tiefsinnige Kontemplation hat in dieser eindrucksvollen Interpretation die Zuhörer in höhere Sphären geführt. Mit weiten Sprüngen und flotten Läufen – die hohen spieltechnischen Ansprüche wurden vom Solofagottisten des SWR Symphonieorchesters Stuttgart und ehemaligem LJO-Mitglied locker gemeistert – gefielen aber auch die spielerischen und kurzweiligen Rahmensätze.

Mit Jean Sibelius zweiter Sinfonie in D-Dur, op. 43 wagte sich das junge Orchester nach der Pause an ein diffiziles und höchst anspruchsvolles symphonisches Hauptwerk des frühen 20. Jahrhunderts. Von Beethovenscher Tiefe und subtil ausgestalteter motivisch-thematischer Arbeit geprägt, entwickelt das Werk aus kleinsten Motiven heraus eine elementare Kraft. In vielschichtigen Ostinati und fugatoähnlichen Teilen lebt die Sinfonie von oft abrupten Stimmungswechseln, wechselt von schweren oderschwermütigen Melodien zu siegreich und hymnisch strahlenden Themen in einem grandiosen, farbenprächtigen Finale.

Von den Finnen als durchaus widersprüchliches Symbol für ihren Befreiungskampf gegen Russland verstanden und mit einer von Chromatik und unaufgelösten Dissonanzen durchsetzten Harmonik setzt das komplexe Werk eine musikalische Reife voraus. Eine solche Reife, die laut dem künstlerischen Leiter Hannes Krämer „eigentlich von so jungen Musikern nicht zu erwarten gewesen wäre“. Die rund 70 Musiker zwischen 13 und 20 Jahren überzeugten ihn und das anhaltend applaudierende Publikum erfreulicherweise vom Gegenteil.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen