Junge Musiker überzeugen mit barocken Originalinstrumenten

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 Die ausführenden Solisten waren Theresa von Bibra und Jan Jerlitschka, Beiden Sänger präsentierten gradlinige, vibratofreie Ora
Die ausführenden Solisten waren Theresa von Bibra und Jan Jerlitschka, Beiden Sänger präsentierten gradlinige, vibratofreie Oratorienstimmen. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Das Landesjugendbarockorchester unter der Leitung von Gerd-Uwe Klein hat im Bibliothekssaal in Ochsenhausen überzeugt. Eröffnet wurde das Konzert mit Jean-Baptiste Lully und seiner Ballettmusik zu Molières „Le Bourgeois Gentilhomme“, es folgte „Der Bürger als Edelmann“. Die Musiker spielten ohne Dirigat, ihr musikalischer Leiter saß in der ersten Reihe, hörte zu. Und sie ließen den Dirigenten nicht vermissen.

Der Italiener Lully stand in Diensten von Ludwig XIV., komponierte die Musik im französisch-eleganten Stil. Weil er wusste, dass der König gerne Ballett tanzte, schrieb Lully besonders gerne die damalige Tanzmusik. Die Komödie ist eine gesellschaftliche Satire aus der Zeit Molières, sie spielt in Paris. Die Musiker präsentierten die Ouvertüre, den türkischen Zeremonienmarsch, zwei Arien, die dreivierteltaktige Chaconne des Komikers Scaramouche, Musik der Tivelins und Harlekine.

Bachs Bearbeitung von Pergolesis „Stabat Mater“ ist etwas ganz Besonderes. Zu dieser Zeit war es fast regelmäßige Übung, Werke anderer Komponisten be- und umzuarbeiten. Die weniger bedeutenden betrachteten es als eine Ehre, wenn sich ein Großmeister ihrer Kompositionen annahm. Bach unterlegte dem Werk den Text des 51. Psalms „Tilge ,Höchster, meine Sünden“. Er verdichtete das Stück musikalisch und instrumental und zeigte in seinem behutsamen Umgang mit dem „Stabat Mater“ seinen Respekt gegenüber dem 25 Jahre jüngeren und schon mit 26 Jahren verstorbenen italienischen Meisterkomponisten. Die Uraufführung wird 1747 in Leipzig angenommen, es ist die früheste nachweisbare Aufführung der Musik von Pergolesi in Deutschland.

Aus dem lyrisch-schmerzerfüllten lateinischen „Stabat Mater“, stilistisch fast eine „Opera seria“, entstand deutsche Kirchenmusik, in der von Schuld und Sünden die Rede ist. Aber am Schluss heißt es „Amen“, und das in ständiger Wiederholung.

Zwischen zwei Abschnitten des Werks unterbrach der musikalische Leiter plötzlich, ging auf das Podium und stellte bei jedem Streichinstrument die Wirbel nach. Natürlich lernt jeder Musikschüler sehr früh, sein Instrument selbst zu stimmen. Der Chef traute seinen Musikern diese Verrichtung aber offenbar nicht zu, genoSS es sicherlich auch, vor dem erstaunten Publikum zeitaufwendig aktiv zu sein.

Die ausführenden Solisten waren Theresa von Bibra, Sopran, und Jan Jerlitschka, Altus. Die beiden Sänger präsentierten gradlinige, vibratofreie Oratorienstimmen. Den Mezzopart hatte man einem Altus übertragen, das ist eine falsettierte Männerstimme.

Souveräne Streicherfiguren

Arcangelo Corelli hatte 1700 zwölf Violinsonaten, sein Op. 5, veröffentlicht. Francesco Geminiani machte 1726–1729 daraus Concerti grossi, das letzte davon, „La Follia“, wurde hier mit ihrer einprägsamen, aus Spanien nach Italien importierten Mollmelodie gespielt. Schwere Anfangsakkorde werden rasch abgelöst von schnelleren fröhlichen Tempi. Die Geigerinnen Clara Maier und Esther Danckaert sowie Maxi Lorenz mit dem Cello beeindruckten mit feiner Technik und sehr schnellen Sechzehntelpassagen. Rasche gegeneinandergesetzte Tempowechsel des Werkes brachten ein spannendes Klangerlebnis.

Eine notwendige Anmerkung: Irgend jemand hatte sich kurze Spielszenen ausgedacht, die zwischen den musikalischen Werken mit „moderner“ Sprache heitere Informationen geben sollten. Das war überflüssig. Wenn schon, dann hätte neben den großartigen musikalischen Leistungen des Orchesters das „Theaterspiel-Niveau“ in Verbal- und Körpersprache wenigstens halbwegs adäquat sein müssen.

Das Orchester gestaltete mit souveränen Streicherfiguren, mit charaktervollen Bläsersoli und gestaffelter Dynamik einen sehr schönen Konzertabend großer Barockharmonien.

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