In Ochsenhausen hat sich viel verändert

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 Bürgermeister Andreas Denzel gibt im Interview einen Ausblick auf 2019
Bürgermeister Andreas Denzel gibt im Interview einen Ausblick auf 2019 (Foto: Tobias Rehm)

Die Stadt Ochsenhausen kann auf ein bewegtes Jahr 2018 zurückblicken, in der wichtige Projekt umgesetzt und angestoßen worden sind. Tobias Rehm hat sich mit Bürgermeister Andreas Denzel über den neuen Kreisverkehr, das neue Feuerwehrhaus und die B-312-Ortsumfahrungen unterhalten. Außerdem erklärt Denzel, wie groß seine Sorgenfalten wegen der finanziellen Lage der Stadt sind und welches Ereignis einer der Tiefpunkte 2018 war.

Herr Denzel, im Oktober war Spatenstich für das neue Feuerwehrgerätehaus, seit wenigen Wochen ist der neue Kreisverkehr in der Stadtmitte fertig. War 2018 das Jahr der großen Infrastrukturprojekte in Ochsenhausen?

Es hat sich in der Tat viel verändert, auch für die Bürger. Wir hatten eine ganze Reihe von Baumaßnahmen, die teilweise auf den ersten Blick ins Auge fallen. Der neue Kreisverkehr, nach dessen Fertigstellung auch das nächtliche Tempo 30 in Kraft getreten ist, der Ausbau der Hürbler Straße in Reinstetten, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses, der neue Wasserspielplatz im Freibad Ziegelweiher, die neue Brücke über die Dürnach bei Wennedach, die begonnene Umgestaltung des Parkplatzes beim Bahnhof.

Mit dem neuen Kreisverkehr haben Sie auch immer die Hoffnung verknüpft, dass der Verkehr in Ochsenhausen flüssiger läuft. Hat sich das in den ersten Wochen bewahrheitet?

Ich finde, das hat sich definitiv bewahrheitet, die Erwartungen haben sich erfüllt. Von allen Seiten gab es bislang ausschließlich Lob für den Kreisverkehr.

Der Weg dorthin war aber nicht immer leicht. Sowohl für die Verkehrsteilnehmer als auch für die Bürger.

Das stimmt. Wir haben den Bürgern und den Gewerbetreibenden viel abverlangt. Das lag aber nicht nur an der Baustelle für den neuen Kreisverkehr, es gab ja noch mehrere Projekte: die Sanierung der Ortsdurchfahrten in Erlenmoos und Steinhausen, der B 312 zwischen Jordanbad und Ringschnait sowie der Hürbler Straße in Reinstetten. In der Raumschaft wurde monatelang einiges erheblich durcheinandergebracht.

Seit Oktober wird am nächsten zukunftsweisenden Projekt gearbeitet, das neue Feuerwehrhaus wird gebaut. Die reinen Baukosten von sechs Millionen Euro haben nicht nur im Gemeinderat für Diskussionen gesorgt.

Das neue Feuerwehrhaus wird sehr groß und es muss auch so groß sein. Das kostet entsprechend. Aber wir werden alles daransetzen, dass in dieser überhitzten Zeit in der Baubranche der Kostenrahmen eingehalten wird. Das ist unbedingt notwendig.

Beim Thema B-312-Ortsumfahrungen hat sich der Gemeinderat in diesem Jahr positioniert und sich klar für die nördliche Umfahrung von Goppertshofen ausgesprochen. Wie wichtig war diese Entscheidung?

Ich bin froh, dass zwischenzeitlich Einigkeit über die Trassenführung besteht und sich alle Gremien für die nördliche Umfahrung von Goppertshofen ausgesprochen haben. Überhaupt war es ein wichtiger Schritt nach vorn, dass das Regierungspräsidium mit dem Raumordnungsverfahren begonnen hat. Allen Vertragspartnern, also dem Landkreis, der IHK Ulm, den Städten Biberach und Ochsenhausen sowie der Gemeinde Erlenmoos, ist es gelungen, die Planung weiter voranzutreiben. Wir dürfen zu den bisherigen Konditionen nun auch die Genehmigungsplanung übernehmen, nur so kommen wir angesichts der Personalknappheit beim Regierungspräsidium zügig weiter. Wir sind so weit wie noch nie.

Seit Jahresbeginn ist die St.-Elisabeth-Stiftung Träger des Altenzentrums Goldbach. Hat sich für die Bewohner seither irgendetwas verändert?

Der Betrieb läuft ganz normal in der gewohnt hohen Qualität weiter. Ich bin überzeugt, dass das Haus dadurch langfristig in eine gute Zukunft geführt wird. Das Angebot im Bereich der Altenhilfe wird erheblich ausgebaut, sodass künftige Generationen eine sehr gute Auswahl an ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten haben werden. Peter Wittmann von der St.-Elisabeth-Stiftung hat uns im Übrigen zugesagt, im neuen Jahr in den Gemeinderat zu kommen und das Baugesuch für die Rottuminsel vorzustellen. Im ersten Halbjahr soll es dann mit dem Bau losgehen.

Der städtische Sparkurs ist auch bei den jüngsten Haushaltsberatungen wieder angesprochen worden. Wie kann hier der weitere Weg aussehen?

In den Haushaltsreden wurde gefordert, dass die Verwaltung im ersten Quartal aufzeigt, was erreicht wurde und was noch möglich ist. Wenn weiter gespart werden soll, ist klar, dass es um Strukturelles geht und nicht mehr um Kleinigkeiten.

Wie groß sind Ihre Sorgenfalten derzeit mit Blick auf die finanzielle Situation der Stadt und die anstehenden Aufgaben?

Zunächst einmal haben wir die vergangenen Jahre gut gewirtschaftet, Ende 2018 haben wir voraussichtlich „nur“ noch 2,85 Millionen Euro Schulden. Das ist positiv. Was uns aber etwas im Magen liegt, ist die umfangreiche Projektliste für die kommenden Jahre – die Planung eines neuen Kindergartens, die Erschließung des Baugebiets Siechberg III oder Maßnahmen für den Hochwasserschutz. Wir werden mit dem Gemeinderat priorisieren müssen, was wir angehen, damit die Verschuldung in einem moderaten Rahmen bleibt. Alles gleichzeitig werden wir nicht machen können.

Kommt das ehemalige BayWa-Areal noch als Standort für einen Kindergarten infrage oder fokussieren sich diese Überlegungen zwischenzeitlich auf das Grundstück an den Öchsle-Gleisen, wo derzeit noch ein Teil der Kleingartenanlage ist?

Die Entscheidung ist noch nicht getroffen, Anfang des Jahres werden wir im Gemeinderat darüber beraten. Der Standort am Stadtrand hätte den Vorteil, dass er naturnah gelegen ist und wir hier einen anderen Schwerpunkt setzen könnten. Außerdem stünde mehr Fläche zur Verfügung, auch für künftige Entwicklungen.

Vor Kurzem wurden die Starkregengefahrenkarten fertiggestellt. Darin sind auch Maßnahmen abgebildet, die Ereignisse wie jene 2016 verhindern oder zumindest abschwächen sollen. Was wird davon umgesetzt?

Der Ortschaftsrat und der Ausschuss für Umwelt und Technik müssen nun Maßnahmen identifizieren, die effektiv sind, und daraus ein förderfähiges Paket schnüren. Wenn wir dann wissen, was wir machen wollen, müssen die Pläne mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt werden. Das Ganze soll nicht auf die lange Bank geschoben werden, wir wollen die Verbesserungen mit einem hohen Wirkungsgrad so schnell wie möglich umsetzen.

Einer der Tiefpunkte 2018 war mit Sicherheit die Sperrung der Dr.-Hans-Liebherr-Halle wegen eines Wasserschadens.

Darüber habe ich mich mit am meisten aufgeregt. Für uns ist es schlimm, wenn die größte, neueste und wichtigste Sporthalle monatelang gesperrt werden muss. Das Problem ist, dass sich die beteiligten Versicherungen nicht einig sind. Am 14. Januar wird es ein Regulierungsgespräch mit unserem Anwalt und den Versicherungen geben, bei dem geklärt werden soll, wer was anteilig bezahlt. Sollte es keine Einigung geben, werden wir den Hallenboden sanieren, mit den Kosten in Vorleistung gehen und dann den Schadenersatz einklagen. Unser Ziel ist es, dass die Halle zu Schuljahresbeginn wieder zur Verfügung steht.

Wie groß wird der finanzielle Schaden für die Stadt sein?

Es wird sicher etwas an uns hängen bleiben, allein schon wegen der Selbstbeteiligung. Wie viel wissen wir aber noch nicht. Wir wollen aber auch gewisse Maßnahmen treffen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

Für Aufregung hat auch Kritik an einigen Projekten gesorgt, die aus Teilen der Bürgerschaft auf die Verwaltung und den Gemeinderat eingeprasselt ist. Wie geht man damit um?

In dieser Heftigkeit habe ich das noch nie erlebt. Gewisse Dinge muss man aushalten, aber man muss sich nicht alles gefallen lassen. Insbesondere dann nicht, wenn durch unwahre Behauptungen Themen wie „Gut alt werden in Ochsenhausen“ oder der Neubau des Feuerwehrhauses schlechtgeredet werden sollen. Wir haben deshalb rechtliche Schritte eingeleitet. Auch für den Gemeinderat ist diese Situation schwierig. Man sollte immer bedenken, welche Auswirkungen das alles auf dieses Ehrenamt hat.

Unmut gab es in Teilen der Bevölkerung auch wegen der Öffnungszeiten des Freibads Ziegelweiher. Können Frühschwimmer im neuen Jahr das Bad wieder nutzen?

Wenn wir rechtlich auf der sicheren Seite sein wollen, um die Sicherheit und Gesundheit sowohl unserer Badegäste als auch des Bademeisters zu gewährleisten, brauchen wir einen zweiten Bademeister. In den Haushaltsberatungen wurde dies mit einem Sperrvermerk versehen, weshalb der Gemeinderat nochmals diskutieren wird, ob es diese zweite Stelle gibt. Dann könnten auch die Öffnungszeiten wieder flexibler gestaltet werden.

Über vieles, das 2019 ansteht, haben wir bereits gesprochen. Was wird Ochsenhausen noch bewegen?

An erster Stelle will ich das neue Baugebiet Siechberg III mit rund 70 Plätzen nennen, das wir erschließen. 2020 kann dann gebaut werden. Die Umsetzung des Konzepts „Gut alt werden in Ochsenhausen“ geht weiter, wir werden die Planung des neuen Kindergartens vorantreiben, in Reinstetten planen wir den Ausbau der Eichener Straße und im Zuge des vom Landkreis installierten Backbone-Netzes werden wir an der ein oder anderen Stelle Leitungen für schnelles Internet verlegen. Und auch wenn es nicht unsere Maßnahme ist: Die Firma Liebherr will im Frühjahr ihr neues Kundenzentrum eröffnen, das Maßstäbe setzen wird.

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