„Hummel Bertl, zeichne mich!“

Lesedauer: 7 Min
Eine Klosterfrau und ihre Kunst
Geboren ist sie als Berta Hummel, gelebt hat sie lange Zeit als Ordensschwester Maria Innocentia Hummel im Kloster Sießen bei Bad Saulgau. Bekannt ist sie vor allem durch ihre Kinderbilder und -figuren geworden. Die Galerie im Fruchtkasten in Ochsenhausen thematisiert in einer Schau, die bis Anfang Oktober läuft, nicht nur diese Figuren – es geht um einen Querschnitt durch das künstlerische Schaffen von Maria Innocentia Hummel…
Günter Vogel

Die Ausstellung im Fruchtkasten in Ochsenhausen geht bis 7. Oktober. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Donnerstag von 11 bis 21 Uhr. Weitere Infos, auch zu den Führungen, gibt es unter www.ochsenhausen.de

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Im Fruchtkasten in Ochsenhausen ist eine umfassende Darstellung der Künstlerin und Klosterfrau Berta Hummel eröffnet worden. Zwei Schülerinnen der Jugendmusikschule Ochsenhausen unterhielten auf der Geige und dem E-Klavier mit Musik im ungarischen und brasilianischen Stil.

Wer den Ausstellungsraum betritt, dem fallen sofort wunderschöne ausdrucksstarke Aquarelle auf. Es sind Landschaften, Blumen, Stillleben sowie Porträts. Bei letzteren sieht man nahezu ausschließlich in ernste Gesichter. Der Ochsenhauser Kulturamtsleiter Michael Schmid-Sax ging in seiner Begrüßung auf die große künstlerische Bandbreite von Berta Hummel ein: „Berta Hummel hat ein beachtliches künstlerisches Werk geschaffen, ein Werk, das in seiner Qualität und Vielfalt meilenweit von der schablonenhaften ,heilen Welt ihrer Kinderbilder entfernt ist.“ Schmid-Sax erläuterte, dass viele der gezeigten Werke erstmalig einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Die meisten stammen aus dem „Berta-Hummel-Museum“ in Massing, einige von privaten Leihgebern.

Günther Troll aus Ostfildern, der die Ausstellung konzipiert und zusammengestellt hatte, gab eine Einführung zu den gezeigten Werken und zu der 1909 geborenen Künstlerin. Er schilderte, dass sich schon in der Volksschule in Massing ihre Begabung zeigte. Schulkameraden sollen gesagt haben: „Hummel Bertl, zeichne mich!“ Nach der Volksschule besuchte sie fünf Jahre eine höhere Mädchenschule in Simbach. Während dieser Zeit zeigte sich ihre künstlerische Begabung immer stärker – und ihr Vater ermöglichte ihr ein Kunststudium von 1927 bis 1931 in München. Troll sagte: „Die Jahre in München waren vielleicht die glücklichsten in ihrem Leben.“

Mehrere Techniken verwendet

Der Referent erläuterte, dass die Unbeschwertheit und die Ausgeglichenheit der Münchener Jahre in Bertas Leben sich in einem produktiven und vielseitigen Schaffen widerspiegeln, das viele Genres umfasst. Unterschiedlich sind auch ihre Techniken in Bleistift, Grafit, Rötel, Pastell, Aquarell, Holzschnitt und Lithographie. Mehr und mehr wandte sie sich dem Aquarell zu, das ihrer lockeren Malweise und sicherem Farbempfinden entgegenkam. In der Ausstellung gibt es wunderschöne Beispiele dieser Aquarelle zu sehen. Ihre größte Werkgruppe waren die Porträts, mit Tusche, Bleistift, Kohle, Rötel, Charakterköpfe und Kinderporträts. Die Köpfe strahlen hohe Präsenz aus. Dazu Troll: „Ihre Porträts sind Darstellungen mit moralischer Tiefe und Respekt, die das ganze innere Leben des Menschen nach außen sichtbar werden lässt.“ Und Troll weiter: „Wohlgemerkt, wir reden von einer 19- bis 22-jährigen Künstlerin, die ihre künstlerische Entwicklung noch vor sich hat.“

Kloster untersagt Illustration

Die Professoren wollten sie als Lehrkraft an der Schule behalten. Sie entschied sich anders, trat mit 22 Jahren in das Franziskanerinnenkloster Sießen bei Bad Saulgau ein. Ihr Ordensname war „Maria Innocentia“. In künstlerischer Sicht musste sie dem Kloster Gehorsam leisten, schuf kleine Andachtsbilder, Altargemälde, unterrichtete Zeichnen in der Saulgauer Schule. Die Porträtmalerei verkümmerte. Der kunstinteressierte Bischof von Regensburg bat sie, eine geplante Schulbibel zu illustrieren. Das Kloster untersagte dies. Sie musste vielmehr auf Wunsch einer Porzellanmanufaktur helfen, ihre Hummelkinder-Karten in plastische Formen umzusetzen. Das Kloster sah den wirtschaftlichen Erfolg mit den Einnahmen aus dem Verkauf ante portas. 1936 begann sie ihr reifstes Werk, den „Kreuzweg“, der eine zentrale Stellung in ihrem Werk einnimmt. Von den erhalten gebliebenen, umfangreichen Entwürfen sind einige in Ochsenhausen zu sehen. 1946 starb die Künstlerin in Sießen an der Tuberkulose.

Die Ausstellung im Fruchtkasten in Ochsenhausen geht bis 7. Oktober. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Donnerstag von 11 bis 21 Uhr. Weitere Infos, auch zu den Führungen, gibt es unter www.ochsenhausen.de

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