Hochbegabte junge Musiker brillieren

Lesedauer: 5 Min
Die Preisträger mit Siegfried Weishaupt (links), ISAM -Leiter Professor Jürgen Essl (Mitte) und Oder Ben-Amts (rechts)
Die Preisträger mit Siegfried Weishaupt (links), ISAM -Leiter Professor Jürgen Essl (Mitte) und Oder Ben-Amts (rechts) (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Die internationale Sommerakademie für Musik (ISAM) ist ein Meisterkurs für Pianisten, Komponisten und Organisten. Erfahrene Künstler, Lehrer und Komponisten unterrichten junge, angehende Künstler aus aller Welt und bereiten sie auf internationale Wettbewerbe vor. In Ochsenhausen hörte man die Gewinner des 9. Internationale Siegfried-Weishaupt-Klavierwettbewerbs, des 8. Internationalen Joseph-Gabler-Orgelwettbewerbs, des 13. Joseph-Dorfman-Kompositionswettbewerbs sowie des 2. Justin-Heinrich-Knecht-Preises der Stadt Biberach.

Der Musikabend begann in der Klosterkirche Sankt Georg mit den Organisten. Akademiedirektor Professor Klaus Weigele begrüßte die Anwesenden sowie die ISAM-Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern, betonte die umfangreiche Unterstützung durch den Förderkreis ISAM. Mitchel Miller, 2. Preisträger des Joseph-Gabler-Wettbewerbs eröffnete das Konzert mit Preisträger mit Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll, eine von Bachs wichtigsten und bekanntesten Kompositionen. Die majestätische Eröffnung steigert sich zu fulminanten orchestralen Architekturen.

Simon Fallert, 1. Preisträger des Joseph Gabler- sowie des Justin-Heinrich-Knecht-Wettbewerbs begann mit eigenen Improvisationen zu einer Toccata, experimentierte klanglich sehr interessant mit hohen Diskantregistern. Dann folgte das „Kleine Hoboenkonzert“ von Knecht mit zu Beginn fast tänzerischem Impetus, der sich feingliedrig zu vorklassischem Melodiengeflecht öffnet.

Nach der Pause wurde das Konzert im Bibliothekssaal fortgesetzt. Benjamin Nuzzo, 1. Preisträger des Kompositionswettbewerbs, führte sein Werk „Runechild“ für Sopran (Verena Gropper), Flöten (Christian Prader) und Schlagwerk (Jessica und Vanessa Porter) auf. Es beginnt idyllisch, fast bukolisch, mit impressionistischer Flöte. Große Trommel und Kesselpauke treiben den Flötendiskant, eine elegische Sopranmelodie übernimmt weichklängig. Die vier Solisten gestalteten bildstark unter dem Dirigat des Komponisten.

Kamancheh und Tabla

Die Kamancheh ist eine Stachelgeige mit rundem Korpus in der iranischen und aserbaidschanischen Musik. Die Tabla ist ein Schlaginstrument der nordindischen Musik. Sie besteht aus zwei kleinen Kesseltrommeln, die mit den Fingern beider Hände gespielt werden. Elham Hamedi, 2. Preisträgerin des Kompositionswettbewerbs und Förderpreisträger Matthew Tharappel improvisierten auf diesen Instrumenten Musik aus ihren Heimatländern Persien und Indien, erzeugten wunderschöne und ungewohnte Melodien- und Rhythmusfolgen.

Der Sieger des Siegfried-Weishaupt-Klavierwettbewerbs ist der russische Pianist Artur Vorozhtcov. Preisstifter Weishaupt drückte in einer kurzen Ansprache aus, wie sehr es ihn bewegt hat, so viele großartige Künstler aus den unterschiedlichsten Nationen zu erleben. Vorozhtcov spielte Beethovens Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur. Mit dem sehr virtuosen „Allegro molto e con brio“ riss der Pianist die Zuhörer sofort mit. Das „Largo con gran espressione“ zelebrierte der Künstler als zart duftende Klangelemente. Das folgende Allegro ließ tänzerischen Impetus mit feiner Melodieführung hören, veränderte sich zu dramatischem Drive. Im abschließenden Rondo jagte der Pianist die schnellen Phrasen mit virilem zupackendem Anschlag.

Aus der modernen Balletmusik aus „Anna Karenina“ von Rodion Shchedrin (Klaviertranskription Michail Pletnev) spielte Vorozhtcov das Andante assai des Prologs mit disharmonischen Reibungen, dann mit grandioser Virtuosität den technisch höchst anspruchsvollen alla-marcia-Satz „Pferderennen“. Zweifellos erlebte man hier den Beginn einer großen Pianistenkarriere. Aber auch alle anderen jungen Musiker zeigten neben selbstverständlichem technischen Können bemerkenswert stabile künstlerische Reife.

Die Preisverleihungen nahmen die ISAM-Dozenten Professores Ofer Ben-Amots, Jürgen Essl, Lily Dorfman sowie Akademiedirektor Klaus Weigele vor. Den Preis für den Knecht-Wettbewerb überreichte der Biberacher Kulturdezernent Jörg Riedlbauer.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen