Helfen bringt Freude: Schulbücher sollen ein besseres Leben ermöglichen

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Schüler sitzen im Unterricht
Schüler des Lycée Béthelehem in Piéla sitzen im Unterricht. In den oberen Klassen lernen sie Deutsch als zweite Fremdsprache. (Foto: Erwin Wiest)

Jeweils zu zweit sitzen die Jugendlichen in den Schulbänken. Jeder Schüler hat ein Heft und einen Stift. Doch was auffällt: Nicht jeder hat auch ein Schulbuch. Denn das Foto zeigt nicht eine Schulklasse irgendwo in Deutschland.

Auf ihm ist eine Schulklasse im westafrikanischen Staat Burkina Faso zu sehen. Und dort sind Schulbücher Mangelware. Das möchte der Ochsenhauser Förderverein Piéla-Bilanga Schritt für Schritt ändern.

Seinen Namen verdankt der Verein, der sich seit mehr als 37 Jahren in Westafrika engagiert, zwei Städten in Burkina Faso. „Piéla und Bilanga sind zwei Kommunen in der Provinz Gnagna. Sie liegen etwa 220 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt. Insgesamt wohnen dort etwa 200 000 Menschen“, erklärt der Vorsitzende des Vereins Erwin Wiest im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Ohne Bücher läuft der Unterricht nur über den Tafelaufschrieb. Das ist fehleranfällig. 

Erwin Wiest

Ihm geht der komplizierte Name der Hauptstadt flüssig von den Lippen. Vor Kurzem war er vier Wochen lang in dem westafrikanischen Staat, es war sein mittlerweile 20. Besuch.

Auf seiner Reise besuchte er auch drei Oberschulen, sogenannte Lycées, in Piéla und Bilanga. Ihnen soll das Projekt des Vereins zugutekommen, das von der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ unterstützt wird. Mit den Spendengeldern sollen Bücher für die drei Schulen angeschafft werden.

Wiest erklärt, warum Bücher so wichtig sind: „Vom Staat gibt es kaum Geld für Schulbücher. Wenn wir sie nicht kaufen würden, dann hätten die Schüler keine Bücher. Und ohne Bücher läuft der Unterricht nur über den Tafelaufschrieb. Das ist fehleranfällig.“

Dass es einen großen Unterschied für die Schüler macht, ob sie Bücher zum Lernen zur Verfügung haben oder nicht, hat ihm auch ein Freund bestätigt, der in Burkina Faso Deutschlehrer ausbildet.

„Dort gibt es zentrale Prüfungen, vergleichbar einem Zentralabitur. Die Prüfungen sind wirklich streng. Die Durchfallquote liegt teilweise bei 70 Prozent. Doch an den drei Schulen, die von uns unterstützt werden, liegt die Rate bei nur zehn Prozent.“

Der Förderverein hatte in den vergangenen Jahren bereits Schulbücher für die Lycées gekauft. „Wir haben schon dreimal Bücher verteilt. Jetzt ist das vierte Mal geplant.“ Auch im vergangenen Jahr wurde der Bücherkauf von der SZ-Weihnachtsaktion unterstützt. Das Ziel: „Nach und nach werden die Schulen mit Büchern ausgestattet“, sagt Wiest. Der Preis für die Bücher ist nicht arg hoch. Ein Lehrbuch mit Übungsbuch kostet laut Wiest 6000 CFA-Francs. Das entspricht etwa neun Euro.

Einblick in deutsche Kultur

„Wir überlassen die Entscheidung, welche Bücher gekauft werden, der Schulleitung und den Elternbeiräten“, sagt Wiest.„Aber wir signalisieren, dass wir uns wünschen, dass sie sich Deutschbücher kaufen.“

Die Schüler lernen in der Oberstufe Deutsch als zweite Fremdsprache. „Über die Deutschbücher bekommen die Schüler auch einen Eindruck von Deutschland, von dem Leben dort, der Kultur und der Gesellschaft.“

Die Oberstufe dauert drei Jahre, zusammen mit der Grundschule und der Mittelstufe können die Schüler nach 13 Jahren ihre Abschlussprüfung ablegen – wenn nichts dazwischenkommt.

„Oft sind sie in der Oberstufe älter als 17 oder 18, entweder weil sie später in die Schule gekommen sind, sitzen geblieben sind oder ausgesetzt haben.“ Wie Wiest berichtet, sitzen in einer Oberstufenklasse zwischen 60 und 80 Schüler.

Lebende Geschenke zum Dank

„Ich wollte wissen, was aus den Büchern geworden ist, die bei der vergangenen Spendenaktion gekauft wurden“, sagt Wiest. Auf seiner Reise hat er Schulleiter, Lehrer und Elternbeiräte getroffen.

„Sie haben sich bedankt. Der Vorsitzende eines Elternbeirats brachte zum Dank zwei Gockel vorbei. Lebendige wohlgemerkt. Das ist dort so üblich. Für die Schulen sind die Bücher ein Riesenfortschritt. Eine Erfolgsrate von 90 Prozent bei den Prüfungen ist super.“

Der persönliche Kontakt nach Burkina Faso ist Wiest wichtig: „Wir wollen die Begünstigten kennen. Eine direkte, partnerschaftliche Hilfe ist unser Anliegen. Dafür stehen wir.“

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