Grandioser Chorgesang im Bräuhaussaal

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 Das C.H.O.I.R.-Konzert ließ keine Wünsche offen, hier wartet Sopranistin Alice Fuder (l.) auf ihren Einsatz.
Das C.H.O.I.R.-Konzert ließ keine Wünsche offen, hier wartet Sopranistin Alice Fuder (l.) auf ihren Einsatz. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

„Ode an die Freude“: Der internationale Jugendchor C.H.O.I.R. hat am Sonntag sein Abschlusskonzert im Ochsenhauser Bräuhaussaal gegeben. Die Sänger präsentierten ein hinreißendes Konzert.

Damijan Močnik ist ein slowenischer Komponist und einer der am häufigsten aufgeführten zeitgenössischen Tonsetzer. Von der Landesakademie hatte er den Kompositionsauftrag für den Chorsatz „Ode an die Freude“ auf den Text von Friedrich Schiller erhalten. Am vergangenen Donnerstag war in Laupheim die Uraufführung dieser etwa 15-minütigen Komposition mit 100 Sängern, einem Klavierduo und einem fünfköpfigen Schlagwerkensemble unter der Gesamtleitung von Michael Alber, der mit souveräner Selbstverständlichkeit und Schlagtechnik ein großes neues Klangerlebnis gestaltete.

Močniks Werk eröffnete auch in Ochsenhausen das Konzert. Es ist eine berührende Hommage an Ludwig van Beethoven. Den Sinngehalt der Dichterworte hat der Komponist spannend und klangschön umgesetzt. Gleich zu Beginn hört man gleichsam im inneren Ohr die Beethoven-Hymne aus der d-moll-Sinfonie, seiner Neunten. Die originären neuen Tonfolgen eröffnen ihrerseits aber eine eigene Klangwelt mit modernen Rhythmen und Melodien, die originale wie stilistisch und klanglich nachempfundene Beethoven-Motive umkränzen und begleiten. Der große Klassiker wird mehrfach zitiert, von den beiden Klavieren direkt, vom Chor mit harmonischen Erweiterungen. Es war Musik vom Feinsten, und man darf wohl vermuten: Beethoven hätte es gefallen.

Und dann hörte man eines der grandiosesten Chorwerke der Musikliteratur: „Carmina Burana“, die „Cantiones profanae“ von Carl Orff in einer leicht gekürzten Fassung für Chor, Soli, zwei Klaviere und Schlagwerk. Den Chor bildeten jetzt alle 160 Sänger der elf Partnerchöre, die hier bereits das Konzert eine Woche zuvor gestaltet hatten. Sie präsentierten die Sätze der Riesenkantate mit großer Musikalität und Differenzierungskunst unter Leitung von Michiel Haspeslagh. Faszinierend zu hören, wie diese so unterschiedlichen Choristen aus mehreren europäischen und asiatischen Ländern zu einer künstlerischen Einheit zusammenwuchsen, die Inhalte mit bäuerlicher Heiterkeit, wie Saufszenen, wie klanglich-erotischer Spannung füllten, das uralte Spiel von Werbung und erotischer Erregtheit interpretierten.

Die Texte der „Carmina Burana“ in mittelalterlicher und mittelhochdeutscher Sprache entnahm Orff einer Sammlung von im zwölften Jahrhundert entstandenen Liedtexten. Dieses hoch rhythmische Werk führt mitten in die Lebenswelt des Mittelalters, erzählt von allen Bereichen vom bäuerlichen Alltag bis hin zum klösterlichen Leben. Nach der gewaltigen Einleitung, dem Chor an die Schicksalsgöttin Fortuna („Fortuna Imperatrix Mundi“) gliederte der Komponist sein Werk in drei Teile: Primo vere, Ûf dem anger (Erwachen des Frühlings, Liebe), In taberna (opulentes Gelage im Wirtshaus), Cours d’amour und Blanziflor etHelena. Am Schluss noch einmal der Eingangschor „O Fortuna“. Orff erfand mitreißende und tänzerische Rhythmen zu den alten Texten, musikalisch von raffinierter Schlichtheit in zumeist archaisierender Harmonik.

Die Interpretation aller Beteiligten ließ keine künstlerische Wünsche offen. Zuallererst ist der schier überwältigende Chor zu nennen. Dazu hörte man ein großartiges Solistenterzett: Alice Fuder sang mit schön klingendem Sopran von dem überall fliegenden Amor und von dem Mägdlein im roten Hemd. Hubert Mayer beklagte mit hoch steigendem Tenor sein Schicksal als gebratener Schwan, Manuel Kundinger erzählte mit lyrischem Bariton von dem Knaben und dem Mägdlein im Kämmerlein, vom seligen Beisammensein. Die Instrumentalisten waren die beiden exzellenten Pianisten Mijung Shin und Sangwook Park sowie das Schlagwerkensemble Jessica Porter, das mit hinreißendem Drive vorantrieb. Das begeisterte Publikum dankte bei beiden Werken mit langem Applaus.

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