Elf Chöre stehen in Ochsenhausen auf der Bühne

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 Die Sänger aus Taiwan präsentierten in Ochsenhausen auch ein philippinisches Volkslied.
Die Sänger aus Taiwan präsentierten in Ochsenhausen auch ein philippinisches Volkslied. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Elf Chöre aus Europa und aus Asien haben im Bibliothekssaal in Ochsenhausen die Chorserenade „C.H.O.I.R. 2019“ gestaltet. Akademie-Dozent Michael Alber, Chordirektor der Staatsoper Stuttgart, hatte ein spannendes Programm zusammengestellt, das die ganze klangreiche Palette der Chormusik umfasst. Volkslieder der einzelnen Regionen wechselten mit Kompositionen vom Barock zur Moderne. Alle Chöre hatten natürlich ihre Dirigenten mitgebracht.

Das Konzert eröffneten aber alle 170 im Saal verteilten Choristen zusammen unter Albers Leitung mit dem Kinderlieder-Klassiker „Bruder Jakob“. Bei den Einzeldarbietungen beschränkten sich Chöre aber keineswegs auf Lieder nur aus ihrem Kulturraum. Das zeigten bereits die Vertreter Deutschlands mit dem venezolanischen Volkslied „Aniceto Rondón“. Zuvor brachten sie den einfallsreichen Kanon vom Kuckuck, der auf einem Baum saß, und große Heiterkeit erregte ein aktueller Song „Deutsche Bahn“ mit den heute üblichen Fehlerdurchsagen und: „Thank you for travelling Deutsche Bahn.“

Der russische Chor aus Petrozavodsk sang stilvolle Lieder aus der Heimat, sehr gefühlvoll schwebte einer der Songs über eine Steppenlandschaft. „Butterfly“ kam mit flatternden Summtönen daher, und in einem weiteren Lied hörte man in strengem Rhythmus trabende Pferde.

Stimmstarke Japaner

Die acht stimmstarken Männer des japanischen Chors brachten ein Volkslied im Madrigalstil, dann ein deutsches Lied nach Goethe: „Wenn man nicht trinken kann, soll man nicht lieben“ sowie ein weiteres Volkslied ihrer Heimat.

Bei den vier Frauen und fünf Männer des polnischen Chors dirigierten abwechselnd zwei der Chorsängerinnen fünf zumeist lebhafte und melodiöse Lieder. Die Sänger aus Bosnien und Kroatien brachten je ein Volkslied aus ihrer Heimat. Beim flandrischen Chor wurde gebeten, zwischen den drei Beiträgen nicht zu applaudieren. Das war sehr gut, kein Zwischendurchklatschen zerriss bei ihnen die Eindrücke der Musik. Ihre Beiträge waren spannend unterschiedlich. Zuerst von Mendelssohn „Herr sei gnädig unserm Flehn“, dann vom estnischen Komponisten Arvo Pärt das russische „Bogoróditse Djévo“, eine Huldigung an die Jungfrau Maria mit starker Expression. Schließlich „Mother of God“ des Briten John Taverner in breitem kontemplativen Largo.

Die Sänger aus Taiwan eröffneten mit einem philippinischen Volkslied, erweiterten zu einem Lied der Volksgruppe der Hakka mit feiner seelenvoller Melodie, verbreiteten mit einem körpersprachlich unterstützten Rock schiere Lebensfreude.

Der zweite russische Chor (neun Frauen) kam aus Saratow, sang ein Volkslied, das Geschichten erzählte. „Sealed Angel“ war ein elegisches Strophenlied mit schön singenden Chorsolistinnen mit Material für eine erfolgreiche Solokarriere. Dann noch der New-Age-Song „Adiemus“ von Karl Jenkins.

Die Italiener begannen mit einer Canzonetta von Beethoven: „O care selve“ auf einen Text von Pietro Metastasio in einer neuen Bearbeitung von Giovanni Mezzalira, gefolgt von einem Madrigal von Claudio Monteverdi und einem fröhlichen „Il carnavale di Venezia“ von Gioachino Rossini. Wechselnde Tempi, heiter opernhafte Motive machten das Ganze wunderbar cantabile. Die Ungarn erzählten in „Régi táncdal“ tänzerische Geschichten vom fröhlichen Landvolk und sangen „Esti dal“ von Zoltan Kodály schwebend, zart, ahnungsvoll.

Das Konzert beschlossen die Katalanen mit je sieben Frauen und Männern. Vom lettischen Komponisten Erik Esenvalds der Song „Only in Sleep“ schildert nostalgische Versionen einer Kindheit, die durch Träume wiederbelebt wird. Von Ollé ein wunderbar empfindsames „Ave virgo sanctissima“, „Heiligste Jungfrau sei gegrüßt“, und noch Javier Bustos die fetzige Habanera „A tu lado“, „an deiner Seite“.

Es soll hier gewiss keine Rangliste aufgestellt werden, aber die Katalanen waren strahlendes Ende und Höhepunkt eines großartigen Konzertes. Sie singen in einer eigenen Liga mit vollendeter Professionalität, Musikalität und Gesangskunst. Alle Chöre waren exzellent studiert und gestalteten stimmlich, sprachlich, manchmal auch körpersprachlich, optimal. Das Publikum war – mit Recht – begeistert.

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