Ein Bollwerk der Artenvielfalt retten - Aktionstage Streuobstwiese

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Beim Pflanzen von neuen Obstbäumen dürfen bei den Aktionstagen Streuobstwiese alle mitanpacken
Beim Pflanzen von neuen Obstbäumen dürfen bei den Aktionstagen Streuobstwiese alle mitanpacken (Foto: Luca Mader)

Natürliche Biotope gibt es in Deutschland immer weniger und mit ihnen sinkt die Artenvielfalt. Eine der letzten Oasen, die eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen beherbergen sind die Streuobstwiesen, eine davon befindet sich zwischen Ochsenhausen und Hattenburg. Um auf den ökologischen Nutzen dieser Biotope aufmerksam zu machen, veranstaltete der Gartenbauverein Erlenmoos und der Naturschutzbund Ochsenhausen (Nabu) vergangene Woche die „Aktionstage Streuobstwiese“.

Während unter der Woche die Besucher bei der Altbaumpflege tätig wurden, lernten rund 20 Interessierte bei einer Führung über die Streuobstwiese am Samstag viel über die Natur und die Geschichte der Wiesen. „Schon die alten Griechen und Römer betrieben Obstbau, vor allem für die Weinproduktion“, sagte Robert Wiest, Vorstand des Gartenbauvereins Erlenmoos und Leiter der Führung. Um die Besonderheiten von Streuobstwiesen hervorzuheben, gab er den Besuchern zunächst eine geschichtliche Einführung in das Thema. „Solche Wiesen versorgten die Bevölkerung über lange Zeit mit wichtigen Nährstoffen. Nach der Verwüstung durch den 30-jährigen Krieg etwa wurden sie besonders wichtig“, erklärt der 26-Jährige. Durch die deutsche und europäische Agrarpolitik in den 1950er, -60er- und -70er-Jahren, sank die Zahl der Streuobstwiesen allerdings von zwölf Millionen auf 7,9 Millionen. Um Obstplantagen zu fördern habe der Staat in dieser Zeit Prämien für die Rodung von Streuobstwiesen gezahlt. „Es ist höchste Zeit etwas zu tun, sonst verlieren wir diese Bollwerke der Artenvielfalt“, sagte Wiest.

Bei der restlichen Führung begutachteten die Besucher die vielen Obstbäume und Totholzstrukturen, die den verschiedensten Tierarten einen Lebensraum bieten. Insgesamt beherberge die Streuobstwiese zwischen 3000 und 5000 verschiedenen Tierarten, darunter viele Vögel. Der Vogelexperte des Nabu Ochsenhausen Jürgen Dämmgen identifizierte die diversen Vogelgesänge für die Besucher. „Hier gibt es Stieglitze, Kleiber, Meisen, Finken und viele andere. Es ist höchste Zeit dass diese Wiesen gerettet werden“, sagte Dämmgen. Zur Veranschaulichung erhielten die Gäste Einblick in die, nicht mehr bewohnten, Nistkästen der Vögel um die Strukturen der Nester zu sehen.

Doch nicht nur für Flora und Fauna sei die Streuobstwiese wichtig, sondern auch für den Menschen. „Die Insekten die hier leben sind die Grundlage der Nahrungskette“, sagte Robert Wiest. Wenn das Insektensterben so weiterginge habe das langfristig negative Auswirkungen auf den Menschen. „Es drohen ganze Artenzusammenbrüche“, so Wiest. Darüber hinaus seien die Früchte der alten Obstbaumsorten um Einiges gesünder als die heutigen. „Die Polyphenole im Obst sind sehr gesund, sie wirken krebsvorbeugend und entzündungshemmend“, erklärte der 26-Jährige. „Die neuen Obstsorten enthalten oft nur zehn Prozent so viel Polyphenol wie die alten.“

Um die Streuobstwiese bei Hattenburg weiter zu erhalten, pflanzten die Verantwortlichen am Samstag 13 neue Bäume. Darunter befanden sich viele alte Obstbaumsorten wie Elsbeere und Speierling. Diese zwei Bäume sind in der Vergangenheit fast in Vergessenheit geraten und deswegen besonders schützenswert.

Beim Pflanzen der drei Jahre alten Obstbäume packten alle Besucher mit an. Dabei ging es um mehr, als nur den Jungbaum in ein Loch zu stellen. Robert Wiest zeigte den Interessierten dabei viele Tricks um zu gewährleisten, dass die Bäume gut anwachsen. So schnitt er beispielsweise die Wurzeln speziell an.

„Ich habe diesen Platz hier zwar schon öfters beim Vorbeifahren gesehen aber ich war hier noch nie. Ich finde es super dass sich der Verein hier so reinhängt“ sagte die Besucherin Andrea Wiest. Ihr achtjähriger Sohn Matthäus war ebenfalls mit dabei und zeigt sich sehr interessiert: „Am besten hat mir das Bäume pflanzen gefallen.“

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