Drei Skulpturen aus Stahl zieren die Klosteranlage

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 Kulturamtsleiter Michael Schmid-Sax (links) und Robert Schad vor der Rumone: Skulpturen wie diese sind bis Ende November in Och
Kulturamtsleiter Michael Schmid-Sax (links) und Robert Schad vor der Rumone: Skulpturen wie diese sind bis Ende November in Ochsenhausen und in weiteren Plätzen in Oberschwaben zu sehen. (Foto: Daniel Häfele)

Sie sind aus Vierkantstahl und wiegen mehrere Tonnen: An mehr als 40 Orten in der Region zwischen Bodensee und Ulm lässt der Künstler Robert Schad in diesen Tagen seine Skulpturen aufstellen. Drei davon haben Lastwagen nun in Ochsenhausen angeliefert. Rumone, Ferrents und Palut – auf fantasievolle Namen wie diese hören die Werke. Deren Aussehen dürfte bei Besuchern des Klosterareals für Diskussionen sorgen.

Für Robert Schad, der in Frankreich und Portugal lebt, ist Ochsenhausen kein unbekanntes Terrain. In der Vergangenheit hat er zweimal in der städtischen Galerie Fruchtkasten ausgestellt. Auch deshalb musste Ochsenhausens Kulturamtsleiter Michael Schmid-Sax nicht lange überlegen, als eine Anfrage bezüglich des Aufstellens der Skulpturen bei ihm aufschlug. Organisiert wird die Ausstellungsreihe vom Verein „Freundeskreis Skulpturenprojekt Robert Schad 2019“. Schirmherr ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

 Auf dem Platz vor der Klosterkirche St. Georg gibt es auch die Skulptur „Ferrents“ zu sehen.
Auf dem Platz vor der Klosterkirche St. Georg gibt es auch die Skulptur „Ferrents“ zu sehen. (Foto: Daniel Häfele)

„Ich finde seine Arbeiten toll und er hat eine sehr gute Auswahl für die Plätze in Ochsenhausen getroffen“, sagt Schmid-Sax. Trotz ihres Gewichts wirkten die Werke leicht: „Viele glauben, die Skulpturen seien innen hohl. Das stimmt aber nicht. Alles ist aus Stahl.“ Zwei der Werke stehen auf dem Kirchplatz, ein drittes beim Reitplatz: „Gerade der Platz vor der Klosterkirche ist sehr exponiert, auf dem muss man sich erst einmal behaupten.“ Die Stahlskulpturen dorthin zu bekommen, war eine logistische Herausforderung. Zwei Tieflader brachten die Konstruktionen von Portugal nach Ochsenhausen, die in einem weiteren Schritt von den Mitarbeitern des Bauhofs installiert wurden.

Mehrere Tonnen schwer

„Wir mussten von extern ein Fahrzeug ausleihen, weil die des Bauhofs maximal zwei Tonnen heben können“, sagt Schmid-Sax. Die Skulptur Palut, die 2014 entstand und beim Reitplatz zu finden ist, wiegt zum Beispiel drei Tonnen. Darüber hinaus wurde bei diesem Werk ein Teil des Bodens ausgehoben, um die Stahlplatte unter dem Rasen verschwinden lassen zu können: „Es soll so aussehen, als ob der Stahl aus dem Boden wachsen würde.“

Bis zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung am 25. Mai wird teilweise an den Skulpturen noch Hand angelegt. „Bei der Skulptur Rumone muss noch etwas geschweißt werden, weil die Nähte beim Transport gerissen sind“, erklärt Schmid-Sax. „Kommen Skulpturen wie diese in Schwingung, wirken enorme Kräfte.“ Zudem verteilt sich der Rost bislang ungleichmäßig auf der Oberfläche, weshalb diese mit Salzwasser abgerieben werden soll.

Rumone ist nicht nur das größte, sondern auch das neueste Werk, welches in der Rottumstadt zu sehen ist. „Ich habe die Skulptur speziell für Ochsenhausen entworfen. Sie wirft ein wachsames Auge auf Maria“, erläutert Robert Schad und verweist auf die danebenstehende Mariensäule. Er ist in der Region derzeit fleißig unterwegs, um zu überprüfen, ob die Skulpturen richtig aufgestellt wurden: „Sie stehen an ganz unterschiedlichen Plätzen wie auf einer Wiese eines Landwirts, im Wald oder im Industriegebiet.“ Dabei entdecke er Oberschwaben – der Künstler stammt ursprünglich aus Ravensburg – auf eine ganz neue Art.

Stahl als sinnliches Element

Seine Skulpturen, die bis Ende November zu sehen sind, seien als Wesen und nicht als bloßes Objekt zu begreifen. „Die Skulpturen standen bereits an anderen Orten in Europa“, erläutert Schad. Betrachter würden beispielsweise die Skulptur „Ferrents“ aus dem Jahr 2016 auch mit der Bretagne oder Portugal in Verbindung bringen, vorausgesetzt sie haben die Skulpturen an diesen Plätzen bereits bestaunt. Stahl sei für ihn ein „sinnliches Element“, welches der Mensch aus dem Boden hole und verarbeite. Dieses Material begegne einem immer wieder im Alltag, sei es bei der Eisenbahn oder bei Brückenbauwerken.

Robert Schads Werke geben auch immer wieder Anlass für Diskussionen. So fühlt sich mancher Betrachter zum Beispiel an ausrangierte Straßenbahnschienen erinnert, wie in sozialen Netzwerken mittlerweile zu lesen ist. „Bei den Besuchern des Klosters und der Kirche werden die Skulpturen sicherlich Debatten auslösen“, vermutet Kulturamtsleiter Schmid-Sax. Auch das mache den Reiz von Kunst im öffentlichen Raum aus.

 Das Werk Palut aus dem Jahr 2014 befindet sich beim Reitplatz in Ochsenhausen.
Das Werk Palut aus dem Jahr 2014 befindet sich beim Reitplatz in Ochsenhausen. (Foto: Daniel Häfele)
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