Diese Ochsenhauserin hat den Lago Maggiore vor der Haustür

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 Juliana Sambou sportlich unterwegs an den oberitalienischen Seen.
Juliana Sambou sportlich unterwegs an den oberitalienischen Seen. (Foto: privat)
Simon Ruf

Mit 19 Jahren in ein fremdes Land, ohne die dortige Sprache zu sprechen – für viele nicht denkbar. Für Juliana Sambou eine einmalige Chance. Vor zehn Jahren wagt sie den Schritt und zieht von Ochsenhausen in das schweizerische Tessin.

„Die Offenheit für andere Kulturen, Sprachen und Mentalitäten wurde mir in die Wiege gelegt“, erzählt die heute 29-Jährige. Ihre Mutter war bereits in jungen Jahren nach Frankreich ausgewandert. Später lernte sie Julianas Vater, einen Senegalesen, kennen. Juliana Sambou selbst wurde in Dakar, der Hauptstadt des Senegals, geboren und kam 1989 als Säugling nach Ochsenhausen.

Ausbildung als Industriekauffrau

In Ochsenhausen besuchte sie den Kindergarten, die Grundschule und die Realschule. Sie spielte Fußball beim SV Ochsenhausen. Nach ihrer schulischen Laufbahn begann sie eine Ausbildung als Industriekauffrau bei der Firma Südpack. Diese schloss sie 2008 im Alter von 19 Jahren ab.

 Die Ochsenhauserin auf Bootsfahrt über den Laggio Maggiore
Die Ochsenhauserin auf Bootsfahrt über den Laggio Maggiore (Foto: privat)

Sie habe durch eine Ausschreibung innerhalb der Firma von einer Stelle in Bioggio im schweizerischen Tessin erfahren. „Ich habe gleich mit meiner Mutter darüber gesprochen, die mich ermutigt hat. Also habe ich es gewagt“, erzählt die Ochsenhauserin.

Vor Ort habe sie schnell festgestellt, dass die Dinge dort anders laufen: „Deutsch oder Englisch haben mir im Tessin wenig gebracht. Außerdem sind die Tessiner ein sehr eigenes Volk, das eher unter sich bleibt.“ In dem Schweizer Kanton ist die Amtssprache Italienisch.

Mein Talent für Fremdsprachen verdanke ich meinem zweisprachigem Aufwachsen. Juliana Sambou 

Um Kontakte zu knüpfen und Italienisch zu lernen, meldete sich Juliana Sambou bei Fußballvereinen an. Zuerst spielte sie beim FC Lugano (Schweiz) und dann fünf Jahre bei Ponte Tresa (Italien).

Da ihre Mitspielerinnen und Trainer nur Italienisch konnten, lernte auch die Ochsenhauserin die Sprache. „Mein Talent für Fremdsprachen verdanke ich meinem zweisprachigem Aufwachsen“, erklärt die mittlerweile fließend Italienisch sprechende 29-Jährige.

 Juliana Sambou
Juliana Sambou (Foto: privat)

2013 zog Juliana Sambou ins italienische Luino, wo sie sich wohl fühlt. Das Klima sei in der für ihren Markt berühmten Stadt angenehm und die Landschaft „wunderschön“. Sowohl die Berge als auch das Meer seien innerhalb weniger Stunden erreichbar. Zudem hat sie den Lago Maggiore vor der Haustür.

Italienische Bürokratie macht Probleme

Die italienische Bürokratie bereitet Juliana Sambou jedoch Probleme: „Gerade am Anfang war es schwer, damit klar zu kommen. Man wird meist von einem Amt zum anderen geschickt und als Ausländer hat man es besonders schwer.“ In Italien herrsche nun mal eine andere Mentalität, mit der man sich arrangieren müsse.

„Es ist wichtig, so schnell wie möglich die deutschen Erwartungen an Pünktlichkeit und Ordnung abzulegen“, sagt sie. Stattdessen müsse man Geduld mitbringen und die lockere Art der Italiener annehmen.

Mit Freund zusammengezogen

Inzwischen hat sich die gelernte Industriekauffrau in Italien eingelebt. Die 29-Jährige ist in ihrer Firma zur Teamleiterin aufgestiegen und wohnt seit einem Jahr mit ihrem Freund zusammen. Der ist Italiener, aber in Deutschland aufgewachsen.

Am Leben in Norditalien fehlt ihr vor allem die deutsche Abgeklärtheit. Außerdem vermisst sie ihre engsten Freundinnen und ihre Familie, die sie einmal im Monat besucht.

Früher war Juliana Sambou auch in der Karnevalgesellschaft-Narrenzunft Ochsenhausen aktiv und nahm an Prunksitzungen teil. Das sei inzwischen jedoch nur noch schwer machbar, sagt die 29-Jährige.

 Juliana Sambou aus Ochsenhausen genießt das Leben in Italien
Juliana Sambou aus Ochsenhausen genießt das Leben in Italien (Foto: privat)

Langfristig hat sie vor, nach Deutschland zurückzukehren: „Als junger Mensch ohne gesundheitliche Beschwerden lebe ich sehr gerne in Italien. Allerdings würde ich mich gerade im Alter gerne auf die Sicherheit des deutschen Gesundheitssystems verlassen können. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Kinder auf eine italienische Schule gehen.“

„Ich habe es nie bereut“

Auf die Serie der „Schwäbischen Zeitung“ aufmerksam gemacht hat sie im Übrigen eine Arbeitskollegin aus Ochsenhausen. „Mein Anliegen ist es, jungen Leuten durch meine Geschichte Courage zu vermitteln“, sagt Juliana Sambou. Durch das Auswandern erhielten junge Menschen eine Chance, eine komplett neue Sprache und Kultur kennen zu lernen. „Ich habe es nie bereut, dass ich diesen Schritt gewagt habe.“ Zurück nach Hause könne man schließlich immer.

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