Diebe klauen Grabschmuck – das rät die Polizei

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Angehörige pflegen mit viel Hingabe die Gräber der Verstorbenen. Umso ärgerlicher ist es, wenn plötzlich das Blumengesteck fehlt
Angehörige pflegen mit viel Hingabe die Gräber der Verstorbenen. Umso ärgerlicher ist es, wenn plötzlich das Blumengesteck fehlt. (Foto: Symbol: Daniel Häfele)

Der finanzielle Schaden hält sich häufig in Grenzen, die Respektlosigkeit ist dafür umso größer: Immer mal wieder kommt es auf Friedhöfen vor, dass Diebe Grabschmuck klauen. Solche Fälle haben sich offenbar auch auf dem Friedhof in Ochsenhausen ereignet. „Mehrere Leute haben sich bei uns beschwert, dass Blumen oder Grablichter fehlen“, berichtete Kämmerer Peter Maucher in der jüngsten Sitzung des Friedhofverbands Ochsenhausen-Erlenmoos. Die Polizei rät, Delikte wie diese anzuzeigen.

Sie bepflanzen das Grab mit roten Stiefmütterchen, gelben Osterglocken oder lila Veilchen. Mit Engelsfiguren oder verzierten Steinen dekorieren sie die letzte Ruhestätte, um an die Verstorbenen zu erinnern. An besonderen Tagen bringen sie zudem einen frischen Blumenstrauß aufs Grab. Viele Angehörige pflegen mit Hingabe die Gräber, wie bei einem Gang über den Ochsenhauser Friedhof klar wird. Umso ärgerlicher ist es für sie, wenn Blumen plötzlich verschwinden oder die Kerze in der Grablaterne fehlt. Viele dürften es als pietätlos bezeichnen, wenn sich Langfinger an Gräbern bedienen.

Verstärkt vorgekommen

„Im vergangenen Jahr sind solche Fälle relativ oft vorgekommen“, erinnert sich Peter Maucher. Angehörige berichteten der Verwaltung, dass Blumen und Grablichter gestohlen wurden: „Die Verwandten waren verständlicherweise empört darüber.“ Was die Täter dazu bewegt, darüber kann nur spekuliert werden: „Vielleicht nehmen sie die Gegenstände mit, um sie auf das Grab eines Angehörigen auf den Friedhöfen im Umkreis zu legen.“ Gesichert sei das aber nicht, so Ochsenhausens Kämmerer.

Die Verwandten waren verständlicherweise empört darüber. Kämmerer Peter Maucher

Diebstähle auf dem Friedhof in Ochsenhausen sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber das Problem sei „verstärkt aufgetreten“. Er hofft, dass die Besucher durch diesen Bericht aufmerksamer über den Friedhof gehen und auf Verdächtiges achten.

Polizei hat keine Anzeigen vorliegen

Beim örtlichen Polizeiposten sind bislang keine Anzeigen eingegangen, wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Joachim Schulz, bestätigt. „Im Zuständigkeitsbereich unserer Präsidiums wurden vielleicht zehn Fälle im vergangenen Jahr angezeigt.“

Ausschließen möchte er aber nicht, dass sich Langfinger an Gräbern in Ochsenhausen zu schaffen machten. Denn bei solchen Delikten könne es eine hohe Dunkelziffer geben. „Deshalb ist es auch wichtig, dass uns so etwas gemeldet wird. Dann können wir sprichwörtlich Licht ins Dunkel bringen“, erläutert Schulz. Haben die Polizisten nämlich keine Kenntnis davon, können sie auch nicht aktiv werden.

Störung der Totenruhe

Mehrere Arten von Straftaten können hierbei in Betracht kommen. Stehlen Unbekannte zum Beispiel einen Blumenstrauß, handle es sich um einen einfachen Diebstahl, so der Sprecher. Wird dagegen ein Grabkreuz abgeschraubt, kann ein schwerer Diebstahl vorliegen.

Werden Gräber beziehungsweise der Grabstein beschädigt, können die Ermittlungen auch in Richtung Sachbeschädigung laufen. Bei Friedhöfen könne darüber hinaus der Straftatbestand der gemeinschädlichen Sachbeschädigung und die Störung der Totenruhe ins Spiel kommen.

Geringer finanzieller Schaden

Einer der von Berufswegen auf vielen Friedhöfen in der Region unterwegs ist, ist Bestatter Jürgen Spandl. Bei ihm haben Angehörige bislang nichts über derartige Vorfälle berichtet. „Wenn dann erzählen sie das eher im Bekanntenkreis und nicht dem Bestatter“, vermutet er.

Vor ein paar Jahren habe es mal auf einem Friedhof in Memmingen vermehrt solche Fälle gegeben: „Aber das ist schon eine Weile her.“ Auch er kann sich vorstellen, dass viele die Fälle einfach nicht anzeigen, weil es um einen geringen finanziellen Schaden geht.

Trends in der Grabpflege

Bei Bestatter Jürgen Spandl nachgefragt, worauf die Angehörigen bei der Dekoration von Gräbern heute wert legen, sagt er: „Vielen ist es wichtig, wenig Arbeit damit zu haben.“ Deshalb setzten immer mehr auf Grabsteinplatten, auf die dann zum Beispiel eine Blumenschale gestellt wird. „Ein Trend sind auch Steine und Engelsfiguren“, berichtet Spandl. Fange einer damit an, ließen sich weitere davon inspirieren: „Der Grabschmuck ist einerseits individuell, im Großen und Ganzen aber auf vielen Friedhöfen ähnlich.“

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