Die lange Geschichte der Angele-Sippe

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Schwäbische Zeitung

Zu den Hobbys von Johannes Angele aus Reinstetten zählen Zeitreisen. Dabei geht es zurück in die Vergangenheit und zu den Vorfahren einer Sippe, deren Ursprünge bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückreichen. Mittlerweile sind für die über Deutschland hinaus verstreute Angele-Sippe fast zwei Dutzend Stämme nachgewiesen. Die Ahnenforschung spürt vergangene Verbindungen der Stämme nach, doch auch die Verbundenheit der heutigen Generation wird gepflegt: mit dem regelmäßig herausgegebenen Angele-Info und dem Angele-Tag, an dem sich Mitglieder der Sippe einmal jährlich treffen.

Rund 100 von ihnen kamen kürzlich in Fischbach zusammen, aus Oberschwaben, Bayern, dem Rhein-Main-Gebiet und der Schweiz waren die Teilnehmer zum 68. Angele-Tag angereist. Auch Sippenmitglieder aus den USA oder Ungarn waren schon dabei, wobei die Verbreitung der Angele nicht mit diesen Ländern endet. Das Angele-Info, ein liebevoll gestaltetes Mitteilungsblatt der Sippe, werde an mehr als 1300 Familien verschickt – überwiegend in Deutschland, aber auch in der Schweiz, in Ungarn, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Mexiko, sagt Johannes Angele. Der Reinstetter ist seit fünf Jahren Sippenvater, als Nachfolger von Artur Angele, dessen Tochter, die Sigmaringer Landrätin Stefanie Bürkle, 2015 beim Treffen in Fischbach war. Ein Sippenvater wird vom zwölfköpfigen Sippenrat gewählt und sei in seinen Aufgaben mit einem Vereinsvorsitzenden vergleichbar, sagt Johannes Angele.

Der Vater macht es vor

„Geschichte interessiert mich“, sagt der 63-Jährige aus Reinstetten, der auch einen großen Beitrag zur laufenden Weltkriegsausstellung im Klostermuseum Ochsenhausen leistete. Er forscht gern nach, wobei sein Interesse „dem Naheliegenden“ gilt. Und nichts liegt näher als die eigene Familie und Fragen nach Herkunft und Verbreitung einer Sippe – das hatte ihm schon sein Vater vorgemacht. „Er hat auch die mütterliche Seite von uns erforscht“, so Johannes Angele. Als kleiner Junge wurde er zu den Treffen der Sippe „mitgeschleppt“ wie er sagt. „Es gibt Fotos, auf denen stehe ich mit dem Rücken zum Fotografen vor der Gruppe.“ Vier, fünf Jahre alt mag er da gewesen sein. Kinder, deren ganzes Leben noch vor ihnen liegt, haben keinen Sinn für Vergangenes.

Das änderte sich bei Johannes Angele. Nach beruflichen Stationen im Ausland kehrte er nach Reinstetten zurück, übernahm den väterlichen Betrieb und kümmerte sich später um die Internetseite der Sippe. „So bin ich langsam dazugekommen.“ Als Ahnenforscher, für den es viel zu entdecken gibt. „Was machen andere Angeles? Wie gehören sie zusammen? Das ist immer wieder spannend.“

25 Familien in Tschasartet

Eine der derzeit spannendsten Fragen ist für Johannes Angele die „Anbindung der ungarischen Angeli“, wie die Angeles dort seit einigen Generationen heißen. In Tschasartet (ungarisch: Császártöltés), „ein Ort so groß wie Reinstetten, leben 25 Familien der Sippe“, zu denen freundschaftliche Bande bestehen. In einem anderen Ort in Ungarn gibt es noch vereinzelte Angeli, während in einem Ort nahe der rumänischen Stadt Arad im Banat bis die 1980er-Jahren Angele-Familien lebten.

Man geht davon aus, dass die Vorfahren der Angeli vermutlich im 18. Jahrhundert über die Donau und auf Ulmer Schachteln genannten Booten nach Südosteuropa ausgewandert waren. Doch wie sie mit den nach wie vor in Schwaben heimischen Angeles verwandt sind, bleibt noch zu entdecken. „Beide Seiten sind gut erforscht, es fehlt aber ein Glied“, sagt Johannes Angele. Passagierlisten, wie sie bei den Auswanderern nach Nordamerika existieren, die gab es im Falle der von Ulm donauabwärts gezogenen Menschen nicht.

Urkunde aus dem Jahr 1405

Das Internet habe die Ahnenforschung erleichtert, sagt Johannes Angele. Auch Archive waren und sind Anlaufstellen. „Bei den Dokumenten aus der Region wissen wir, wo wir was finden.“ Im Spitalarchiv Biberach liegt der älteste Nachweis eines Sippenmitglieds aus dem Jahr 1405, damals ansässig auf den Rißhöfen zwischen Warthausen und Herrlishöfen. Die Urkunde weist einen Grundstücksverkauf aus, unterzeichnet von einem Angelin, der damaligen Schreibweise der Sippe. Unweit von Rißhöfen ist Galmutshöfen, wo der Ursprung des Stamms verortet ist, dem Johannes Angele angehört; der älteste Nachweis hier ist von 1560. Doch nicht alle der bisher ermittelten knapp zwei Dutzend Stämme sind so alt. „Sie reichen unterschiedlich weit zurück“, sagt der Sippenvater. „Einige fangen erst 1860 an.“ Wobei Johannes Angele nicht ausschließt ist, dass diese zu bestehenden Linien gehören.

Albert Angele legt die Basis

An Ansatzpunkten für die Ahnenforschung mangelt es in der Angele-Sippe nicht. Obwohl schon eine Menge geleistet wurde, seit Albert Angele, gebürtig aus dem heutigen Bräuhaus Ummendorf, vor mehr als 70 Jahren die Spurensuche aufgenommen hatte. Er war Pfarrer in Bayern, bis ihn die Nationalsozialisten aus dem Amt drängten, und er in die Heimat zurückkehrte. „Er hatte Zeit, hat viel erforscht und die Basis gelegt“, sagt Johannes Angele. Pfarrer Albert Angele rief mit anderen Sippenmitgliedern in den Nachkriegsjahren auch den jährlichen Sippentag ins Leben.

Aus diesen Anfängen und wenigen Namen entstand im Laufe der Zeit eine große Sammlung. „Wir haben eine genealogische Datenbank, in der 13 000 Personen drin sind“, sagt Johannes Angele, für den das längst nicht das Ende ist: „Ich schätze, die Zahl wird sich noch verdoppeln.“

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