Das Dozententeam der Berliner Vocal-Band „ONAIR“ leitete einen Workshops und trat bei dem Konzert mit auf.
Das Dozententeam der Berliner Vocal-Band „ONAIR“ leitete einen Workshops und trat bei dem Konzert mit auf. (Foto: Helmut Schönecker)
Helmut Schönecker

Erfahrene Chorsänger und Jazzchorleiter aus ganz Deutschland haben sich am Wochenende an der Landesakademie in Ochsenhausen getroffen, um in verschiedenen Workshops einen vertieften Zugang zum zeitgenössisch-populären Chorgesang zu bekommen. Auf dem Programm standen ein Dirigierkurs unter Leitung des dänischen Chorleiters Jens Johansen, diverse Workshops mit dem Dozententeam der Berliner Vocal-Band „ONAIR“ und gezieltes Coaching bestehender Ensembles. All das fand ein grandioses Finale bei einem Konzert mit dem Motto „Jazzchor total“.

Zu Beginn der – trotz äußerst winterlicher Straßenverhältnisse gut besuchten Veranstaltung – stellten die Teilnehmer der Dirigierkurse mit den beiden Studiochören ausgewählte Arrangements ihres Dozenten Jens Johansen vor. Johansen ist Gründer, Leiter und Arrangeur des vielfach preisgekrönten Ensembles „Vocal Line“ aus Aalborg/Dänemark und war neben Dirigiertechnik auch für weitere interpretatorische Kategorien wie Groove und Performance zuständig. Zusammen mit dem Akademiedozenten Torsten Krill moderierte er, nach einer knappen aber sympathischen Begrüßung auf Deutsch, im weiteren Verlauf des kurzweiligen Abends auf Englisch die einzelnen Stücke. Bei Bedarf begleiteten beide Dozenten auf dem Flügel oder mit einer Cajon auch die Übungschöre der Teilnehmer.

Die Titel von Stevie Wonder (Don’t you worry ‘bout a thing), Tina Dickons (Goldhawk Road, River of what’s been) oder das berühmte „Freedom ‘90“ von George Michael streuten über eine große stilistische Bandbreite und stellten die Chorleiter besonders in den ternären Rhythmen und Taktarten vor nicht geringe Herausforderungen. Jazz im engeren Sinne war darunter zwar nicht vertreten, gleichwohl standen die meisten Arrangements in der Tradition der Swing- und Bigband-Ära als durchkomponierte, teilweise auch hochkomplexe, jazzaffine Nummern mit viel Groove, schrägen Harmonien und gelegentlichen Freiräumen. So etwa in Artie Butlers „Here’s to life“ in einem Arrangement von Line Groth. Der Titel gilt bereits als moderner Jazz-Standard und stand in der Version von Shirley Horn immerhin ein ganzes Jahr in den amerikanischen Jazz-Charts, bevor Barbara Streisand daraus einen Welthit machte.

Ensembles zeigen Erlerntes

Die gecoachten Ensembles „Vocal Lipz“ aus Leipzig mit der Hammer-Nummer „Goliat“ von Riltons Vänner sowie das Ravensburger Ensemble „issimo“ mit Eigen-Arrangements der Chorleiterin Kristina Stary von „Es saß ein klein, wild Vögelein“ und einer sehr eindrucksvollen Version von David Bowies „Space Oddity“ erhielten großen Applaus. Dieser wurde nur übertroffen von dem der beiden folgenden Titel des großen „OX-Projektchor-Finales“ unter Beteiligung von ONAIR: „Lovely Day“ von Bill Withers und „Radio GaGa“ von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor, mit einer täuschend echten Freddy Mercury-Imitation von ONAIR-Tenor André Bachmann.

Nach dem Dank vom leitenden Akademiedozenten Torsten Krill ans ganze Team gab es gleich noch zwei Zugaben des Berliner A-Cappella-Quintetts mit bestechend echt klingenden Beatboxing- und E-Bass-Effekten bei einem dichten, homogenen, einfühlsam verhallten und sensibel komprimierten Chorklang, mit viel Fingerspitzengefühl bestens abgemischt vom Leiter des Workshops „Recording Secrets“, dem auf A-Cappella-Chöre spezialisierten Audio Engineer Nicolai Plier.

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