Cello-Power pur beim Schwäbischen Frühling

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 Ein anspruchsvolles Programm war beim Konzert in Ochsenhausen geboten.
Ein anspruchsvolles Programm war beim Konzert in Ochsenhausen geboten. (Foto: Steffen Dietze)
Gerhard Trüg

Beim Konzert „Artists in Residence und Next Generation“ bei den Musikfestspielen Schwäbischer Frühling in Ochsenhausen, haben die Zuhörer im vollbesetzten Bibliothekssaal ein Konzert mit Cello-Power pur erlebt. Zahlreiche Studierende der Meisterklasse von Reinhard Latzko, aber auch andere, kamen aus ganz Europa nach Ochsenhausen, um Solostücke und auch Ensemblestücke mit den Festivalkünstlern vorzutragen.

Allen hochtalentierten Studierenden war ein sehr hohes Niveau mit atemberaubender Sicherheit und Souveränität in ihrem auswendig vorgetragenen Spiel gemeinsam. Der langjährige Intendant der Festspiele, Christian Altenburger, begrüßte die Zuhörer und übergab das Mikrofon an Reinhard Latzko, der kurzweilig und launig den Abend moderierte.

Marlene Muthspiel (Wien) und Hochschullehrer Patrick Demenga eröffneten mit dem Cello-Duo des Barockkomponisten Jean-Baptiste Barrière. Wunderbar zart gespielte Cello-Kantilenen mit Verzierungen wechselten sich mit zupackenden Spielfiguren ab.

16-jähriger Künstler

Der erst 16 Jahre alte Felix Jügelt (Karlsruhe) spielte gefühlvoll die bekannte Sarabande aus der 2. Cellosuite von Johann Sebastian Bach. Mit dem ersten und vierten Satz der 2. Solosuite für Cello von Max Reger, hörte man Eva Sophie Albrecht (Weimar). Bei diesem schwierigen, aber absolut sicher vorgetragenen Stück, orientierte sich Reger am Anfang der Suite noch stark an Bach, löste sich im Verlauf des Stücks aber immer mehr von dem Vorbild. Irina Schukoff (Österreich) spielte sehr zart und klangschön die Sarabande aus der 3. Cellosuite von Johann Sebastian Bach.

Souverän und gekonnt gespielt, lag die Klavierbegleitung bei einigen Vortragsstücken des Abends in Händen von Hemma Tuppy. Zusammen mit Milena Umiglia (Cello) spielte sie die „Phantasiestücke“ von Robert Schumann. Das überaus melodiös geführte Cello harmonierte mit dem romantischen Klavierklang bestens.

Gloria Exposito Perez (Barcelona) spielte aus der Solosonate für Cello den kurzen „Dialogue“. Das reizvolle Stück lebt von seinen Pizzicato-Glissandi, die sich immer wieder zwischen die Melodie schieben und diese unterbrechen.

Vor der Pause kam ein weiteres Stück mit Klavierbegleitung zu Gehör, die „Rossini-Variationen“ von Bohuslav Martinu, gespielt von der Cellistin Nadja Stiegler (Graz). Das hochvirtuose Stück beginnt schwungvoll mit dem Rossini-Thema, gefolgt von etlichen Variationen mit fliegenden Staccati, gefühlvoller Melodik, die ganze Saitenlängen auskostenden Triolen und schließlich dem an den Anfang anklingenden ausgelassenen Schluss.

Eine Ausnahme in der Besetzung bildete das Streicherduo von Maurice Ravel, gespielt von Christian Altenburger (Violine) und Ion Storojenko (Cello) aus Rumänien. Das wegen seiner grifftechnischen und rhythmischen Raffinessen schwer zu spielende Stück wurde von beiden Streichern absolut souverän gespielt.

Fast ein Heimspiel hatte der Cellist Jonathan Drißner, denn seine Großeltern wohnen in Biberach und auch seine Eltern sind dort aufgewachsen. Er spielte den zweiten Satz aus der Solosonate von Zoltan Kodaly. Mit seinem sonoren Klang auf der C-Saite, den Doppelgriff-Trillern und den Pizzicati mit der Griffhand spielte der Cellist das komplexe Stück meisterhaft.

Vera Nebylova (Kaliningrad) trug aus den klavierbegleiteten „3 Pieces“ von Nadia Boulanger die von floskelhaften Motiven geprägte Musik emphatisch vor.

Sichtlich Spaß machte den drei Studenten der Konzertwalzer von Wilhelm Fitzenhagen (nach Tschaikowsky), den sie zusammen mit ihrem Lehrer Reinhard Latzko im Cello-Quartett vortrugen. Das Stück ist ein echtes Schmankerl, das zu Recht mehr Berühmtheit erlangte als das Original.

Alle elf Cellisten spielten zum Abschluss mit beeindruckender Klangfülle den „Hymnus“ von Julius Klengel.

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