Authentische Klänge auf alten Instrumenten

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 Das Landesjugendbarockorchester (in der Mitte die Solistin Johanna Dall’Asta an der Viola d’Amore) gab in Ochsenhausen ein hin
Das Landesjugendbarockorchester (in der Mitte die Solistin Johanna Dall’Asta an der Viola d’Amore) gab in Ochsenhausen ein hinreißendes Konzert. (Foto: Gerhard Trüg)
Gerhard Trüg

Bei der Matinee des Landesjugendbarockorchesters (LJBO) im vollbesetzten Bibliothekssaal haben die Zuhörer am Sonntag die Klangvielfalt alter Barockinstrumente hören und genießen können. Das junge Ensemble, das im Jahre 2015 auf Initiative seines künstlerischen Leiters Gerd-Uwe Klein gegründet wurde, gab durch sein facettenreiches Spiel und abwechslungsreiches Programm ein hinreißendes Konzert.

Es begann mit der King Arthur Suite aus der gleichnamigen Semi-Oper von Henry Purcell. Bei den fünf Sätzen dieser Komposition aus dem Jahre 1691 fielen die zwei Hornpipe-Stücke auf, die in raschem Tempo frisch und locker vorgetragen wurden. Auffallend war die kurze und transparente Artikulation, aber auch der lange Atem mit langen durchhörbaren Phrasierungsbögen und Piano-Effekten beim „La grande danse“.

Spiel ohne Dirigent

Das Ensemble musizierte in alter Barockmanier ohne seinen künstlerischen Leiter Gerd-Uwe Klein. Dieser führte kompetent und anschaulich durch das Programm und erläuterte die Spielweise und Intention des LJBO: Gespielt wird ausschließlich auf Barockinstrumenten, das bedeutet, dass die Streichinstrumente eine etwas kleinere Mensur haben, mit Darmsaiten gespielt werden und die Bogenhaltung mit Griff an der Bogenstange anders ist als beim modernen Spiel. Hinzu kommt das Spiel ohne Vibrato. Die Streichinstrumente werden ergänzt durch zwei Oboen und Blockflöten, sowie Cembalo, Truhenorgel und Harfe.

Das alles führt zu einem leisen, transparenten und silbrigen Klang, den Nikolaus Harnoncourt mit „leise, aber von süßer Schärfe“ bezeichnete. Das LJBO hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, auch unbekanntere Komponisten, die zu Unrecht etwas in Vergessenheit gerieten, zu Gehör zu bringen. Das gilt auch für das nächste Stück, dem „Konzert für Viola d’Amore Nr. 4“ von Christoph Graupner.

Die Viola d’Amore ist ein hochinteressantes Barockinstrument, vergleichbar mit der heutigen Bratsche und trotzdem ganz anders. Sie hat sieben Griffsaiten und ebenso viele Resonanzsaiten, die mitschwingen aber nicht gegriffen werden. Der Klang ist weich und zart. Die junge Solistin Johanna Dall’Asta hat sich mit dem Instrument vertraut gemacht und spielte wunderbar gekonnt die süßen Melodien des zweiten Satzes, aber auch die virtuosen Partien der Vivace-Sätze.

Die Concerti grossi von Händel haben es auf die Hitliste der Barockstücke nach ganz oben geschafft. Beim vorgetragenen Concerto grosso op. 3 konnte das Orchester im Wechsel von Tutti und Concertino-Gruppe seine ganze Klangkraft entwickeln. Trotz Barockinstrumenten und vibratolosem Spiel vermochte es das Ensemble den Saal klangvoll zu füllen.

Theresa von Bibra war die Gesangsolistin bei der „Englischen Kantate Nr. 6, Cloe“ von Johann Christoph Pepusch. Mit ihrer schönen Stimme trug sie die zwei vorausgehenden Rezitative mit der angemessener Dramatik vor, gefolgt von den zwei Arien mit kleinen Koloraturen und hübschen Verzierungen.

Beim abschließenden „Konzert e-Moll für 2 Blockflöten, Streicher und Basso continuo“ von Georg Philipp Telemann konnte man das überaus virtuose Spiel der Solistinnen Julia Wetzel (Altflöte) und Johanna Boehm (Voice-Flöte) bewundern, die absolut sicher und gekonnt mit dem Orchester harmonierten. Lang anhaltender Applaus belohnte das engagierte und begeisternde Spiel des jungen Ensembles.

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