Ausstellung von Horst Reichle: 109 Exponaten aus 36 Jahren

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 Das Ausstellungsjahr im Ochsenhauser Fruchtkasten ist eröffnet: Bürgermeister Andreas Denzel (v. l.), Michael Schmid-Sax, Horst
Das Ausstellungsjahr im Ochsenhauser Fruchtkasten ist eröffnet: Bürgermeister Andreas Denzel (v. l.), Michael Schmid-Sax, Horst Reichle und Brigitte Reichle vor dem Bild „Ein einziger langer Tag“ von 1998. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

„Meine Bilder sind Tagebücher“ sagt der Künstler Horst Reichle selbst über seine Werke, die ihn und sein Leben, sein Fühlen und Denken optimal schildern. Und die Besucher der am Sonntag im Ochsenhauser Fruchtkasten eröffneten Ausstellung können sich anhand von 109 Exponaten aus 36 Jahren wie Ölbildern, Lithografien, Radierungen und Bildhauerarbeiten ein umfassendes Bild der enormen künstlerischen Bandbreite Horst Reichles machen.

Der Ochsenhauser Bürgermeister Andreas Denzel begrüßte im übervollen Saal die Besucher der Vernissage, großes Zeichen der Wertschätzung eines herausragenden Künstlers. Denzel ging in des Jahr 1991 zurück, als hier die erste von jetzt sieben Reichle-Ausstellungen stattfand und erzählte, dass ihm der Künstler bestätigt habe, dass es jetzt hier die schönste Ausstellung sei, die er je gehabt hätte. Und der Schultes gratulierte Horst Reichle nachträglich zu dessen 80. Geburtstag, den er an Weihnachten 2018 gefeiert hat.

Die Einführungsrede in das Werk von Horst Reichle hielt der Ochsenhauser Kulturamtsleiter Michael Schmid-Sax, eröffnete mit einigen Zeilen eines „Seelenverwandten“, wie der Redner sagte, mit François Villon, einem französischen Vaganten und Dichter des 15. Jahrhunderts. Horst Reichle hat zu den Gedichten von Villon zahlreiche Arbeiten geschaffen. In der Ausstellung ist ein großer Weidenstamm zu sehen, in den Reichle eine Ballade Villons eingeschnitten hat.

Erste Ausstellung mit 20

Schmid-Sax erzählte aus dem Leben des Malers, der inmitten Biberachs am Markplatz aufgewachsen ist, der als Sechsjähriger Figuren und Strichmännchen auf den Asphalt malte, der 1958 mit gerade einmal 20 Jahren seine Werke erstmals in einer Ausstellung zeigte. Schmid-Sax weiter: „Heute, über 60 Jahre nach der ersten Ausstellungsbeteiligung und schätzungsweise 200 Ausstellungen später, haben wir ein künstlerisches Werk vor uns liegen, das in seiner Vielfalt fast nicht mehr überschaubar ist, und das nicht nur für ein, sondern gleich für mehrere Künstlerleben ausreichen würde.“

Der städtische Kulturamtsleiter ging auf das breite Spektrum an Techniken und Stilen ein, vom klassischen Porträt und Stilleben in Öl bis zur Zeichnung mit kubistischen Elementen. Er sprach über Reichles Motive, vor allem die Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten, die der Künstler in allen Facetten festhält, nicht nur in Oberschwaben. Vor allem in Südfrankreich findet er seine bevorzugten Motive. Reichle hat Bücher illustriert, so die Gedichte von Maria Menz und Manfred Herrnkind.

Immer wieder war es bei Reichle der Mensch mit all seinen Widersprüchlichkeiten und Befindlichkeiten im gestalterischen Mittelpunkt, als Figur, als Kopf, wovon viele Beispiele zu sehen sind. Schmid-Sax: „Trotz aller Ungegenständlichkeit erzählen uns die Bilder Horst Reichles eine Geschichte. Gunther Dahinten hatte 1996 geschrieben: ,Obwohl er den Weg der Abstraktion gegangen ist, bleibt er ein Erzähler.’“ Der Kulturamtsleiter sprach über die vielen Symposien des Künstlers. Das erste Symposion war 1983 im Kloster Seeon in Oberbayern. Seither, so Schmid-Sax, waren es etwa 50 bis 60.

Zwei Fixpunkte seien es, die Reichles Leben bis heute prägen. Der erste emotionale Fixpunkt ist seine Frau Brigitte, ebenfalls eine Biberacherin, mit der er mehr als 50 Jahre verheiratet ist. Der zweite Fixpunkt ist der Venishof bei Oberessendorf von 1733, auf dem er seit 1975 lebt und arbeitet. Hier schöpft Horst Reichle seit mehr als 40 Jahren die Kraft und Energie für seine künstlerische Arbeit. Hier tief in der oberschwäbischen Provinz liegen seine Wurzeln.

Der Künstler bedankte sich bei den Besuchern für ihr Kommen: „Meine Bilder sollen für sich alleine sprechen.“ Drei junge Schülerinnen der Ochsenhauser Jugendmusikschule begleiteten die Reden mit Violine, Cello und Klavier, spielten einfühlsame Adagios und flotte Melodien vom Barock bis zur Jetztzeit.

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