Möchte mit Konique d‘Houtem beim Finale des BW-Bank-Hallenchampionats in der Stuttgarter Schleyer-Halle bestmöglich abschneiden
Möchte mit Konique d‘Houtem beim Finale des BW-Bank-Hallenchampionats in der Stuttgarter Schleyer-Halle bestmöglich abschneiden: Konstantin Eduard van Damme vom RSZ am Bussenberg. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung
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Nur die 25 besten Springreiter des Jahres aus Baden-Württemberg dürfen beim Finale des BW-Bank-Hallenchampionats am Donnerstag, 14. November, in der Stuttgarter Schleyer-Halle antreten. Erstmals dabei ist Konstantin Eduard van Damme vom in Wennedach beheimateten Verein Reitsportzentrum (RSZ) am Bussenberg. Der 27-Jährige ist gebürtiger Belgier und hat eine interessante Vita vorzuweisen.

Konstantin Eduard van Damme ist in Antwerpen geboren, mit seinen Eltern wohnte er in vielen Ländern. „Als ich neun Jahre alt war, habe ich mich ohne Wissen meiner Eltern heimlich zum Reitunterricht geschlichen. Vom Voltigieren kam ich dann mit elf Jahren zu meinem ersten Turnierstart“, erinnert er sich an seine Reitanfänge. Sein erstes Reitturnier bestritt er in Griechenland. Dort war er mit seiner Mutter geblieben, nachdem sich seine Eltern getrennt hatten. Nach der Schule und dem Abitur studierte er an der Universität in Thessaloniki politische Wissenschaften, konnte sich aber nicht entschließen, den Pferdesport nur zum Hobby zu machen, und brach das Studium vorzeitig ab.

Goldenes Reitabzeichen ist der Lohn

Aus beruflichen Gründen verschlug es ihn nach Deutschland. Seit Anfang 2017 wohnt er in Ochsenhausen zusammen mit seiner Lebensgefährtin Nathalie Steinhauser, selbst Turnierreiterin, beide lernten sich im Juni 2016 bei einem Turnier in Frohnhofen kennen. Van Damme arbeitet seit August diesen Jahres als selbstständiger Bereiter. Zuvor war er bei Andy Witzemann in Winterlingen in gleicher Funktion tätig. Seinen Beruf übt er nun auf der Anlage der Familie Steinhauser in Wennedach aus. Dort bildet er Springpferde aus, die dann später deutschlandweit auf Turnieren vorgestellt werden. Und das so erfolgreich, dass van Damme Anfang Oktober beim Turnier in Bisingen-Hohenzollern das Goldene Reitabzeichen verliehen bekam. Das ist die höchste Auszeichnung in Deutschland außerhalb von Meisterschaften und Championaten. Diese wird nur einmal im Leben eines Pferdesportlers verliehen für sportliche Erfolge im Bereich der schweren Kategorie Klasse S. „Das war eine tolle Veranstaltung mit rund 3000 Leuten“, erzählt van Damme. „Das ist eine ganz besondere Ehre für mich und der Lohn für die ganze harte Arbeit.“

Die Pferde, mit denen er die Turnierplätze bereist, gehören zum großen Teil seinen Förderern und Auftraggebern, wie zum Beispiel Wolfgang Koppensteiner aus Tübingen, langjähriger Vorsitzender des „Vereins zur Förderung des Reitsports mit baden-württembergischen Pferden“ (FBW).

Mit dessen Pferd Schwabenstolz sicherte sich van Damme zwischen 2018 und 2019 einen wesentlichen Teil der Erfolge – nämlich sieben –, die für das „Goldene“ benötigt wurden. In Ilsfeld holte sich der 27-Jährige dann Ende Juni die letzten nötigen Erfolge: Er gewann den als S**-Springen ausgeschriebenen Großen Preis auf Chazino und das S-Springen am Schlusstag auf No more maybe, beides Pferde aus dem Besitz von Andy Witzemann. Beim Finale des BW-Bank-Hallenchampionats am Donnerstag wird van Damme mit dem neunjährigen belgischen Wallach Konique d‘Houten, der ihm zur Hälfte selbst gehört, antreten. „Ich bin schon sehr gespannt auf das Turnier und freue mich besonders auf die Atmosphäre in der Schleyer-Halle. Der Donnerstagabend ist komplett ausverkauft“, blickt van Damme voraus. Nicht nur für ihn, sondern auch für sein Pferd Konique d‘Houten, steht in der Landeshauptstadt eine Premiere an. „Er hat bisher nur Turniere auf S**-Niveau bestritten, da sind die Hindernisse bis zu 1,45 Metern hoch. In Stuttgart wird es ein S***-Springen geben mit bis zu 1,50 Meter hohen Hindernissen“, erläutert van Damme und fügt hinzu: „Wir sind schon fleißig am Trainieren. Konique d‘Houten ist ein echter Kämpfer. Das wird gut klappen.“ Das Ziel sei es, bestmöglich abzuschneiden.

Während van Damme in Stuttgart für das RSZ am Bussenberg antritt, ist er auf internationaler Ebene für Bulgarien am Start. Für das Land reitet er, weil seine Mutter Bulgarin ist. „Es ist einfacher, für Bulgarien zu reiten bezüglich der Konkurrenz, da es kaum Reiter für dieses Land gibt“, erklärt van Damme. Für die Nationalmannschaft des Balkanstaats war er zwischen 2006 und 2013 in den jeweiligen Altersklassen nominiert. 2007 und 2008 gewann er mit der bulgarischen Mannschaft die Bronzemedaille bei den Balkan Championships Juniors in Istanbul.

„Liebe durch den Sport gefunden“

Seine Zukunft sieht van Damme in der Selbstständigkeit. Das sei kein leichter Weg. „Aber niemals habe ich deswegen daran gedacht, den Reitsport aufzugeben“, sagt er. Vielmehr wolle er weiter an sich arbeiten und international reiten können, „wo auch immer mich das hinführt“. Ein großes Vorbild sei Marcus Ehning aus Borken, „weil er sein Reiten perfekt vorstellt“. Und ganz privat wird van Damme, wenn er sagt: „Ich habe meine Liebe durch den Sport gefunden und somit ein Zuhause in Deutschland.“ Und das sei auch die Basis dafür, dass seine Leidenschaft, sein Spaß an der Arbeit mit Pferden sein „Ein und Alles“ ist.

Das Porträt entstand in Zusammenarbeit mit Martin Stellberger vom Pressedienst des Pferdesportverbands Baden-Württemberg.

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