Der Angeklagte hat sich über seinen Anwalt am zweiten Prozesstag geäußert.
Der Angeklagte hat sich über seinen Anwalt am zweiten Prozesstag geäußert. (Foto: Roland Rasemann)
Wolfgang Steinhübel

Zweiter Verhandlungstag vor dem Ravensburger Landgericht im Prozess gegen einen 23-Jährigen: Er soll wie berichtet gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin einen Mann in Ochsenhausen unter Verwendung eines Brotmessers und einer Gabel um 1000 Euro beraubt haben. Während der Angeklagte am ersten Prozesstag nur Angaben zu seiner Person gemacht hatte, verlas sein Pflichtverteidiger an Tag zwei eine Erklärung – in der die Tatvorwürfe eingeräumt wurden.

Der Beginn des zweiten Verhandlungstags stand ganz im Zeichen eines Geplänkels zwischen Wahlverteidiger Uwe Böhm und dem Gericht. Dieser war am ersten Verhandlungstag verhindert und wurde durch einen Pflichtverteidiger vertreten. Böhm rügte die Terminierung der Kammer und hatte im Vorfeld um spätere Verhandlungstermine gebeten. Die jetzige Situation stelle für ihn eine unzulängliche Einschränkung der Verteidigungsrechte dar. Der Vorsitzende Richter Matthias Mages wies diese Beanstandung als unrechtmäßig zurück. Weiterhin beantragte der Wahlverteidiger ein Verständigungsgespräch. Auch dafür sah die Kammer keine Veranlassung, da das Verfahren schon zeitlich fortgeschritten sei.

Dann verlas Böhm eine Erklärung des Angeklagten. Dieser räume die Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft mit folgenden Maßgaben ein: Die Abläufe würden vollumfänglich zutreffen, aber zu den zeitlichen Feststellungen könne er sich nicht mehr genau erinnern. Darüber hinaus wolle er derzeit keine weitergehenden Angaben zur Sache machen.

Anschließend begann die Erste Strafkammer mit der Beweisaufnahme. Eine Kriminalbeamtin, die den Geschädigten kurz nach der Tat vernommen hatte, schilderte dessen Bericht über den Tathergang als schlüssig und glaubhaft. Auch habe er den Täter namentlich genannt.

Überfordert mit der Erziehung

Richter Franz Bernhard, der den Prozess gegen die Lebensgefährtin des Angeklagten im Februar dieses Jahres geführt hatte, trat auch als Zeuge auf. Er schilderte die Frau als durchaus materiell veranlagt und schätzte deren familiäre Situation mit der Erziehung von drei Kindern als völlig überfordert ein.

Zum Ende des zweiten Verhandlungstages beurteilte der rechtsmedizinische Gutachter noch die Verletzungen an Hals und Unterarm des Geschädigten. Die Verletzungen seien durchaus plausibel und könnten vom Andrücken „einer nicht besonders scharfen Messerklinge oder eines Messerrückens“ herrühren. Die punktartigen Verletzungen könnten von einem „mäßigen Aufdruck einer Gabel“ stammen. Eine Selbstverletzung schloss er als untypisch aus.

Der Prozess wird am Montag, 3. Juni, fortgesetzt. Verhandlungsbeginn ist bereits um 8 Uhr.

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