Alter oder Leistung? Bei den Touren zählt die Gemeinschaft

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Birga Woytowicz

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Während die einen zu Fuß oder mit dem Mountainbike die Alpen erklimmen, bleiben die anderen lieber in der Umgebung und gehen es gemütlich an. So verschieden die Outdoorgruppe des SV Mittelbuch und der Arbeitskreis Spurwechsel Ochsenhausen auch sind, verbindet sie im Kern doch ein entscheidender Aspekt: die Gemeinschaft. In unserer Serie „Draußen unterwegs“ stellen wir beide Gruppen näher vor.

Schon immer hat Tobias Schiele viel Sport gemacht – vorzugsweise an der frischen Luft. Gruppen- oder Vereinsangebote zu Bergtouren oder Klettersteigen hat er aber vermisst. Auch beim SV Mittelbuch gab es bis vor einem Jahr nur die klassischen Hallensport-Abteilungen. Da kam Schiele die Idee, eine Outdoor Gruppe aufzumachen: „Oft fehlen der Anschluss oder das Wissen, zum Beispiel für eine Bergtour, wenn man eigentlich aus anderen Disziplinen kommt.“ Die Gruppe sei auch offen für alle. Allerdings seien nur Mitglieder über den Verein unfallversichert. Ganz ohne sportlichen Hintergrund geht es aber nicht: „Zehn Kilometer am Stück sollte man joggen können. Dann hat man die nötige Kondition.“ Die Ausflüge dauerten im Schnitt sechs Stunden und seien sportlich-ambitioniert, sagt Schiele. Dennoch bleibe auch Raum für Geselligkeit und Unterhaltungen: „Oft ist auch eine Einkehr eingeplant.“

Teilnahme spontan möglich

Abgesehen von der sportlichen Hürde ist die Teilnahme unkompliziert: „Wir treffen uns einmal im Monat. Es ist immer der zweite Samstag.“ Eine Anmeldung sei nicht nötig, Ort und Zeitpunkt seien fix: „Wir treffen uns grundsätzlich immer um 7.30 Uhr am Vereinsheim.“ Auch, wenn nur ein oder zwei Teilnehmer kommen: „Wir gehen immer los.“ Je nach Wetterlage werden die Touren kurzfristig geplant: „Über WhatsApp verschicken wir einen Newsletter mit den Daten zur Tour, ganz unverbindlich.“

Ähnlich offen hält es der Arbeitskreis Spurwechsel Ochsenhausen: Im Oktober erstellt er immer sein Jahresprogramm mit allen Angeboten. Wer mitgehen möchte, kommt in der Regel einfach zum Treffpunkt. „Wir sprechen junge Senioren an, die ihr ganzes Leben getaktet waren und Verpflichtungen hatten. Jetzt wollen wir spontan sein“, sagt Beate Herold, Sprecherin des Arbeitskreises. Anmeldungen gebe es nur in Ausnahmefällen: „Zum Beispiel, wenn ein Bus geordert werden muss, eine Betriebsbesichtigung oder ein Theaterbesuch ansteht.“

Denn Draußen-Aktivitäten – Wanderungen, Radtouren, Nordic Walking oder Ski-Langlauf – füllen nur gut die Hälfte des Jahresprogramms. Die Teilnehmer seien zwischen 50 und 80 Jahre alt: „Die Älteren fahren nicht mehr mit dem Rad und gehen eher mit zu Literatur- oder Theaterveranstaltungen“, erklärt Ingrid Buri, ebenfalls Sprecherin. Primär gehe es darum, Leute im Alter rauszuholen, die von alleine nicht in Schwung kämen. Auch Freundschaften würden entstehen: „Man kennt sich teilweise schon jahrelang. Aber hier lernt man sich ganz anders kennen als im Berufsleben.“ Die Touren und Ausflugsziele liegen meist in der Nähe. „Wir fahren maximal eine bis anderthalb Stunden. Sonst ist das zu weit. Die meisten wollen direkt los“, sagt Beate Herold. Die Gesellschaft stehe zwar im Vordergrund: „Manche Radtouren sind aber ganz schön happig. Da legen wir im Schnitt 70 bis 90 Kilometer zurück“, sagt Herold. Wanderungen dauerten in der Regel drei bis vier Stunden bei 300 bis 500 Höhenmetern, ergänzt Ingrid Buri.

Kein Vergleich zur Outdoor Gruppe Mittelbuch: Hier führt eine Mountainbiketour etwa über 70 Kilometer und 1800 Höhenmeter rundum die Nagelfluhkette. „Geplant ist auch eine Watzmanngrat-Überschreitung“, erläutert Schiele. Im Gegensatz zu den Ausflügen des Spurwechsel Ochsenhausen braucht man dazu auch eine entsprechende Ausstattung: „Neben qualitativ hochwertigen Schuhen ist atmungsaktive Funktionskleidung empfehlenswert“, sagt Schiele. Ein Mountainbike oder Skiausrüstung für die Wintertouren würden nicht komplett gestellt: „Die meisten, die herkommen sind aber keine Anfänger mehr und haben so etwas schon einmal gemacht. Die haben die Sachen eigentlich schon.“

Zwischen 28 und 55 Jahre alt seien die Teilnehmer, so Schiele. „Den Jugendlichen ist das meistens zu früh. Sonnenaufgangstouren starten sogar schon um 3.30 Uhr morgens.“ Insgesamt könne er sich über die Resonanz aber nicht beschweren: „Ich bin sehr zufrieden und das Feedback ist positiv. Man merkt auch, dass die Gruppe die Dorfgemeinschaft fördert.“

Viel Vorbereitung nötig

Zehn bis 25 Leute kämen in der Regel mit. Teils würde die Gruppe dann auch zweigeteilt. Denn zu groß dürften die nicht sein: „Das dient der Übersichtlichkeit und macht es für den Guide einfacher, die Gruppe zusammenzuhalten“, sagt Schiele. Auch beim Spurwechsel sorgt man vor, damit niemand verloren geht. „Der Gruppenleiter läuft voraus und ein anderer aus dem Arbeitskreis bildet das Schlusslicht“, erklärt Ingrid Buri.

Beide Angebote sind im Grunde kostenlos. Der Spurwechsel sammelt bei jeder Veranstaltung lediglich einen Euro je Teilnehmer ein. „Allein dadurch finanzieren wir uns. Eigentlich nicht viel, wenn man bedenkt, wie viel Aufwand hinter der Organisation steckt“, gibt Beate Herold zu bedenken. Aufwand, der anfällt, egal wie viele Leute kommen und den Herold und Buri, aber auch Tobias Schiele, gerne betreiben. Am Ende falle das gemeinsame Erlebnis eben mehr ins Gewicht, sagt Herold: „Es geht nicht um die Menge.“

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