Angelika Gretzinger

Fetzige Countrymusik schallt aus der Turnhalle in Obersulmetingen. An diesem heißen Sommerabend sind über 40 Frauen und Männer zusammengekommen, um einem ganz besonderen Hobby nachzukommen: Line Dance ist ihre Leidenschaft. Bis spät in die Nacht wird an diesem Abend noch getanzt und gelacht.

Ein Event als Ferienhighlight nach einem erfolgreichen Trainingsjahr. Vor gut fünf Jahren begann Ursula Schneider montagabends mit einer kleinen Gruppe, Tänze einzustudieren. Inzwischen sind daraus fünf große Gruppen mit über 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmern geworden. Und die Nachfrage ist weiterhin ununterbrochen groß. Ab Oktober wird Ursula Schneider daher auch wieder einen Schnupperkurs anbieten.

„Oft stellen sich die Leute etwas Falsches unter Line Dance vor“, erzählt Ursula Schneider. Moderner Line Dance sei nicht nur das Tanzen auf Countrymusik, sondern beinhalte viele Stilrichtungen. Sie versuche einen Mix von Schlager bis hin zu moderner Popmusik ins Training einzubauen, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

So breit gefächert wie die Musikrichtungen ist auch das Alter der Tänzerinnen und Tänzer. „Ich habe auch schon Kinder und Jugendliche im Line Dance unterrichtet“, erzählt sie im Gespräch. Aber gerade auch viele Senioren seien in ihren Gruppen aktiv. Das Training fördere nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, sondern sei zudem ein gutes Training für die Gehirnleistung und die Konzentration. Insgesamt über 11 000 verschiedene Tänze gebe es beim Line Dance, von denen sie 120 beherrsche. In den nun über fünf Jahren Training haben die Frauen und Männer der ersten Stunde über 65 Tänze einstudiert. Die jüngste Gruppe, die seit einem Jahr dabei ist, kommt immerhin schon auf stolze 23 Tänze.

Spenden für „Drachenkinder“

An die 30 Auftritte haben die „Crazy Mirror Stompers“, wie sich die Sulmetinger Line Dance Gruppe nennt, inzwischen absolviert. Von privaten Veranstaltungen über Dorffeste bis hin zu speziellen Line Dance-Veranstaltungen sei alles dabei gewesen erzählt Schneider. Auf eine Gage verzichtet die Truppe dabei ganz bewusst. Spenden für den guten Zweck sind jedoch gern gesehen. Im vergangenen Jahr konnte Ursula Schneider so über 1300 Euro an die Aktion Drachenkinder überweisen.

Zum Line Dance ist die begeisterte Tänzerin über ihre Schwester Brigitte Thomas gekommen. Beide nahmen vor sieben Jahren an einem Line Dance-Workshop in Schemmerhofen teil, und die Leidenschaft hat die Schwestern bis heute nicht mehr losgelassen. Einmal im Jahr reist Ursula Schneider nach „Pullman City“ bei Passau, um mit internationalen Lehrern zu trainieren und sich neue Anregungen zu holen. Ein paar der Tänzerinnen und Tänzer aus Schneiders Tanzgruppen haben sogar schon an Line Dance-Weltrekordversuchen teilgenommen. Zuletzt 2016 in St. Anton. „Man erlebt eine tolle Tanzgemeinschaft“, erzählt Ulla Hinrichs. Seit vier Jahren hat Hinrichs das Line Dance Fieber gepackt. Es sei einfach eine tolle Kameradschaft. Auf Veranstaltungen und bei gegenseitigen Besuchen treffe man immer wieder alte bekannte Gesichter und lerne gleichzeitig auch viele neue Leute kennen.

Als Eveline Gratzer beruflich in den Ruhestand ging, suchte sie etwas Neues, das ihren Geist anregt. Gefunden hat sie dies im Line Dance. „Line Dance ist für die Fitness und für das Gehirn gut“, schildert sie ihre Erfahrungen. Dabei schaue „Uschi“ auch immer darauf, dass alle mitkommen würden. Teamgeist sei das Wichtigste.

Einer von insgesamt fünf männlichen Tänzern ist Willy Kühl. Für den leidenschaftlichen Countrymusikfan war Line Dance fast unausweichlich. „Wo kann man heute noch tanzen? Vielleicht mal bei einer Hochzeit, aber sonst weiß man doch oft gar nicht wo man hingehen soll.“ . Für viele Frauen sei Line Dance aber einfach so attraktiv, weil man keinen Partner brauche. Das sei der eigentliche Grund warum 90 Prozent der Tänzer Frauen seien, erzählt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Dabei sei Line Dance auch für Männer ein guter Sport um fit zu bleiben.

„Es ist Sport, viele unterschätzen das“, meint Ursula Schneider. Das Training findet wöchentlich im Sportzentrum des SV Sulmetingen statt. Die Mitglieder der „Crazy Mirror Stompers“ kommen dabei keinesfalls nur aus Ober- und Untersulmetingen. Aus Ulm, Riedlingen, Ochsenhausen oder vom Federsee reisen die tanzbegeisterten Frauen und Männer an.

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