„Suche Frieden und jage ihm nach“ lautete das Motto der diesjährigen Ministrantenwallfahrt nach Rom. Mehr als 70 000 „Minis“ aus der ganzen Welt, darunter allein 50 000 aus Deutschland und einige Dutzend aus dem Großraum Laupheim gingen vergangene Woche auf die Jagd. Hannah Engel (15 Jahre), Leonie Miller, Annika Häger, Tim Brehm und Florian Bucher (alle 16) von den 13 mitreisenden Obersulmetinger Ministranten haben viele lustige und (fast) immer friedvolle Begegnungen „erbeutet“.

„Wir haben so unglaublich viel erlebt“, sagen die Jugendlichen mit glänzenden Augen und wissen gar nicht so richtig, wo sie eigentlich mit dem Erzählen anfangen sollen. Also erstmal chronologisch am besten. Nach mehr als 14-stündiger Busfahrt kamen sie am Montagmittag zwar ziemlich müde, aber voller Tatendrang in der „Ewigen Stadt“ an. Bereits um 16 Uhr stand das erste kirchliche Highlight an – der Eröffnungsgottesdienst für rund 6000 Ministranten der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Weihbischof Thomas Maria Renz und Diözesanjugendseelsorger Markus Scheifelein in der Kirche St. Paul vor den Mauern. Als besonderes Erlebnis schildern die Jugendlichen den Moment, als alle Ministranten und sogar die Geistlichen Handys oder Taschenlampen in die Höhe streckten, das imposante Gotteshaus damit in schönes Licht tauchten und gemeinsam das bereits in den jeweiligen Dekanaten vorab einstudierte Lied zum Wallfahrtsmotto sangen – auch in Verbindung mit einem Gebärdentanz für Gehörlose. Der Titel „Suche Frieden und jage ihm nach“ ist angelehnt an den Psalm 34, der auch bedeutet: „Meide das Böse und tu Gutes“.

Die Ministranten aus Obersulmetingen folgten dieser Aufforderungen aber mitnichten nur in Liedern und Gebeten. „Wir haben Rom schon ein bisschen umgetrieben“, umschreibt Tim Brehm die zahlreichen Begegnungen mit Gleichgesinnten, für ihn „das Beste“ am fünftägigen Aufenthalt in Rom. An Tüchern, T-Shirts, Armbändern oder den am Hals baumelnden Ausweisen habe man die anderen Ministranten problemlos erkannt und ganz ohne Scheu angesprochen. „Zu Hause macht man das nicht sofort. Aber da waren alle so gut drauf, dass jeder auf jeden zugegangen ist“, erzählt Leonie Miller. Dabei wurde statt tiefgründiger Gespräche erstmal ein allgemeiner Informationsaustausch über Herkunft, Unterkunft und sonstige eher banale Dinge geführt, und statt frommer gab’s eher flotte Sprüche. Zum Motto passte dies aber allemal, finden die Obersulmetinger. „Wir haben uns mit so vielen anderen Ministranten unterhalten, die Stimmung war so friedlich, und auch untereinander hatten wir keinen Streit“, sagt Hannah Engel.

Nur einmal hat es nicht ganz so gut geklappt mit dem Frieden. „Wir haben fast immer irgendwelche Stimmungslieder gesungen, wenn wir unterwegs waren, vor allem in der U-Bahn“, berichtet Annika Häger. Die anderen Fahrgäste hätten das auch meist lustig gefunden, manche zückten ihre Handys, um Fotos oder Videos zu machen. Ein Italiener aber zückte ein Messer und bedrohte die jungen Wallfahrer. „Er fand’s nicht so lustig, und wir waren dann auch ruhig“, erzählt Florian Bucher.

Heiße Papstaudienz

Höhepunkt der Wallfahrt freilich war die Begegnung mit Papst Franziskus am zweiten Tag – die zur vielleicht heißesten Papstaudienz seit Menschengedenken wurde. 60 000 junge Leute harrten teils stundenlang bei größter Hitze auf dem Petersplatz aus, um die vielleicht einzige Chance ihres Lebens zu nutzen, den Stellvertreter Christi auf Erden aus nächster Nähe zu sehen. „Wir sind drei Stunden in praller Sonne auf schwarzen Pflastersteinen gehockt, um unseren Platz ganz vorne an der Absperrung zu behalten“, sagt Tim Brehm. „Zum Glück wurden Wasserflaschen verteilt.“ Und als der Papst schließlich mit seinem Papamobil winkend seine Runden auf dem Platz drehte, kannte der Jubel unter den Ministranten keine Grenzen. Ein ergreifendes Erlebnis auch für die Obersulmetinger. „So etwas erlebt man wohl nur einmal“, glaubt Hannah Engel.

Das im wahrsten Sinne große Los freilich hatte Florian Bucher gezogen: Aus jedem Hotel wurden drei Ministranten ausgelost, die ganz vorne vor der Bühne des Petersplatzes sitzen durften, von wo der Papst seine Begrüßungsworte, Gebete und Friedensbotschaften sprach. „Wir mussten uns wegen der Sicherheitskontrollen schon früher auf den Weg machen, und jeder hatte für die letztlich sechs Stunden nur eine Flasche Wasser“, erzählt Bucher. „Aber das war es wert. Ich war vielleicht vier Meter vom Papst weg, und außerdem durfte ich im Schatten sitzen.“ Er bekam daher auch hautnah mit, wie ausgewählte Ministranten dem Papst Fragen stellen und die Hand schütteln durften, wie er Geschenke aus den einzelnen Teilnehmerländern erhielt und wie japanische Ministranten einen liturgischen Tanz vorführten.

„Wunderbare frische Glaubensboten“

An den folgenden Tagen blieb den jungen Wallfahrern viel Zeit, die Stadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und viele andere Ministranten aus Deutschland und anderen Ländern kennenzulernen, ehe der diözesane Abschlussgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst den nahenden Abschied aus Rom ankündigte. „Ihr seid Friedensbringer und wunderbare frische Glaubensboten“, rief der Bischof den Minis in der Kirche St. Paul vor den Mauern zu. Nochmals verzeihen dürfte der Herr daher, dass sich die Obersulmetinger am Tag der Abfahrt an einem Brunnen in der Nähe der Kirche öffentlich abduschten, weil sie nach dem Bad im Meer nicht mehr ins Hotel konnten – sie hatten schon ausgecheckt.

Mit einer Fülle an tollen Erinnerungen, und begeistert von der perfekten Organisation, traten die Ministranten mit ihren erwachsenen Begleitern am Freitagabend die nochmals 14-stündige Heimfahrt an. Und Hannah, leonie, Annika, Tim und Florian sind sich einig: In vier Jahren, bei der nächsten Romwallfahrt der Ministranten, sind sie wieder dabei.

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