Der Alpenbock benötigt abgestorbene Bäume, um sich wohl zu fühlen. Das findet der große Käfer nur in den lichten Buchenwäldern d
Der Alpenbock benötigt abgestorbene Bäume, um sich wohl zu fühlen. Das findet der große Käfer nur in den lichten Buchenwäldern der Kalkalpen und deren Vorland sowie auf der Schwäbischen Alb vor. (Foto: Lydia Nittel)
Schwäbische Zeitung

Einen besonders seltenen Bewohner gibt es auf dem ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen: den Alpenbock. In Deutschland hat er seinen Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen, fühlt sich Dank eines Projekts der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) aber auch hier wohl. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) würdigte die Arbeit der BImA und ihres Geschäftsbereichs Bundesforst nun mit einer Auszeichnung beim Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen hat als flächenmäßig größtes Naturschutzgebiet Baden-Württembergs eine überregionale Bedeutung. Mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten nimmt er eine Leuchtturmfunktion im Naturschutz ein. Dass sich der Alpenbock hier angesiedelt hat, entdeckte zuerst der örtliche Revierleiter des Bundesforstbetriebes Heuberg. Das Tier ist streng geschützt und kommt in Deutschland nur in den lichten Buchenwäldern der Kalkalpen und deren Vorland sowie auf der Schwäbischen Alb vor. Seine imposante Größe und prächtige Färbung machen ihn unverwechselbar. Im Laufe der Zeit hat sich die Waldbewirtschaftung geändert und zu einem starken Rückgang der Art geführt.

In Münsingen begann der Bundesforstbetrieb, gezielt das Brutholzangebot für den Alpenbock zu entwickeln. Geeignetes Totholz ließ er bestehen und gestaltete die Umgebung so, dass eine intensive Sonneneinstrahlung auf das tote Holz möglich ist – ideale Bedingungen für den Käfer.

THW-Schulung schafft durch Sprengungen Lebensraum

Zudem trägt das Technische Hilfswerk (THW) mit seinen Sprengübungen dazu bei, dass Bruthölzer entstehen. Bei den Übungen werden die Wipfel von Buchen in einer Höhe von mehreren Metern gesprengt. Das Ergebnis sind stehendes und liegendes Totholz, eine Win-win-Situation: Das THW schult auf diesem Weg seine Spezialisten für Sprengaktionen im Katastropheneinsatz und der Alpenbock erhält neue Lebensräume.

Gelungene Konversion

Die UN-Auszeichnung des Alpenbock-Projektes ist ein weiterer Beleg dafür. Für das BMUB überreichte die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter die Urkunde an BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz. In ihrer Ansprache zur Preisverleihung hob Rita Schwarzelühr-Sutter die hohe Bedeutung des ehemaligen Truppenübungsplatzes für den Naturschutz sowie für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb insgesamt hervor. Das Alpenbock-Projekt sei ein gutes Beispiel für die gelungene Konversion eines ehemaligen Truppenübungsplatzes.

Paul Johannes Fietz: „Diese Auszeichnung ist erneut eine besondere Anerkennung für die Arbeit unseres Bundesforstes. Zugleich ist sie für die BImA aber auch Ansporn, sich weiterhin für die biologische Vielfalt zu engagieren.“ Besonders dankte Paul Johannes Fietz dem Landrat des Landkreises Reutlingen, Thomas Reumann, für die Unterstützung sowie dem Technischen Hilfswerk als zentralem Partner. Der Erfolg des Projekts ließe sich auch auf die beispielhafte Zusammenarbeit aller Beteiligten zurückführen.

Die Verleihung der UN-Dekade-Auszeichnung fand Im Beisein von Mitgliedern des Bundestages, des Landtages Baden-Württemberg sowie einiger Bürgermeister angrenzender Kommunen statt. Landrat Thomas Reumann betonte in seinem Grußwort die wichtige Stellung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen im Naturschutz. Erst die Konversion des Truppenübungsplatzes habe zur Gründung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb vor rund zehn Jahren geführt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist die zentrale Dienstleisterin für Immobilien des Bundes. Insgesamt betreut die BImA rund 20 000 Liegenschaften, darunter auch ehemalige militärisch genutzte Flächen. Mehr als 37 000 Wohnungen und etwa 480 000 Hektar Grundstücksfläche befinden sich in ihrem Eigentum. Davon entfallen knapp 410 000 Hektar auf forstlich betreute Flächen.

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