Versicherung zahlt unter Umständen nur anteilig
Versicherung zahlt unter Umständen nur anteilig (Foto: Archiv: Hariolf Fink)
Schwäbische Zeitung

In Mittelbiberach und Schwendi haben am Wochenende Wohnungen gebrannt. In beiden Fällen hatten die Bewohnerinnen Essen erhitzt und waren eingeschlafen. Eine Frau wachte durch den Brandgeruch auf, die andere durch den Alarm der Rauchmelder. Kreisbrandmeister Florian Peters und Dr. Michael Kuhn von der SV Sparkassenversicherung erläutern, wie man Bränden vorbeugt, sich im Ernstfall verhält und wer für den Schaden aufkommt.

Vorsorge durch Rauchmelder: Darauf, dass man wie im Fall von Mittelbiberach durch den Brandgeruch aufwacht, kann man sich nicht verlassen. „Im Tiefschlaf ist der Geruchssinn ausgeschaltet. Man wird nicht wach“, sagt Kreisbrandmeister Florian Peters. Das kann lebensgefährlich werden. Die Landesbauordnung fordert deshalb Rauchmelder in Schlafzimmern und Fluren bis zum Wohnungseingang. „Wir empfehlen auch in den Wohnräumen Rauchmelder“, so Peters. In der Küche würden jedoch die Warngeräte zu viele Fehlalarme produzieren. „In Räumen direkt vor der Küche sollten sie aber angebracht werden.“

Rauchmelderkontrolle: Die Landesbauordnung Paragraf 15 Absatz 7 schreibt Rauchmelder vor, allerdings keine offiziellen Kontrollen. „Von behördlicher Seite wird nie geprüft, ob Rauchmelder angebracht wurden. Das gehört nicht zur allgemeinen Bauaufsicht“, sagt Anita Baier von der Pressestelle des Landratsamts. Dafür zu sorgen, dass Rauchmelder eingebaut seien, liege in der Verantwortung der Gebäudeeigentümer. Sicherzustellen, dass sie funktionieren, ist bei Mietwohnungen Sache des Mieters, es sei denn, der Hauseigentümer übernimmt diese Aufgabe. In der Regel sei also der Mieter dafür verantwortlich, zum Beispiel rechtzeitig die Batterien zu wechseln, heißt es auf der Internetseite des Landes.

Verhalten im Brandfall: „Wenn Fett zu heiß wird und raucht oder sich bereits Flammen bilden, den Herd ausschalten, den Topf mit Topflappen von der Platte ziehen“, rät der Kreisbrandmeister. „Einen Deckel darauflegen und niemals mit Wasser löschen wegen der Gefahr einer Fettexplosion.“ Danach gelte es kräftig zu lüften. „Wenn es zu sehr verraucht ist, kann man im Nachgang die Feuerwehr rufen. Sie misst, ob der Raum bewohnbar ist. Sie kann auch noch druckentlüften.“

Wenn die Küche nicht gefahrlos betreten werden kann, lautet die Devise: Tür schließen, Gebäude verlassen, andere warnen, Feuerwehr rufen.

Schadenskosten: Welche Versicherung ist zuständig? „Schäden am Haus übernimmt die Gebäudeversicherung des Hauseigentümers“, sagt Dr. Michael Kuhn, stellvertretender Pressesprecher der SV Sparkassenversicherung. Für Einrichtungsgegenstände ist die Hausratversicherung zuständig: bei vermieteten Häusern also die Hausratversicherung des Mieters, beim selbst bewohnten Eigenheim die des Hauseigentümers.

Übernimmt die Versicherung in jedem Fall die Schadenskosten? Selbst bewohntes Eigenheim: „Handelt es sich um Eigenbrandstiftung, also eine kriminelle Handlung, zahlt die Versicherung nicht“, stellt Kuhn klar. Liegt keine Brandstiftung vor, geht es um die Frage der groben Fahrlässigkeit. Sei diese gegeben, zahlten Gebäude- und Hausratversicherung unter Umständen nicht alles, sondern nur Quoten, erläutert Kuhn. Als grobe Fahrlässigkeit werde zum Beispiel angesehen, wenn jemand das heiße Bügeleisen auf dem Bügelbrett stehen lasse und so einen Zimmer- oder gar Hausbrand verursache.

Kommt es zu einem Brand in einer Mietwohnung, zahlt die Gebäudeversicherung an den Eigentümer. „Falls ein Mieter den Brand vorsätzlich gelegt oder grob fahrlässig verursacht hat, wird die Versicherung allerdings prüfen, ob sie ihn ganz oder teilweise in Regress nehmen kann“, so Kuhn.

Bei Schäden an Einrichtungsgegenständen in Mietwohnungen tritt die Hausratversicherung des Mieters ein. Diese untersuche ebenfalls, ob grobe Fahrlässigkeit vorliege, und übernehme gegebenenfalls nur einen bestimmten Teil der Schadenskosten.

Zahlt die Versicherung, wenn keine Rauchmelder installiert waren? „Da gibt es keine eindeutige Antwort“, berichtet Kuhn. „Rauchmelder sind ja zunächst einmal dazu da, Leben zu retten. Springt ein Rauchmelder an, wird nicht erwartet, dass jemand vorrangig versucht, das Haus oder den Hausrat zu retten“, erklärt Kuhn. Wenn keine Rauchmelder installiert seien, werde die Versicherung sich den Einzelfall genau anschauen. Eine pauschale Antwort sei nicht möglich. „Man kann nicht sagen, dass das keine Rolle spielt. Wir schauen auf den jeweiligen Fall.“

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