Schwaben bringen Nepalesen Skifahren bei

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Oft viele Kilometer weit muss Florian Trittler (links) seine Ski im Himalaya tragen, bevor er in die Schneeregion kommt.
Oft viele Kilometer weit muss Florian Trittler (links) seine Ski im Himalaya tragen, bevor er in die Schneeregion kommt. (Foto: PRivat)

Für ihre Expeditionen suchen die Skilehrer noch gebrauchte Tourenski und Felle, Lawinenausrüstung, hochwertige Kleidung – ebenso wie Sponsoren. Wer Interesse hat, das Vorhaben zu untersützten kann sich bei Florian Trittler melden per Mail: florian-ski@web.de oder telefonisch unter: +43 678 128 8540.

Der Himalaya ist die Heimat der Extrembergsteiger, der Bergfanatiker und Trekkinggeher. Doch Skifahren, Snowboarden und Skitourengehen - das ist im höchsten Gebirge der Welt bislang größtenteils unbekannt, auch weil sich viele Nepalesen und die übrigen Bergnationen den Sport oft nicht leisten können. Ein Mittelbiberacher will das ändern: Der 28-jährige Florian Trittler und seine Freundin Rebecca Ruß engagieren sich für die „Nepal Stiftung für Ski- und Snowboardfahren“. Im September starten sie zu einer außergewöhnlichen Expedition.

Im Winter 2013 war Florian Trittler zum ersten Mal im Himalaya, damals für ein Praktikum. „Ich war so begeistert von der Landschaft.“ Die Berge drei Mal so hoch wie in den Alpen, unvorstellbare Dimensionen, unberührte Schneelandschaften. Man wandert tagelang durch Täler und sieht keinen Menschen“. Die Menschen, die er getroffen habe, seien außergewöhnlich freundlich, erzählt Trittler. Ihm kam der Gedanke in den Kopf: „Hier muss ich mal mit Skiern herkommen.“

Bislang gibt es in Nepal keinen einzigen Skilift, dafür umso mehr Begeisterung bei den Einheimischen „Da entsteht zurzeit ein Hype. Skifahren finden viele geil und drehen völlig durch“, sagt Trittler. Der Mittelbiberacher ist Mitglied im deutschen Bundeslehrteam für Wintersport im Deutschen Turnerbund. „Mein Ziel ist es, Nepal für den Winterbreitensport zu öffnen“, erklärt er. Profitieren solle davon die „breite nepalesische Bevölkerung“. Ihnen möchte die Stiftung die Freude am Wintersport in ihrer Heimat nahebringen.

Da entsteht zurzeit ein Hype. Skifahren finden viele geil und drehen völlig durch.“

Trittler hat auch bereits Kritik gehört an den Plänen. Die Sorge sei, dass Skifahrer und Tourengeher die unberührte Wildnis zerstören könnten. Er glaubt das nicht, schließlich sei Nepal weiterhin weit entfernt von einem Skizirkus, wie man ihn aus den Alpen kennt. „Dafür mangelt es ja schon an der Infrastruktur.“ Viele Gebiete seien nur über lange Wege zu erreichen. Und die Gebiete, auf den Trittler und seine Mitstreiter den Nepalesen das Skifahren beibringen wollen, befinden sich „fernab der Touristenzentren“. Der Schwerpunkt soll auch in Zukunft auf Skitouren liegen, möglich sei aber auch das ein paar Lifte aufgebaut würden. Das geplante Projekt sei dagegen vor allem für die Einheimischen gedacht und übe auch auf Trittler einen besonderen Reiz aus: „Es macht einfach Freude, wenn man sieht, welche Eigeninitiative bei den Nepalesen entsteht.“


Vor Ort zeigt eine Ehrenamtliche den Nepalesen die Tricks des Wintersports – einer von ihnen ist der Mittelbiberacher Florian T
Vor Ort zeigt eine Ehrenamtliche den Nepalesen die Tricks des Wintersports – einer von ihnen ist der Mittelbiberacher Florian Trittler. (Foto: Privat)

Wenn er heute auf Expedition geht, trifft Trittler immer noch Menschen, die noch nie in ihrem Leben Ski gesehen haben. Manche wollen es dann gleich selbst ausprobieren, nutzten selbst Haselnussstecken als Stöcke. „Viele lassen sich da sehr leicht begeistern“, erzählt er. Außerdem entstehe langsam auch eine Mittelschicht, die sich mehr leisten könne.

Der Weg führt durch Dschungel

Auch Trittlers Freundin Rebecca Ruß ist bei den Expeditionen dabei: „Das ist schon der Hammer, wenn man sieht, wie sich die Nepalesen über das Skifahren freuen. Da kann man gar nichts anderes machen, als es ihnen zu zeigen“, sagt die 24-jährige Snowboardlehrerin lachend.

Im vergangenen Sommer hat Trittler das Team für die neuste Expedition zusammengestellt: Fünf Ski- und Snowboardlehrer aus der Region Oberschwaben brechen im September nach Nepal auf. Das Ziel ist der Putha Hiunchuli, ein relativ einfacher 7000-Tausender. Dennoch liegen etwa sechs Tage Fußmarsch vor der Skifahrern durch den Dschungel und offenes Gelände bis zum Basislager auf 4900 Meter. Mit Maultieren und Jaks wollen die Skifahrer ihre Ausrüstung transportieren. Am Berg wollen sie dann eine kleine Gruppe von Nepalesen in die Kunst des Wintersports einweihen. Das Ziel sei, dass irgendwann auch einige Nepalesen eine Skilehrerlizenz erhalten. Die Expedition soll zunächst dazu beitragen, die Stiftung bekannter zumachen, sagt Trittler.

Das ist schon der Hammer, wenn man sieht, wie sich die Nepalesen über das Skifahren freuen. Da kann man gar nichts anderes machen, als es ihnen zu zeigen."

Ihr Skiprojekt unterscheide sich von anderen Hilfsprojekten, ist er überzeugt. Er habe erlebt, wie glücklich und stolz die Nepalesen auf ihr Land seien. Er wolle dieses Glück steigern. Vom nahen Bergsport vor der Haustür bekommen viele Nepalesen bislang kaum etwas mit. „Wir ermöglichen den Nepalesen, die wenig Geld haben, das Skifahren.“ Und jeder, der am Wochenende ins Allgäu oder nach Vorarlberg fahre, müsse doch verstehen, was das bedeute.

Für ihre Expeditionen suchen die Skilehrer noch gebrauchte Tourenski und Felle, Lawinenausrüstung, hochwertige Kleidung – ebenso wie Sponsoren. Wer Interesse hat, das Vorhaben zu untersützten kann sich bei Florian Trittler melden per Mail: florian-ski@web.de oder telefonisch unter: +43 678 128 8540.

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