Mittelbiberacher steigt mit Skiern auf einen Siebentausender

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Der Mittelbiberacher Florian Trittler (ganz links) und seine Freundin Rebecca Ruß (Dritte von rechts) waren im Himalaya unterweg
Der Mittelbiberacher Florian Trittler (ganz links) und seine Freundin Rebecca Ruß (Dritte von rechts) waren im Himalaya unterwegs. Weite Strecken der Tour mussten sie ihre Ski tragen. (Foto: Fotos: Privat)

Mit den Skiern waren der Mittelbiberacher Florian Trittler und seine Freunde auf Tour im Himalaya. Sie wollen den Wintersport populär machen in Nepal und vor allem den Einheimischen das Skifahren beibringen. Diesmal führte sie ihr Weg auf einen Siebentausender.

Eisiger Wind, wilde Abfahrten und unberührte Tiefschneehänge sind das eine, Behördengänge und ein Aktenstapel das andere: Bevor es losging mit dem Naturabenteuer stand für Florian Trittler zunächst ein Besuch beim Nepalesischen Tourismusministerium auf dem Plan. Der 28-Jährige musste ärztliche Atteste aller Teilnehmer vorlegen, die Erfahrungen dokumentieren und Erlaubnisse abholen. Die nepalesische Verwaltung sei zwar bürokratisch aber „sehr seriös“. „Die wissen genau, wer an welchem Berg unterwegs ist“; sagt Trittler. Beim Ministerium habe man ihm schließlich erklärt: „Wir würden uns freuen, wenn alle Nepalesen etwas von Ihnen lernen würden.“

Florian Trittler und seine Freunde engagieren sich für die „Nepal Stiftung für Ski- und Snowboardsport“ – und das kommt an im Land. Ihr Ziel: Wintersport-Lehrer ausbilden, um den Nepalesen das Skifahren näher zu bringen. „Darin steckt enormes Potenzial für das Land“, glaubt Trittler.

Unbekannte Berge statt Everest

Bislang fließen die Touristenströme meist in die bekanntesten Bergregionen rund um den Mount Everest oder die Annapurna. Andere Regionen gehen meist leer aus: „Es würde allen gut tun, wenn ein bisschen mehr passieren würde“, meint Trittler.

Mit dem Skitourismus wie in den Alpen habe das noch lange nichts zu tun. Das zeigen schon die simplen Zahlen: Gerade einmal fünf Bergsteiger waren dieses Jahr auf dem Putha Hiunchuli. Dabei biete der Siebentausender oft traumhafte Bedingungen für Skitourengeher. Diese Botschaft will Trittler verbreiten. Er hat die Abfahrt selbst getestet. Vor wenigen Wochen stand er selbst auf dem Gipfel. Nachdem seine Begleiter und seine Freundin Rebecca Ruß bei dem Weg zum Basislager erkrankt waren und die Ausrüstung gestreikt hatte, hatte sich Trittler schließlich im Alleingang zum Gipfel aufgemacht. „Oben angekommen war ich erst mal verwirrt“, erzählt er. Am höchsten Punkt gab es weder weder Gipfelkreuz noch Gebetsfahnen. Doch das GPS und der Tiefblick auf allen Seiten sorgten für Gewissheit. Wenige Tage später schafften es dann noch zwei weitere Bergsteiger-Freunde auf den Gipfel.

Auch wenn die Expedition nicht auf die höchsten Bergriesen geführt hat, war sie dennoch „etwas Besonderes“, sagt Trittler. Skiexpeditionen sind weiterhin selten, das Interesse der lokalen Medien und Nepal war dementsprechend groß. Irgendwann, hofft Trittler, sollen die Nepalesen selbst Skitouren anbieten können. Im kommenden Jahr will er von Vorarlberg aus neue Veranstaltungen in Nepal organisieren, bei denen so viele Nepalesen wie möglich auf Skier stehen können. In Österreich wohnt und arbeitet Trittler, aber der Unterschied zwischen Alpen und Himalaya sei dann doch immens. „im Himalaya wird man sich den Dimensionen der Berge viel bewusster“.

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