Tobias und Anke Warth aus Mittelbiberach vebrachten zwei Jahre mit ihren Kindern Yannic, Lucas und Elena (von links) in Uganda.
Tobias und Anke Warth aus Mittelbiberach vebrachten zwei Jahre mit ihren Kindern Yannic, Lucas und Elena (von links) in Uganda. (Foto: Privat)

Über ihre Erlebnisse in Uganda sprechen die Warths am Freitag, 7. Dezember in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Biberach (EFG), Schönfeldstraße 3. Beginn des Vortrags ist um 19 Uhr.

Für den Einsatz gegen Armut haben Tobias und Anke Warth ihr Leben in Europa zurückgelassen und sind mit ihren Kindern nach Uganda gezogen. Heute leben sie in Mittelbiberach. Die Zeit in Afrika aber hat sie stark geprägt.

Eine Frage habe ihn lange beschäftigt, erzählt Tobias Warth: „Was würden Sie mit Ihrer Frau diskutieren, wenn Sie beide mit 80 Jahren im Liegestuhl liegen?“ Warth hatte die Frage in einem Buch gelesen und sie ließ ihn nicht los. Zu dieser Zeit arbeitete er als Bankangestellter im mittleren Management, an Geld mangelte es nicht, wohl aber an Erfüllung. „Ich habe gewusst, mein Beruf macht mich nicht mehr glücklich“, erzählt der 44-Jährige.

Zur gleichen Zeit sah Anke Warth im Fernsehen die Bilder von hungernden Menschen in Afrika. Für beide war schnell klar, dass sie etwas ändern wollten in ihrem Leben. Grundlage dafür sei immer ihr christlicher Glaube gewesen, betont Tobias Warth. Über eine Organisation für christliche Fachkräfte fand Tobias schließlich eine Stelle in Uganda. Zunächst wurde das Paar in einem Seminar in der Kultur und der Sprache des afrikanischen Landes geschult und erhielt ein Sicherheitstraining. „Das hat es uns leichter gemacht“, sagt Tobias Warth. Für ihren ältesten Sohn, der heute 15 ist, sei der Aufbruch ein „großes Abenteuer“ gewesen, schwerer fiel es dem jüngeren Sohn Lukas. Das jüngste Kind, Elena, verstand noch nicht, was die Familie geplant hatte. Doch alle drei hätten in Uganda rasch neue Freunde gefunden.

Ein Huhn als Geschenk

Auch Tobias und Anke Warth fassten schnell Fuß: „Die Menschen dort sind wahnsinnig herzlich“, erzählt Tobias. Er begleitete einheimische Mitarbeiter einer kirchlichen Genossenschaftsbank und erklärte den Einheimischen auf dem Land den Umgang mit Geld. Viele seien zwar bettelarm, dennoch könnten die meisten zweimal im Jahr ihren Ertrag ernten. Das Problem dabei: Das Geld aus dem Verkauf werde oft innerhalb weniger Tage wieder ausgegeben.

Wie es anders gehen kann, zeigt Warth an einem einfachen Beispiel: Nach einem Seminar bekam er aus Dankbarkeit von einem Dorf einmal ein gackerndes Huhn geschenkt: „Da hab ich verlegen gefragt: ,Was soll ich denn mit dem Tier?‘“, erzählt er. „Das ist für Ihr Abendessen heute“, hätten die Bewohner erklärt. Aber Warth nahm das Tier mit nach Hause, wo es sich schon bald mit dem Hahn des Nachbarn anfreundete. Das Ende der Geschichte: „Bald hatten wir so viele Küken, dass wir sie sogar im Dorf verschenken konnten“, erzählt Anke Warth. Später hätten sie manche Hühner auch gegessen, wichtig sei ihm aber gewesen, dass die Menschen in Uganda lernen, wie nachhaltiges Wirtschaften gelingen könne.

Nach einem Seminar habe eine ältere Frau ihre Kaffeebohnen zu einem Restaurant gebracht und diese verkauft, erzählt Warth. Da habe er gewusst, seine Botschaft wurde verstanden. „Die Menschen habe ihre Gaben genutzt.“ Um die Menschen beim Aufbau ihrer Projekte zu unterstützen, bietet die kirchliche Genossenschaftsbank auch Mikrokredite an. Die Menschen können sich dabei gegen geringe Zinsen Geld leihen. Der Gedanke dahinter: „Wir geben den Menschen nicht die Fische, sondern Netze, um selbst zu fischen“, sagt Warth. Die Hilfe zur Selbsthilfe sei oft sinnvoller, als die Menschen mit regelmäßigen Spenden abhängig zu machen.

Ursprünglich wollte Familie Warth drei Jahre in Uganda bleiben. Doch dann kam es anders: Schon vor 20 Jahren wurde bei Tobias Warth Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert. „Damals hat man mir gesagt, in zehn Jahren sitze ich im Rollstuhl.“ Dann wurden die Schübe seltener, doch nach zwei Jahren in Uganda brach die Krankheit wieder aus. Eine permanente Therapie war aber nur in Europa möglich. So habe sich die Familie entschieden zurückzukehren.

Gemeinsam zogen die Warths dann einige Zeit später nach Mittelbiberach, wo Tobias einen neuen Job im Außendienst fand und Anke Warth wieder in einem Kindergarten arbeiten konnte. „Die Zeit in Afrika war bislang eine der schönsten in unserer Ehe“, sagt Anke Warth. Durch die Entbehrungen und das einfachere Leben hätten sie gelehrt, dankbar zu sein. „Es tut auch mal gut, wenn man nicht alles hat.“

Und auch für die Kinder seien die zwei Jahre lehrreich gewesen, ist Tobias überzeugt: „Die haut heute so schnell nichts mehr um.“

Über ihre Erlebnisse in Uganda sprechen die Warths am Freitag, 7. Dezember in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Biberach (EFG), Schönfeldstraße 3. Beginn des Vortrags ist um 19 Uhr.

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