Schwäbische Zeitung

Sie ist an ihrem Bestimmungsort angekommen. Seit gestern steht die neue Glocke, die kürzlich zu Ehren der seligen Schwester Ulrika Nisch in Karslruhe gegossen wurde, in der Glockenstube der katholischen Kirche St. Cornelius und Cyprian.

Von unserer Redakteurin  Claudia Heller

Es sieht so aus, als würde sie federleicht in ihr Heim hinaufschweben. Innerhalb weniger Minuten verschwindet die neue Mittelbiberacher Glocke, die bereits den ganzen Tag schon vor dem Kircheneingang gestanden hatte, oben im Kirchturm durch eine der Schallöffnungen – begleitet vom kräftigen Applaus der zahlreich erschienenen Zuschauer. Viele von ihnen, darunter auch eine Gruppe des Kindergartens, warteten bereits am Morgen vor der Kirche auf den Moment, in dem die Glocke ihren Bestimmungsort erreicht.

Ganz so einfach ist es für die Arbeiter nicht, die fast 600 Kilogramm schwere Glocke in die fast 30 Meter hohe Glockenstube hinaufzubekommen. Damit sie überhaupt durch die Öffnung passt, musste eine Säule herausgebrochen werden, die nun in den nächsten Tagen wieder eingefügt wird. Zwar müssen die fünf Arbeiter die Glocke nicht per Flaschenzug an der Kirchturmmauer entlang hinaufziehen, denn diese Aufgabe übernimmt ein Kran. Doch ist hier das Geschick des Kranführers gefragt, der die Glocke direkt vor die Schallöffnung steuert, wo sie von kräftigen Arbeitern in Empfang genommen wird.

Bereits seit 8 Uhr am Morgen waren die Arbeiter mit den Vorbereitungen in der Glockenstube beschäftigt. Der alte Glockenstuhl aus Metall musste raus – ebenfalls per Kran – und der neue Glockenstuhl kam vom Lastwagen hinauf auf den Kirchturm. Ebenso zwei weitere Mittelbiberacher Glocken, die in der Gießerei in Karlsruhe nachgestimmt worden waren.

Stahl weicht Holz

Der alte stählerne Glockenstuhl musste weichen, weil darin eine sechste Glocke keinen Platz gehabt hätte. Der neue und etwas größere ist nun aus Holz. „Holz nimmt die Schwingungen vom Turm weg, Stahl hingegen überträgt sie auf das Gebäude“, erklärt Gerhard Ufer von der Glockengießerei Bachert den Unterschied der beiden Materialien.

Bis die Mittelbiberacher ihre neue Glocke zum ersten Mal läuten hören, wird es allerdings noch etwas dauern. Ufer schätzt, dass dies frühestens in drei Wochen der Fall sein wird. Denn zuerst muss die Firma Bachert noch den neuen Glockenstuhl aufbauen und die sechs Glocken einpassen. Zudem stehen noch Elektroarbeiten an: Die Elektronik fehlt noch, die das Schlagwerk antreibt, das die Glocken zum Läuten bringt. Bis dies so weit ist, bleibt es weiterhin still in Mittelbiberach.

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