Sonnige Zeiten für energieautarke Mietinger

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 Die Grundschule Baltringen wird neuerdings mit Solarstrom der BEG Mietingen versorgt.
Die Grundschule Baltringen wird neuerdings mit Solarstrom der BEG Mietingen versorgt. (Foto: Franz Liesch)
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Dass der Klimawandel zwei Seiten hat, das erlebten die Teilnehmer der diesjährigen Mitgliederversammlung der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Mietingen hautnah: Die Teilnehmer schwitzten am heißesten Junitag aller Zeiten, konnten aber auch zur Kenntnis nehmen, dass der Jahrhundertsommer 2018 die Bilanz der BEG verbessert hat. Drei Prozent Dividende werden heuer ausgeschüttet.

Doch Höchsttemperaturen lähmen nicht den unternehmerischen Expansionsdrang der BEG. Das geht aus den Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden Thilo Münch hervor. Neueste Investition ist die Photovoltaik-Anlage (PV) der Grundschule Baltringen. „Sie dient vor allem der Deckung des Eigenbedarfs der Schule“, machte Münch in seinem Bericht deutlich. Er unterlegte die Aussage mit der Energiebilanz für den 24. Juni 2019. Sie zeigte, dass der Eigenbedarf an elektrischem Strom komplett durch die Sonne abgedeckt war und etwa ebenso viel ins Netz eingespeist wurde.

Vorzeigeobjekt der BEG Mietingen ist die PV-Anlage (PV) bei den Pumpbrunnen in Baltringen. „Das ist unser Lieblingsprojekt“, äußerte Münch. Und auch Aufsichtsrat-Vorsitzender Robert Hochdorfer bekannte: „Wir sind stolz auf die PV-Anlage bei den Brunnen.“ Sie liefere tagsüber erneuerbare Energie, um Trinkwasser aus den Tiefen zum Hochbehälter bei Mietingen zu transportieren. Knapp 80 Megawatt Strom flossen 2018 auf diese Weise in die Brunnenpumpen. Das ist so ertragreich, dass die Anlage jetzt um 20 Kilowatt Peak (kWp) erweitert werden soll. Der Vertrag mit dem Lieferanten aus Mietingen sei bereits unterzeichnet, die Installation soll im Herbst erfolgen, führte Münch aus. Übriger Strom fließe zu niedrigen Preisen ins Netz. Darauf reagierte die Versammlung mit Empörung.

Vorstand und Aufsichtsrat seien ständig in Startposition für neue Investitionen, hieß es. Dazu zählt zunächst das geplante Mietinger Rathaus. „Angedacht sind hier Strom- und Wärmepumpenversorgung“, sagt Thilo Münch. Auf dem Dach des künftigen Baltringer Feuerwehrhauses soll eine PV-Anlage errichtet werden. Der erste Spatenstich für das Gebäude liegt erst wenige Wochen zurück.

Auch Vorstandsmitglied Ulrike Hagel machte bei der Vorlage der Bilanz deutlich, dass die BEG auf neue Projekte hofft, um das vorhandene Kapital zu investieren und neue Anteile ausgeben zu können.

Hohe Priorität hat für die BEG Mietingen die Zusammenarbeit mit dem Ökostrom-Anbieter Bürgerwerke e.G. in Heidelberg, an der die BEG mit 1000 Euro beteiligt ist. Im Herbst sei ein erster gemeinsamer Flyer herausgegeben worden, berichtete Münch. 34 Stromkunden für die Bürgerwerke seien bereits gewonnen, erklärt Vorstandsmitglied Hubert Birk. „Das ist für uns die Energiewende: Strom auch selber zu verbrauchen.“ Die Zahl der Stromkunden soll weiter erhöht werden. Die Bürgerwerke wollen künftig auch Ökogas beziehen.

Den Bilanzgewinn bezifferte Ulrike Hagel mit 7000 Euro. Die Geldreserven belaufen sich auf derzeit mehr als 50 000 Euro. Die Mitgliederzahl der BEG beträgt 165. Neu in den Vorstand gewählt wurde Frank Jerg. Sein Betätigungsfeld ist das Marketing. Aufsichtsratsvorsitzender Robert Hochdorfer äußerte sich zufrieden über die Zusammenarbeit. „Ich bin überzeugt, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind“, erklärte er. Für die Versorgung der Gemeinde mit Gas nannte er einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren. Am neuen Rathaus soll auch eine E-Tankstelle eingerichtet werden, obgleich dies mit Fixkosten in Höhe von 1000 Euro im Jahr verbunden sei.

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