Leukämie: Sechsjähriger braucht dringend eine Stammzellspende

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Ihr kleiner Neffe Malte (kleines Foto) braucht dringend Hilfe: Nicole Ruepp-Ludwig, Gebhard Becker und Bruni Golms (von links) o
Ihr kleiner Neffe Malte (kleines Foto) braucht dringend Hilfe: Nicole Ruepp-Ludwig, Gebhard Becker und Bruni Golms (von links) organisieren zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Registrierungsaktion am 29. September in Mietingen. (Foto: Roland Ray)
Redaktionsleiter

Der 6. August 2018 hat das Leben von Malte radikal verändert. An diesem Tag stellten Ärzte fest, dass der Sechsjährige aus Mietingen an einer seltenen Form von Blutkrebs erkrankt ist. Er benötigt dringend eine Stammzellspende. Seine Familie hofft, dass dem Jungen mit einer Registrierungsaktion am Samstag, 29. September, geholfen werden kann.

Malte spielt gern Fußball. Beim SV Mietingen ging er bisher bei den Bambini auf Torejagd, jetzt wäre er in die F-Jugend gekommen. Nach den Sommerferien wollte er E-Gitarre lernen. Der erste Schultag stand vor der Tür.

„Als wir das erfuhren, zog es uns förmlich den Boden unter den Füßen weg."

Im Juni indes begannen Erkältungen und Infekte den Blondschopf zu plagen; die Lymphknoten waren geschwollen, er hatte wenig Appetit, nahm ab. In der Kinderklinik Memmingen wurde Anfang August Leukämie diagnostiziert. „Als wir das erfuhren, zog es uns förmlich den Boden unter den Füßen weg“, sagt Maltes Tante Nicole Ruepp-Ludwig.

Der Sechsjährige wurde in die Universitätsklinik Ulm überwiesen. Er musste sich unverzüglich einer Chemotherapie unterziehen, die den Krebs einstweilen in Schach halten soll. Die Nebenwirkungen sind heftig. „Zwei Chemo-Blöcke hat er hinter sich, zwei weitere stehen an“, berichtet Nicole Ruepp-Ludwig.

 Zeit für Transplantation drängt

 Das wird schwerlich reichen, um zu gesunden. Malte werde nur überleben können, „wenn es – irgendwo auf der Welt – einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellspende bereit ist“, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen. Die durch die Chemotherapie zerstörten Stammzellen des jungen Patienten müssen durch gesunde Stammzellen des Spenders mittels einer Transplantation ersetzt werden. Die Zeit drängt.

Etwa 30 Millionen potenzielle Spender, deren Gewebemerkmale bestimmt wurden, sind weltweit in elektronischen Verzeichnissen registriert, davon allein acht Millionen in Deutschland. In diesen Dateien wird nach „genetischen Zwillingen“ gesucht – in Maltes Fall bisher vergeblich. Jede neue Typisierung aber eröffnet ihm – und anderen Leukämiepatienten – eine neue Chance auf Heilung. Deshalb haben zwei Tanten von Malte, Nicole Ruepp-Ludwig und Bruni Golms, und sein Onkel Gebhard Becker eine Initiativgruppe gebildet, die zusammen mit der DKMS eine Registrierungsaktion in Mietingen organisiert.

„Wir müssen etwas tun“, sagen die Drei. Gemeinsam mit Maltes Eltern, die permanent im Wechsel bei ihrem einzigen Kind in der Klinik sind, appellieren sie unter dem Motto „Malte sucht Helden!“ an die Menschen in der Region, sich am 29. September als potenzielle Stammzellspender registrieren zu lassen. „Malte ist ein kleiner Kämpfer, aber nun braucht er die Hilfe der ganzen Bevölkerung“, heißt es auf Flyern und Plakaten, die in Mietingen und im Umkreis von 15 Kilometer verteilt und aufgehängt werden. „Deshalb bitten wir als Familie: Nehmt an dieser Aktion teil. Ein kleiner Moment eurer Zeit könnte das Leben unseres Sohnes retten.“

Helfer für Typisierungsaktion gesucht

Die Initiativgruppe ist dabei, ein Helferteam zusammenzustellen, das den Mitarbeitern der DKMS am 29. September in Mietingen zur Hand geht. „Wir benötigen 60 bis 70 Helfer für die Registrierung und zehn bis 15, um alle, die kommen, und das Team mit Vesper, Getränken, Kaffee und Kuchen zu versorgen“, sagt Gebhard Becker. „Die Bewirtung ist kostenlos. Wir hoffen im Gegenzug auf eine kleine Spende, die in die Finanzierung der Aktion fließt.“ Die Verpflegung wird komplett von heimischen Betrieben gesponsert.

Viele packen mit an, die Initiatoren spüren eine Welle der Hilfsbereitschaft. Die Feuerwehr wird sich um den Verkehr und das Parken bei der Mehrzweckhalle kümmern, der Sportverein Mietingen übernimmt den Auf- und Abbau für die Registrierungsaktion. In den Kindergärten in Mietingen, Baltringen und Walpertshofen liegen Listen für Kuchenspenden aus. Mehrere Firmen wollen die Aktion finanziell unterstützen. Bürgermeister Robert Hochdorfer hat die Schirmherrschaft übernommen. „Auch Menschen, die sich nur informieren oder austauschen wollen oder auf einen Kaffee vorbeischauen, sind uns am 29. September herzlich willkommen“, betont Bruni Golms.

Drei Abstriche an der Wangenschleimhaut genügen

Die Registrierungsaktion ist am Samstag, 29. September, von 11 bis 16 Uhr in der Mehrzweckhalle Mietingen. Dafür stehen Teams bereit. Die Registrierung geht einfach und schnell, es muss nicht mehr wie früher Blut abgenommen werden. Die potenziellen Spender füllen eine Einverständniserklärung aus, anschließend machen sie mit drei Wattestäbchen jeweils einen Abstrich an der Wangenschleimhaut. Damit können im Labor die Gewebemerkmale bestimmt („typisiert“) werden. Zeigen diese eine Überstimmung mit denen eines Patienten, folgen weitere Tests.

Grundsätzlich kann jedermann, der im Alter zwischen 17 und 55 Jahren und bei guter Gesundheit ist, als potenzieller Stammzellspender registriert werden.

Wer sich bereits in der Vergangenheit hat registrieren lassen, braucht nicht erneut mitzumachen. Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin zur Verfügung.

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