Kleines Feuer, großer Schaden

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Ein Brand im Technik-raum des Sportheims hat den SV Baltringen in arge Nöte gebracht. Zwar erlosch das Feuer nach kurzer Zeit selbstständig, doch breitete sich so viel giftiger Rauch in dem Gebäude aus, dass es umfangreich saniert werden muss und wohl mindestens bis Weihnachten nicht genutzt werden kann. Dem Verein beschert das nicht nur organisatorische Probleme, sondern auch erhebliche finanzielle Einbußen – auch wenn der reine Sachschaden von der Brandschutzversicherung abgedeckt ist.

Seinen Lauf nahm das Unheil bereits in der Nacht zum 27. Juli. Ein technischer Defekt an einer Platine im Technik- und Heizungsraum verursachte einen Lichtbogen, der wiederum Isolierungen und andere Kunststoffteile in Brand setzte. So berichtet es Robert Blersch, im Vorstand des SV Baltringen der Verantwortliche für den Bereich Koordination und Organisation. „Zum Glück“, sagt er, „waren die Türen und Fenster zu dem Raum geschlossen, so dass keine Sauerstoffzufuhr gegeben war und das Feuer dadurch erstickt ist. Sonst hätten wir jetzt gar kein Sportheim mehr.“

Und doch ist der Schaden schlimmer als zunächst gedacht. „Anfangs gingen wir davon aus, dass nur der Technikraum und die angrenzenden Räume betroffen wäre und die übrigen Verrußungen durch ein paar kosmetische Maßnahmen beseitigt werden könnten“, berichtet Blersch. Doch ein chemisches Gutachten brachte das wahre Ausmaß zu Tage: Der Rauch hatte sich über Zwischendecken im gesamten Gebäude ausgebreitet und die darin enthaltenen Giftstoffe setzten sich in allen Räumen fest. „Das Sportheim wurde sofort geschlossen. Zum Glück war Sommerpause und daher nicht so viel los“, sagt Robert Blersch.

Sanierung durch Spezialfirma

Eine Spezialfirma ist seit Mitte August damit beschäftigt, das Gebäude zu entgiften. Sämtliche Decken müssen bis aufs Gebälk herausgerissen werden und etliche Böden ausgetauscht werden. Nur wo gefliest ist, reicht eine Reinigung. Wände müssen ebenfalls vom Gift befreit und neu gestrichen werden. Das Mobiliar und sonstige Gegenstände müssen entweder komplett erneuert oder aber gründlich gereinigt werden. Das gesamte Sportheim gleicht einer Abrissbaustelle, draußen stehen vier Container voller Schutt.

Betroffen ist jeder Raum: im Obergeschoss Geschäftszimmer, Technikraum der Skiabteilung, zwei Umkleiden für die Tennisabteilung und das Kinderspielzimmer, unten die Umkleidekabinen mit Duschen, Toiletten, Küche und Gastraum. Letzterer ist vollgestellt mit Geschirr, das aus den Schränken geräumt wurde und ebenfalls gereinigt werden muss. Nicht bestätigt haben sich zum Glück erste Befürchtungen, dass auch im Gastraum Decken, Wände und Mobiliar ausgetauscht werden müssen. „Der Raum ist doch nicht ganz so stark betroffen“, sagt Robert Blersch erleichtert: „Wenn wir auch die Gaststube komplett sanieren müssten, würden wir selbst bis Weihnachten nicht fertig werden.“

Enormer Aufwand

Dabei sind die organisatorischen und finanziellen Folgen so schon schlimm genug. Zwar deckt die Brandschutzversicherung den materiellen Schaden in wohl sechsstelliger Höhe ab, die Einnahmeausfälle aus der Bewirtschaftung und Vermietung des Sportheims muss der Verein aber selbst tragen. „Wir mussten einige fest gebuchte Privat- und Firmenfeiern ebenso absagen wie geplante Vereinsveranstaltungen – etwa das Hirschessen am 3. Oktober oder unser Weinfest“, erklärt Robert Blersch. Auch die Bewirtung während der Heimspiele der Fußballer kann nur eingeschränkt erfolgen. Man behilft sich mit einem provisorisch eingerichteten Außenausschank, „und es wird gegrillt, damit wir wenigstens Kleinigkeiten zum Essen anbieten können“. Das noch vom Sportfest stammende Vorzelt ließ man stehen, und in den kälteren Wochen wird man versuchen, mit Heizgeräten den Aufenthalt im Außenbereich so angenehm wie möglich zu machen. Im rückwärtigen Bereich des Sportheims müssen WC-Wagen für die Verrichtung der Notdurft herhalten. Das Ansinnen, das eine oder andere Heimspiel im Herbst zu tauschen oder ins Frühjahr zu verlegen, lehnte der Bezirk Riß aus organisatorischen Gründen ab.

Apropos Organisation: „Die ganze Geschichte ist mit einem immensen Mehraufwand verbunden, den wir nur bewältigen können, weil sich sehr viele Leute im Verein überdurchschnittlich engagieren“, sagt Robert Blersch. Auch von außerhalb gibt es Unterstützung: „Die Fußballer müssen sich in der Turnhalle umkleiden und duschen. Da kam uns die Gemeinde entgegen.“ Im Geschäftszimmer sind sämtliche Akten kontaminiert. Was damit geschieht, ist noch unklar. Erinnerungsstücke wie Meisterschaftsbilder, Wimpel, Pokale und ähnliches sollen natürlich so weit wie möglich gerettet werden.

Das wäre nicht möglich, wenn das Sportheim komplett abgebrannt wäre. Insofern hatte der SV Baltringen noch Glück im Unglück. „Trotzdem hätten wir auf die Geschichte natürlich gerne verzichtet“, sagt Robert Blersch.

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