Innovative Maschine der frühen Neuzeit

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 Der erste Druck wird erstellt auf einem Nachbau der Gutenberg-Druckerpresse. Links: Roland Freudemann vom Verein Baltringer Hau
Der erste Druck wird erstellt auf einem Nachbau der Gutenberg-Druckerpresse. Links: Roland Freudemann vom Verein Baltringer Haufen. Rechts: Bildungsreferent Andreas Steiner vom Bildungshaus St. Luzen in Hechingen. (Foto: Franz Liesch)
Franz Liesch

Die Erinnerungsstätte „Baltringer Haufen“ verfügt jetzt über einen Nachbau einer Gutenberg-Presse. Möglich wurde dies durch eine Dauerleihgabe des Bildungshauses St. Luzen in Hechingen. Der dortige Bildungsreferent Andreas Steiner hat die Buchdruckpresse nach Baltringen gebracht und dort zusammen mit Vorstandsmitgliedern des Vereins „Baltringer Haufen – Freunde der Heimatgeschichte“ aufgebaut.

Der Verein betreut das Gemeinde-Museum im Rathaus zum Bauernkrieg 1525. Es ist ihm daran gelegen, die bedeutende Erfindung des Buchdrucks für die Reformation und den Bauernkrieg deutlich erfahrbar zu machen. So wie Gutenberg und seine Mitarbeiter sollen auch Besucher künftig selber Drucke herstellen können. Gleichzeitig werden weitere Faksimile-Drucke aus der Zeit des Bauernkriegs im Museum präsentiert.

Voran steht dabei der erste Bibeldruck in deutscher Sprache vom September 1522, dessen Verfasser Martin Luther ist. Die auch als September-Testament bezeichnete neue Bibelübersetzung fiel seinerzeit auf fruchtbaren Boden und war im Nu vergriffen. Zu den eifrigen Lesern zählte der Feldschreiber des Baltringer Haufens, Sebastian Lotzer. Er ist Verfasser mehrerer Flugschriften, in denen er etwa dazu auffordert, fleißig die Bibel zu lesen.

Diese Flugschriften sind als Faksimile neben dem ersten Bibeldruck ausgelegt. Zu den für den Verlauf des Bauernkriegs bedeutendsten Druckwerken zählen die Zwölf Artikel, sie stammen aus der Feder von Sebastian Lotzer. Sie wurden in ganz Deutschland in 28 Auflagen gedruckt und gaben letztendlich den Anstoß zum Bauernkrieg.

Beim Vorstand des Vereins Baltringer Haufen freut man sich über die neuen Objekte im Museum im Rathaus. Auch Dekanats- und Bildungsreferent Andreas Steiner ist glücklich über den neuen Platz „seiner“ Druckerpresse: „Ich bin sehr zufrieden, dass die Gutenberg-Presse hier im Baltringer Museum einen neuen Standort gefunden hat, weil ich weiß, dass sie hier gut gebraucht wird.“

Steiner gab zum Reformationsjubiläum 2017 den Anstoß zum Bau der Druckerpresse. Damit sollte der enge Zusammenhang zwischen Buchdruck und der Reformation bewusst gemacht werden. Acht angehende Zimmerleute und Schreiner der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule unter der Anleitung ihrer Fachlehrer Harald Schäfer und Frank Jetter setzten die Idee von Andreas Steiner in vielen Freizeit-Stunden in die Tat um.

Dabei musste durchaus manche Hürde genommen werden, etwa die Herstellung eines Innengewindes in Holz. Unterstützung kam auch von der Beuroner-Klosterdruckerei, die aufgelöst worden war und anschließend Lettern zur Verfügung stellte. Auch die Kerschensteinerschule in Reutlingen und ein Sammler von Druckerutensilien halfen.

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