Flucht vor dem Bürgerkrieg - Wie sich eine syrische Familie in Mietingen eingelebt hat

Lesedauer: 8 Min
 Die Familie Al Obaid aus Syrien freut sich, in Deutschland in Sicherheit leben zu können (nicht auf dem Bild ist Sohn Mohammad)
Die Familie Al Obaid aus Syrien freut sich, in Deutschland in Sicherheit leben zu können (nicht auf dem Bild ist Sohn Mohammad). (Foto: fli)
Franz Liesch

In wenigen Monaten jährt sich die Ankunft von Flüchtlingen in der Gemeinde Mietingen: 54 Menschen haben im März des Jahres 2016 in Sammelunterkünften des Kreises und dann in Anschlussunterbringung der Gemeinde ein Dach über dem Kopf gefunden. Von den 54 Menschen leben heute noch 36 in der Gemeinde.

Unter ihnen ist die sechsköpfige Familie Al Obaid aus Syrien. Sie sind als Bürgerkriegsflüchtlinge im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis; diese ist zeitlich befristet und wird regelmäßig überprüft. Rund ein Drittel der Mietinger Flüchtlinge ist im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Bei knapp der Hälfte läuft das Asylverfahren noch, neun sind geduldet. Dies geht aus Angaben des Landratsamts hervor.

Unbefristeter Arbeitsvertrag

Die Familie Al Obaid hat die Unterkunft der Gemeinde verlassen und sich am Ortsrand von Mietingen eine Wohnung gemietet. „Ich bekomme keinen Cent mehr vom Amt, zahle Steuern und Abgaben“, betont Vater Talal. Stolz zeigt er seine von der IHK ausgestellte Qualifikation als Berufskraftfahrer. Der Familienvater hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Busfahrer. Täglich ist er im Stadtverkehr von Ulm unterwegs. „Davon habe ich geträumt“, sagt er strahlend.

 Vater Talal Obaid arbeitet als Busfahrer in Ulm. Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag.
Vater Talal Obaid arbeitet als Busfahrer in Ulm. Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. (Foto: privat)

Mit ihm kann man sich sehr gut in deutscher Sprache unterhalten. Er hat drei Deutsch-Kurse mit steigendem Anspruchsniveau ebenso mit Erfolg bestanden wie die Berufsqualifikation. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Beruf“, versichert er. Auch in Syrien war er als Berufskraftfahrer unterwegs. Regelmäßig nimmt er an Weiterbildungsveranstaltungen teil.

Flüchtlinge aus Syrien konnten von Anfang an Deutschkurse bei der VHS Laupheim belegen. Ein Deutsch-Kurs stand den Menschen aus Afghanistan, die vom dortigen Bürgerkrieg flohen, anfangs nicht zu. In Mietingen stammt die Mehrzahl der Flüchtlinge aus Afghanistan (33 Prozent). Nicht alle Ankömmlinge haben sogleich erkannt, wie wichtig das Beherrschen der Sprache für Arbeit und Leben in Deutschland ist.

Das Erlernen einer Fremdsprache erweist sich bei etlichen Erwachsenen als schwer zu überwindende Hürde. Dennoch haben nach Angaben des Landratsamts zehn einen festen Arbeitsplatz. Zwölf besuchen derzeit einen Deutschkurs, darunter sind zwei Familien aus dem Irak, die erst neulich in Mietingen untergekommen sind. 24 Kinder und Jugendliche gehen zur Schule. Insgesamt sind in Mietingen laut Landratsamt aktuell 55 Personen aus sechs Ländern als Flüchtlinge registriert.

Hilfe bei der Integration

„Die Mietinger Flüchtlinge sind gut integriert“, urteilt Julia Blessing, Beauftragte der kirchlich-diakonischen Flüchtlingsarbeit. Sie betreut zusammen mit Ursula Schick vom Landratsamt Biberach die Flüchtlinge. Ehrenamtliche Paten vom Helferkreis sind obendrein nimmermüde im Einsatz, den Menschen bei der Integration zur Seite zu stehen.

Neue Heimat – wie ein syrischer Flüchtling sich im Allgäu durchschlägt
Eigentlich wollte Ferhad Jawish in seiner Heimat Syrien Medizin studieren. Dann kam der Krieg. Er verlässt Syrien, arbeitet zunächst im Irak und kommt schließlich über die Türkei nach Deutschland. Heute lebt er in einer WG in Amtzell und macht eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Im Gespräch mit Alena Ehrlich und Marlene Gempp erzählt er von seinen Erinnerungen, seinen Wünschen, Zielen und dem Traum, vielleicht doch irgendwann noch Medizin zu studieren.

Dies ist bei der sechsköpfigen Familie Al Obaid sehr gut gelungen. So ehrgeizig wie der Vater seine Ziele verfolgt, tun es auch die beiden Töchter. Sie besuchen die Werkrealschule Mietingen-Schwendi und streben einen sozialen Beruf an. Vater Talal: „Wir sind nach Deutschland gekommen, um zu überleben und dem Krieg zu entkommen.“ Er und seine Familie seien froh, Aufnahme gefunden zu haben. „Ich mag die Menschen hier in Deutschland. Sie haben uns immer geholfen, besonders die Leute vom Helferkreis.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen