Bronnweiler Weiber ernten riesiges Gelächter für ihre Gags

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Köstlichen, mitunter deftigen, schwäbischen Humor, servierten die Bronnweiler Weiber anlässlich des Jubiläums im Grünen Baum (li (Foto: Franz Liesch)
Schwäbische Zeitung
Franz Liesch

Stammgäste oder einfach Sympathisanten, zu hunderten sind sie am Samstag zum Grünen Baum in Mietingen gekommen, um das 20-jährige Jubiläum von Wirtin Ruth Kobsch zu feiern. Diese ließ sich nicht lumpen und hatte zur Unterhaltung die Bronnweiler Weiber eingeladen.

Bronnweiler kann man in Mietingen nicht kennen. Es ist ein Dorf, halb so viel Einwohner wie Mietingen, ein Ortsteil von Reutlingen, „am Fuße der Alb.“ Es sei, das räumen die beiden Kabarettistinnen ein, „ein ganz kleiner Flecka“, das Einzige, was noch funktioniere, das sei der Leichenchor. Man schwätzt Schwäbisch. Und man darf noch „Weiber“ sagen.

Und das verkörpert das Duo jenseits der Alb. Zwei weise Frauen, das Herz am rechten Fleck, sie schauen dem Volk aufs Maul und sagen geradeheraus, was sie denken. Sie mixen ihre Beobachtungen mit Witzen, da bleibt beim knapp einstündigen Programm kein Auge trocken. Kleine Kostprobe: Der Wirtin Partner Hermann hat Glatze. „Was ist der Unterschied zwischen dir und einem Mofa?“, fragen sie ihn. Er: keine Ahnung. Sie: „Das Mofa kann man frisieren.“ Riesiges Gelächter ernten sie für diesen Gag.

Märy Lutz, die etwas ältere des Kabarett-Duos: „Des hod zom Fiedla naus miasa.“ So etwas würde man natürlich im feinen Stuttgart nicht sagen. „Dia Schtuagater meget mr gar net“, geben sie unumwunden zu. Der Stuttgarter will für sich sein. Wenn da in einer Wirtschaft zehn Tische sind, sitzt an jedem eine einzige Person. Kommt ein weiterer Gast, dann kehrt er um. Die Wirtschaft ist ja voll. So etwas befremdet im „Flecka“. In Bronnweiler wie in Mietingen.

Ähnlichkeiten im Umgang mit den „Reingeschmeckten“. „Bist du noch eine Kandelgängerin?“ fragen sie Ruth Kobsch. Bei ihnen zu Hause müssten, erzählen sie, Reingeschmeckte 25 Jahre lang in der Straßenkandel („wo der Dreck läuft“) gehen, nicht auf dem Bürgersteig.

Die Bronnweiler Weiber verstehen es vortrefflich, Bälle dem Publikum zuzuspielen und mit einer erstaunlichen Schlagfertigkeit diese wieder anzunehmen. „Das hebt uns ab von anderen Frauengruppen“, sagen sie im SZ-Gespräch. Sie spießen das Thema Nachbarschaft gezielt auf, den Schlankheitswahn und das Schönheitsideal. „Da lotterlet älles“, sagen sie, „mit Plastik em Fiedla, em Busen, in de Libba.“ Sie spotten über die Fahrer von Opel und der Fahrzeuge mit dem Stern. Die Gaudi bricht nie ein beim Auftritt der Bronnweiler Weiber, dazu tragen nicht zuletzt die originellen Trinksprüche bei. Mit einem besinnlichen Lied schließen sie ihren Auftritt. „Immer läuft mir die Zeit davon.“

Dass Friedel Kehrer ein Lied davon singen kann, das glaubt man ihr gerne. Sie ist nämlich Bezirksbürgermeisterin von Bronnweiler und erlebt das wirkliche Leben hautnah. Die Kleinkunst ist das Hobby beider Frauen. „Wir machen keine Comedy“, betonen sie. Sie wollen ohne Manager auskommen, arbeiten grundsätzlich ohne Vertrag und machen keine Werbung für sich. Das Publikum in Mietingen hat ihnen gefallen. Mit besonderer Freude hat Altbürgermeister Reiner Buck den Auftritt genossen. Denn er hörte mal wieder den Dialekt seiner Heimat.

Die Atmosphäre passte vortrefflich zum Anlass. Es war eine jener ganz seltenen lauen Nächte. So konnte die große Anzahl der Gäste den Abend unter freiem Himmel verbringen. Gut informiert berichtete Arthur Berg auf seine humorvolle Art über die 141-jährige Geschichte des Grünen Baums. Und er brachte die Gäste als Hausdiener mit seiner Helferin zum Lachen. Eine kleine Besetzung der Lyra und die ehemaligen Lyra-Musiker hoben musikalisch die Stimmung bei den Jubiläumsgästen rund um den Grünen Baum in Mietingen.

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