Bischof aus Indien bittet um Hilfe für die Opfer des Monsuns

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 Pfarrer Dr. Johnson Kalathinkal (l.) konnte am Mittwoch seinen Diözesanbischof John Nellikunnel aus Indien begrüßen.
Pfarrer Dr. Johnson Kalathinkal (l.) konnte am Mittwoch seinen Diözesanbischof John Nellikunnel aus Indien begrüßen. (Foto: Franz Liesch)
Franz Liesch

Mietingens Seelsorger Dr. Johnson Kalathinkal hat am Mittwoch Besuch von seiner Heimatdiözese Idukki/Indien bekommen. Bischof John Nellikunnel startet hier einen Deutschlandaufenthalt, wobei er Gespräche führen wird mit mehreren Geistlichen aus seiner Diözese sowie mit Vertretern der Hauptabteilung Weltkirche verschiedener Bistümer.

In der Seelsorgeeinheit Mietingen-Baltringen-Walpertshofen wird Bischof John Nellikunnel am Wochenende Heilige Messen lesen, die von den Kirchenchören musikalisch gestaltet werden. Der Oberhirte ist auch mit einem dicken Paket an Sorgen angereist, denn in seiner Diözese hat im August eine Regenflut Not und Elend ausgelöst. Er bittet daher in den Gottesdiensten um eine Spende für die Menschen, die ihre Existenz verloren haben. Darüber hinaus sollen nach dem Gottesdienst durch den Verkauf von Kuchen Einnahmen erzielt werden.

Verschont geblieben ist von den Wassermassen des Monsuns das vom Mietinger Gemeindepfarrer gegründete Mädchenheim Mutter Theresa. Hier konnte sogar einigen jungen Leuten, die ihr Obdach verloren haben, Hilfe angeboten werden. Einige Mädchen leben jetzt im Mädchenheim und gehen dort zur Schule, bis sie wieder ein eigenes Haus haben. „Im ganzen Bundesstaat Kerala sind mehr als 400 Menschen umgekommen und immer noch werden Menschen vermisst“, berichtet Pfarrer Dr. Johnson Kalathinkal. Er ist mit dem Bischof seiner Heimatdiözese freundschaftlich verbunden. „Wir waren für unsere Doktorarbeit zusammen in Rom“, erzählt Mietingens Seelsorger.

Mit dem Gast der Seelsorgeeinheit, Bischof John Nellikunnel, sprach unser Mitarbeiter Franz Liesch.

SZ: Exzellenz, stellen Sie doch bitte Ihre Diözese den Lesern kurz vor.

Bischof John Nellikunnel: Meine Diözese ist erst 15 Jahre alt. Sie liegt im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens und wurde von der Diözese Kothamangalam abgetrennt. Damit soll eine bessere seelsorgerische Betreuung erreicht werden. In der kleineren Diözese vereinfacht sich die Verwaltung, die Wege werden kürzer. Mein Bistum hat 785 000 Einwohner, 225 000 davon sind Katholiken. Andere Menschen bekennen sich ebenfalls zum Christentum. Die Mehrzahl aber sind Hindu, es gibt zudem Menschen muslimischen Glaubens. Die Menschen leben überwiegend von der Landwirtschaft, vor allem von der Produktion von Gewürzen. Es ist eine Gebirgsregion.

Wie gut kennen Sie Deutschland?

Ich habe schon in Indien viel gehört und gelesen von Deutschland, vor allem durch den Fußball bin ich auf Deutschland aufmerksam geworden. In der Schule bin ich über deutsche Geschichte unterrichtet worden. Während meines Aufenthaltes in Rom habe ich in Deutschland Urlaubsvertretung für die Pfarrer übernommen. Dadurch habe ich Deutsch gelernt und das Land schon etwas kennengelernt. Ich war in Aalen, Hüttlingen, Wiblingen und Regensburg. Von daher kenne ich ein bisschen die die deutsche Mentalität.

Wie sieht Ihr Programm für den Deutschland-Besuch aus?

Ich bin bis Dienstag in Mietingen. Dann möchte ich vier weitere Priester aus meiner Diözese besuchen. Sie wirken im Bistum Münster. Außerdem habe ich mehrere Termine mit Vertretern der Hauptabteilung Weltkirche. Es sollen damit die Verbindungen verstärkt werden.

Bischof John Nellikunnel, charakterisieren Sie doch bitte einmal das kirchliche Leben in Indien.

Es gibt Unterschiede zu Deutschland. So besuchen in meinem Bistum sonntags 90 Prozent der Katholiken den Gottesdienst. Mehr junge Leute besuchen die Heilige Messe. Alle Kinder und Jugendlichen kommen sonntags nach der Messe zum Katechismus-Unterricht. Frauen sind sehr engagiert in der Kirche, etwa im Frauenbund. Es gibt viele religiöse Gruppierungen, etwa für Jugendliche. Die Familien beten gemeinsam. In jeder Pfarrei werden alljährlich Exerzitien durchgeführt.

Worüber wollen Sie in Ihren Predigten in den drei Kirchengemeinden Mietingen, Baltringen und Walpertshofen sprechen?

Ich werde auf das Erntedankfest eingehen und auch meine Diözese vorstellen.

Ihre Diözese wurde durch den Monsunregen jetzt stark in Mitleidenschaft gezogen. Können Sie die Folgen dessen beschreiben?

Es war der stärkste Monsunregen seit Menschengedenken. Wir hatten drei Monate lang Regen ohne Pause. Es kam zu Überschwemmungen und Erdrutschen, die Staudämme mussten geöffnet werden. Meine Diözese war besonders stark betroffen. Etwa 570 Häuser wurden total zerstört, über 3000 Häuser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Menschen fanden schließlich in Kirchen und Schulen Zuflucht. Die Kirchengemeinden haben sich bei der Unterstützung der Obdachlosen stark engagiert. Ich habe mehrere der Notunterkünfte besucht und den Menschen Trost gespendet.

Sie wollen hier um Unterstützung für die vom Monsun betroffenen Menschen bitten. Was geschieht mit diesem Geld?

Ich möchte mit dem Geld, das ich bekomme, den Leuten helfen, die ihre Häuser verloren haben, dass sie diese wieder aufbauen können. Viele Gebäude müssen repariert werden. Es wurde ja auch der fruchtbare Boden mitsamt den Pflanzen weggeschwemmt, so dass die Menschen auf Jahre nicht ernten können. Auch ihre Nutztiere wie Kühe wurden Opfer der Regenflut. Kinder haben teilweise ihr ganzes Unterrichtsmaterial verloren, das ersetzt werden muss.

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