Biberfamilie darf nicht getötet werden: Verwaltungsgericht weist Klage von Mietingen ab

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 Nicht immer sind Biber gern gesehen. Die Mietinger Population hat jetzt auch das Verwaltungsgericht Sigmaringen beschäftigt.
Nicht immer sind Biber gern gesehen. Die Mietinger Population hat jetzt auch das Verwaltungsgericht Sigmaringen beschäftigt. (Foto: Patrick Pleul/dpa)
Schwäbische Zeitung

Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hat die Klage der Gemeinde Mietingen wegen einer am Ortsrand abgewiesen. Das teilte die Pressestelle des Gerichts mit. Geklagt hatte die Gemeinde gegen einen Bescheid des Regierungspräsidiums. Dieses hatte es abgelehnt, eine Biberfamilie am Quinzgraben einzufangen und zu versetzen.

Dafür ist eine Ausnahmegenehmigung nötig. Wie Pressesprecher Albrecht Mors mitteilte, erfolgt in einigen Wochen eine vollständige, schriftliche Begründung des Urteils. Eine mündliche Begründung lehnte er zum jetzigen Zeitpunkt ab. Die Kosten des Verfahrens muss die Gemeinde Mietingen tragen.

Der Wunsch nach einer Ausnahme vom Fang-und Tötungsverbot war im Jahre 2016 in Gang gekommen. Damals ist ein von Bibern aufgebauter Damm gebrochen. Dies und der Starkregen führten dazu, dass zahlreiche Häuser im Ortsteil Aufhofen geflutet wurden.

Am Dienstag hörte sich das Verwaltungsgericht Sigmaringen in einer mündlichen Verhandlung im Sitzungssaal des Gemeinderates Mietingen die Gründe für den ablehnenden Bescheid des Regierungspräsidiums und Argumente Mietingens für den Wunsch nach Entfernung der Biber am Quinzgraben an.

Dabei ließ der Vorsitzende Richter Christian Paur einfließen, er könne nicht erkennen, weshalb nicht durch entsprechende Maßnahmen ein Ausufern des Biberstausees verhindert wurde. Das RP Tübingen hatte zuvor mögliche Maßnahmen aufgezählt.

In einer Stellungnahme bedauerte Bürgermeister Robert Hochdorfer die Entscheidung des Verwaltungsgerichts: „Leider ging es dabei lediglich darum, dass für die Gemeinde praktisch alles zumutbar sei. Insbesondere spielt Geld dabei keine Rolle. Dies hatten schon die höchsten Gerichte so entschieden.

Von Seiten des Landes wurde es so dargestellt, dass die Biber am Quinzgraben kein Problem seien und alles leicht zu handhaben sei.“ Fazit der Gerichtsverhandlung sei, „dass nach geltender Rechtslage im Zusammenhang mit Bibern anscheinend fast alles zumutbar ist, solange es die Gemeinde und die Anlieger betrifft.“

Hochdorfer vermisst ähnliches gerichtliches Vorgehen bei seinen Amtskollegen. „Keine Gemeinde muckt auf, alle ducken sich weg, deshalb sieht es so aus, wie wenn es keine Probleme gebe.“

Er ärgere sich, sagte Mietingens Bürgermeister im SZ-Gespräch, dass das Risiko auf den Gemeinden abgeladen werde. Die Frage einer Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts werde entschieden, wenn das schriftliche Urteil vorliege.

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