Baltringer Schätze

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 Eines der zwei Gemälde im Baltringer Pfarrhaus: der einstige Abt von Weingarten und Ochsenhausen, Gerwig Blarer.
Eines der zwei Gemälde im Baltringer Pfarrhaus: der einstige Abt von Weingarten und Ochsenhausen, Gerwig Blarer. (Foto: Seifert)
Karl Seifert

Zwei besondere Kunstwerke hängen im Gemeindehaus „Regina-Pacis“ in Baltringen: Gemälde von einstigen Äbten der frühen Neuzeit sind dort erhalten geblieben. Die Pfarrgemeinde Baltringen kann sich dieser Besonderheit durchaus rühmen, zeigen diese großen Barockgemälde zwei Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Epochen: Gerwig Blarer (1495-1567), Abt der Klöster Weingarten und Ochsenhausen, sowie Roman Giel von Gielsberg (1612-1673), Fürstabt von Kempten. Doch wie sind diese Gemälde nach Baltringen gekommen sind? Wer sind Äbte und was haben Sie in der Region bewirkt?

Der frührere Pfarrer Benedikt Mittelmann übernahm die Pfarrei Baltringen im Jahre 1830 und verabschiedete sich im Jahre 1847 nach Zell bei Riedlingen. In dieser Zeit hatte er sich offenbar mit dem ehemaligen Benediktinermönch der Reichsabtei Ochsenhausen, Georg Geisenhof, angefreundet. Beide hatten das gleiche Interesse: Pfarrer Mittelmann war historisch interessiert, so verfasste er eine „Kurzgefaßte Chronik des vormaligen Reichsstiftes und Gotteshauses Heggbach“ mit der Ergänzung „Der müde Pilger zu dem Kloster Heggbach“. Auch Pfarrer Geisenhof befasste sich mit der Vergangenheit und verfasste eine „Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstiftes Ochsenhausen“. Geisenhof, der 1799 in die Abtei Ochsenhausen eingetreten war, verstarb als letzter Konventuale des Klosters im Jahre 1861. Es ist davon auszugehen, dass Geisenhof die Gemälde bei der Auflösung des Klosters Ochsenhausen erworben und sie Jahre später seinem Amtsbruder Mittelmann überlassen hat. Pfarrer Mittelmann schrieb anlässlich seines Abschieds von Baltringen: „Die zwei Porträts […] haben eine sehr historische Bedeutung. Ich ließ die Gemälde somit der Pfarrei zurück[…]. “

Gerwig Blarer, der Kämpfer für den Katholizismus

Bestens bekannt in Baltringen ist Abt Gerwig Blarer. Ihm ist in Baltringen auch eine Straße gewidmet. Franz Liesch befasste sich in seinem Beitrag „Zur Geschichte der Pfarrgemeinde Baltringen“ in dem Heft „500 Jahre Kirchengemeinde St. Nikolaus Baltringen“ im Jahre 1991 mit dessen Person und schreibt: „Der Ochsenhausener Abt Gerwig Blarer konnte in Baltringen den katholischen Gottesdienst wieder einführen.“ Er bezog sich dabei auf die Zeit der Reformation und der Bauernkriege. Baltringen, das erst kurz zuvor eine eigenständige Pfarrei geworden war, sollte unter den Einflüssen der Reichsstädte Ulm und Biberach evangelisch werden. Der Ortspfarrer in Baltringen war bereits abgelöst und an seiner Stelle ein Prediger berufen worden. Gerwig Blarer stemmt sich mit allen Kräften gegen diese Entwicklung und setzte sich als päpstlicher Legat und einflussreicher Ratgeber von Kaiser Karl V. durch.

Mit 16 Jahren trat er als Novize in das Benediktinerkloster Ochsenhausen ein. Bereits mit 25 Jahren wurde er Abt der Reichsabtei Weingarten und schließlich im Jahre 1547 auch der Reichsabtei Ochsenhausen. Im Jahre 1567 verstarb er. In einem Internetbeitrag zum Kloster Ochsenhausen wird er als „Kämpfer für die katholische Kirche bezeichnet, der sich mit allen Kräften gegen die Reformation stemmte und zum Meinungsführer der Katholiken Oberschwabens wurde.“

an Giel von Gielsberg oder Ambrosius Blarer?

Das zweite Gemälde zeigt Roman Giel von Gielsberg, Fürstabt zu Kempten (1612-1673), dessen Vater Obervogt der Abtei Ochsenhausen war, wurde in Ochsenhausen geboren. Seine Jugendzeit verbrachte er in Ochsenhausen und legte mit 18 Jahren in der Abtei Kempten sein Profess ab. Sein junges Klosterleben war geprägt vom Dreißigjährigen Krieg. Schwedische Truppen zogen durchs Land und reformierte Bürger der Stadt Kempten selbst zerstörten die Abtei Kempten. Die Konventmitglieder mussten das Kloster vorübergehend verlassen und wählten 1638 den erst 26-jährigen Roman zu ihrem Abt. Er beabsichtigte das Klosterleben zu reformieren und beispielsweise das Adelsprivileg abzuschaffen. Dieses schwierige Unterfangen führte ihn bei seinen Bestrebungen über Einsiedeln bis nach Rom, wo er auch starb.

Benedikt Mittelmann, Pfarrer in Baltringen von 1830 bis 1847, dachte, die abgebildete Person auf dem Gemälde sei Ambrosius Blarer. Dieser ist ein Nachkomme des Stiefbruders von Gerwig Blarer und Reformator des Herzogtums Württemberg - also ein Protestant. Das lag auch daran, dass das Gemälde keine Beschriftung trägt. Allerdings entdeckte Otto Beck, Autor des Buches „Kunst und Geschichte im Landkreis Biberach“ von 1983, ein Wappen auf dem Gemälde, das dem Geschlecht der von Gielsbergs zugordnet werden kann. Daher ist nicht Ambrosius Blarer, der Protestant, zu sehen, sondern Roman Giel von Gielsberg, der Katholik.

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