3,7 Millionen für neue Ortsmitte

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Der Bau eines neuen Rathauses in Mietingen ist wichtigste Baumaßnahme in diesem Jahr. Der notwendige Gebäudeabbruch wurde jetzt
Der Bau eines neuen Rathauses in Mietingen ist wichtigste Baumaßnahme in diesem Jahr. Der notwendige Gebäudeabbruch wurde jetzt in die Wege geleitet. Schule, Lehrerhaus und ein weiteres Gebäude werden derzeit entkernt. Der Erwerb eines weiteren Grundstücks an der Hauptstraße ist in die Wege geleite
Franz Liesch

Die Gemeinde Mietingen packt in diesem Jahr keine größeren Bauprojekte an. Vielmehr sollen die im Vorjahr auf den Weg gebrachten Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Neue Schulden sind nicht vorgesehen. Das geht aus dem Haushaltsplan für das laufende Jahr 2020 hervor. Er wurde vom Gemeinderat einstimmig aufs Gleis gesetzt und soll in einer der nächsten Sitzungen verabschiedet werden.

Den Löwenanteil bei den Ausgaben für das Jahr 2020 macht die Neugestaltung der Mietinger Ortsmitte aus. Sie schlägt mit insgesamt mehr als 3,7 Millionen Euro zu Buche. In diesem Betrag enthalten sind Ausgaben für den Rathaus-Neubau mit 3,3 Millionen Euro, den Gebäudeabbruch mit 180 000 Euro und den Grunderwerb an der Hauptstraße mit 248 000 Euro. Ganz oben stehen zum Zweiten Investitionen in den Hochwasserschutz. Auf mehr als eine Million Euro beziffern sich diese Ausgaben. Am Aufhofer Bach kommen 550 000 Euro, beim Rückhaltebecken Baltringen Nord 457 000 Euro auf die Gemeinde zu. Die Zahlen verlieren an Schrecken, wenn man bedenkt, dass das Land der Gemeinde nach Kräften unter die Arme greift: Bei den Hochwasserschutzmaßnahmen sind es 70 Prozent der Kosten. Auch beim Rathausneubau und der Gestaltung des Dorfplatzes im Rahmen des Landessanierungsplanes springt das Land Baden- Württemberg bei, und zwar in diesem Jahr mit mehr als 900 000 Euro.

Kindergarten und Feuerwehr

Ein weiterer bedeutender Ausgabeposten ist die Ausstattung der Feuerwehr in Baltringen: 400 000 Euro für das neue Feuerwehrhaus und 240 000 Euro für das bestellte Feuerwehrfahrzeug. Übrigens sieht der Investitionsplan im kommenden Jahr für Baltringen die Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens zum Preis von 45 000 Euro vor. Dafür musste sich die Baltringer Wehr auf Ratsbeschluss im Herbst vergangenen Jahres beim Feuerwehrfahrzeug mit einer schlichteren Variante begnügen. Für die Erweiterung des Kindergartens in Walpertshofen sind für dieses Jahr 400 000, im kommenden Jahr noch einmal 450 000 Euro eingeplant. Bei der Straßensanierung gönnt sich die Gemeinde, so Bürgermeister Hochdorfer, eine Verschnaufpause. Insgesamt addieren sich die vorgesehenen Ausgaben für Investitionen auf 7,14 Millionen Euro. Steuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen des Landes summieren sich auf knapp sieben Millionen Euro. Noch nie habe Mietingen so hohe Investitionen getätigt, erklärte Bürgermeister Hochdorfer bei der Haushaltsberatung. Andererseits konnte er feststellen: „Die Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie, wir brauchen das Geld aber auch in Anbetracht der Notwendigkeiten.“ Insofern sei die Gemeinde auch zufrieden, „wir verfallen aber nicht ins Jubilieren.“

Einen positiven Schlussstrich kann Mietingen für das zurückliegende Jahr 2019 ziehen. Nach ersten Berechnungen belaufen sich die Mehreinnahmen im Verwaltungshaushalt nach Angaben von Kämmerer Martin Stooß auf 465 000 Euro. 2,3 Millionen Euro können in die allgemeine Rücklage geschoben werden.

Der eingebrachte Haushalt 2020 ist der erste nach den Grundsätzen der Doppik. „Doppik“ ist die Abkürzung von „doppelter Buchführung in Konten.“ Damit hat sich die Gemeinde von der bisherigen kameralistischen Buchführung verabschiedet. Diese Umstellung ist gewöhnungsbedürftig und fällt offenbar allen Beteiligten nicht ganz leicht. Nach Aussage von Kämmerer Martin Stooß ist die Doppik mit beträchtlichem Mehraufwand für die Verwaltung verbunden. Vorbild für die Doppik ist die Buchführung in Wirtschaftsbetrieben. „Wir müssen jetzt so tun, als ob wir ein Unternehmen wären“, äußerte Bürgermeister Hochdorfer bei der Haushaltsberatung mit erkennbar wenig Begeisterung. Es handle sich beim neuen System um eine „komplizierte Rechtsmaterie“, die sich erst noch einspielen müsse.

Mit der Einführung der Doppik heißt es Abschied nehmen von der altvertrauten Zusammenstellung der Zahlenreihen, von Begriffen wie Verwaltungs- und Vermögenshaushalt, von Zuführungsrate und Rücklagenentnahme. Ein vergleichender Blick mit den Vorjahreszahlen ist beim allerersten Doppik-Haushalt nicht möglich. Jetzt tauchen Begriffe auf wie Finanz-und Ergebnishaushalt. Letzterer weist einen Betrag von einer knappen Million Euro auf und ergibt sich aus Erträgen minus Aufwendungen.

Beim Finanzhaushalt vermindert sich der Finanzierungsmittelbestand um 1,1 Millionen Euro. Die Gemeinde baut auch dieses Jahr wieder Schulden ab, und zwar knapp 150 000 Euro. Neue Kredite dürfen nicht aufgenommen werden, solange Geld in der Kasse ist, auch wenn die derzeit niedrigen Zinsen dazu verleiten. Zum Jahresende soll dann eine Bilanz mit Aktiva und Passiva vorgelegt werden. Bis dahin müssen nach Aussage von Martin Stooß die Gebäude der Gemeinde bewertet sein. Sie unterliegen von jetzt an einer jährlichen Abschreibung.

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