Zug um Zug zu einem Glasfasernetz

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Der Landkreis will eine Glasfasertrasse bauen, die die Städte und Gemeinden verbindet. Der Maselheimer Gemeinderat hat sich daf
Der Landkreis will eine Glasfasertrasse bauen, die die Städte und Gemeinden verbindet. Der Maselheimer Gemeinderat hat sich dafür ausgesprochen. (Foto: Uli Deck, dpa)
Schwäbische Zeitung

Um jedes Haus in Maselheim ans Glasfasernetz anzuschließen, wären Investitionen von 17 Millionen Euro nötig. Die Zahl hat Patrick Burger von Geo Data dem Maselheimer Gemeinderat genannt. In der Sitzung ging es um die künftige Internetversorgung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die kreisweite Glasfasertrasse, die der Landkreis bis 2021/22 bauen will. Der Gemeinderat beschloss, dass Maselheim sich an diesem Netz beteiligt. Wann und wo innerhalb der Gemeinde Glasfasern eingezogen werden, ist damit nicht festgelegt. Denn der Kreis baut nur das überörtliche Netz, das innerörtliche ist Sache der Kommune.

Zurzeit sieht die Internetversorgung in der Gemeinde Maselheim folgendermaßen aus: Äpfingen und Sulmingen sind fast flächendeckend, Maselheim teilweise über Unitymedia mit Koaxialkabeln ans Internet angebunden, die anderen Teile Maselheims und Laupertshausen haben Kupferkabel. In Ellmannsweiler will die Telekom nach Angaben von Bürgermeister Elmar Braun 2018/2019 Glasfaser verlegen. Maselheim gehöre demnach nicht zu den Gemeinden, die den ganz großen Druck verspürten, sagte der Breitbandkoordinator des Landratsamts Tobias Wäscher im Gemeinderat. „Früher oder später wird es aber nicht mehr ohne Glasfaser gehen. Angesichts der Datenmengen der Zukunft führt kein Weg daran vorbei.“

Bei Neubaugebieten sorgt die Gemeinde deshalb bereits vor. „Verlegt kein Anbieter Glasfaser, ziehen wir Leerrohre. So werden wir künftig bei jedem Baugebiet verfahren“, erläuterte Braun der SZ. Bereits beim jüngsten Neubaugebiet in Laupertshausen wurde entsprechend vorgegangen. Die Gemeinde legte parallel zu den Kupferleitungen der Telekom Leerrohre in den Boden. „Wer von den Bauherren klug ist, zieht das Leerrohr gleich bis ins Haus“, sagte Braun.

Aber nicht nur die Neubaugebiete hat die Gemeinde im Blick. So beschloss der Gemeinderat in derselben Sitzung, gleich Leerrohre bis zu den Grundstücken mit zu verlegen, wenn die Hintere Straße in Äpfingen saniert wird. „Durch Mitverlegen kann man über die Jahre Zug um Zug ein Netz aufbauen“, sagte Patrick Burger, Projektleiter bei Geo Data. Das Teure seien nicht die Leerrohre, sondern die Tiefbauarbeiten. Von den errechneten 17 Millionen für die Komplettversorgung von Maselheim lasse sich dadurch viel einsparen.

648 Kilometer lange Trasse

Die übergreifende Infrastruktur für die Internetversorgung vor Ort will der Landkreis mit einer 684 Kilometer langen Glasfasertrasse schaffen. Dieses sogenannte Backbonenetz bringt das Internetsignal bis vor die Tore der Städte und Gemeinden. Die Kommunen können ihre innerörtlichen Netze daran anschließen.

Die Kosten für die Backbonetrasse – aktuell rechnet das Landratsamt mit netto 33 Millionen Euro – trägt der Landkreis. Verlegt der Kreis Teile seiner Trasse innerorts, verpflichten sich die Gemeinden allerdings, gleich Leerrohre bis an die Häuser (FTTB) zu legen. Maselheim rechnet dafür nach Angaben von Braun mit Kosten von rund 90 000 Euro Kosten.

„Heute haben wir bei der Internetversorgung kein Problem, aber was ist in ein paar Jahren?“, warb Braun für das Backboneprojekt. „Da muss man mitmachen“, fand Max Steigitzer. „Glasfaser ist ein Riesenthema“, sagte auch Paul Grimm. Der Druck auf die Gemeinde könne nicht nur vom Gewerbe, sondern auch von Bürgern, die zum Beispiel Homeoffice hätten, kommen. Der Gemeinderat sprach sich nach kurzer Diskussion dafür aus, dass Maselheim sich am Backbonenetz des Kreises beteiligt. Es gab zwei Enthaltungen.

Das gleiche Ergebnis brachte die Abstimmung über den Beitritt zum Verbund Kommpaktnet. Dieser soll Organisationsaufgaben, Beratung, Materialbestellungen und die Ausschreibung des Netzbetriebs übernehmen. Aufgrund der Verbandsgröße rechnet das Landratsamt damit, dass die Ausschreibung entsprechende Angebote bringt und die Gemeinden mit Pachteinnahmen für das Netz erwarten können. Maselheim kostet die Mitgliedschaft in Kommpaktnet einmalig 3250 Euro und danach einen Jahresbeitrag von 2500 Euro.

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