TÜV erstellt Gutachten zu Mobilfunkstandorten

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ARCHIV - 12.02.2018, Bayern, München: Antennen eines Mobilfunkmastes werden vor dunklen Wolken von der Sonne angeleuchtet. Bunde
ARCHIV - 12.02.2018, Bayern, München: Antennen eines Mobilfunkmastes werden vor dunklen Wolken von der Sonne angeleuchtet. Bundeskanzlerin Merkel hat zur Eile beim Stromnetz- und Breitbandausbau aufgerufen.(zu dpa „Merkel mahnt zur Eile beim Netz- und Breitbandausbau“ vom 29.05.2018) (Foto: Lino Mirgeler, dpa)

Die Pläne der Telekom, auf dem Kreuzberg in Äpfingen einen Funkmast aufzustellen, sorgen seit Monaten für Unruhe in Äpfingen und Sulmingen. Bürger, die einen anderen Standort wollen, schlossen sich zusammen und forderten jüngst die Gemeinde auf, ein Gutachten zu Standortalternativen in Auftrag zu geben. Dem Wunsch ist der Gemeinderat nun gefolgt.

Der Sitzungssaal war am Montagabend voll, selbst die zusätzlichen Stühle reichten nicht für alle Zuhörer. Grund des Besucherandrangs war Tagesordnungspunkt vier „Mobilfunkmast“.

In den Sommerferien hatte sich die „Interessengemeinschaft besorgter Bürger der Ortsteile Äpfingen und Sulmingen“ (IG) in einem Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte gewandt (die SZ berichtete). In dem Schreiben lehnte die IG den Mobilfunkstandort Kreuzberg ab, denn sie fürchtet gesundheitliche Folgen durch die Strahlung und kritisiert die Auswirkungen auf das Ortsbild. Die „Besorgten Bürger“ beantragten, dass die Gemeinde ein Mobilfunk-Immissionsgutachten in Auftrag gibt, um einen Alternativstandort zu finden. Als eine solche Alternative nannte die IG die Anhöhe Bolz, die sich weiter südlich mit 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung befindet.

Gutachten kostet rund 6000 Euro

Bürgermeister Elmar Braun legte dem Gemeinderat ein Angebot des TÜV Süd vor. Knapp 6000 Euro kostet das Gutachten, das den Kreuzberg, Bolz sowie zwei innerörtliche Standorte in Äpfingen und Sulmingen unter die Lupe nimmt. Untersucht werden Strahlenbelastung und funktechnische Eignung. In vier bis sechs Wochen soll das Ergebnis vorliegen, eine zweistündige Präsentation ist laut Braun im Preis inbegriffen. „An anderer Stelle tun wir uns schwer, 6000 Euro auszugeben“, sagte Braun. Aber in dem Fall spreche er sich dafür aus. „Ich konstatiere Verunsicherung in der Bevölkerung: Ein Gutachter wird eher Akzeptanz finden bei den Leuten als die Aussagen des Bürgermeisters“, so Braun.

„6000 Euro sind auch Geld“, stellte Gemeinderat Wolfgang Dürrenberger fest. Aber er finde das Gutachten richtig, wenn es zur Befriedung der Ortschaften beitrage. „Sollte es nicht die Ergebnisse liefern, die die Interessengemeinschaft will, muss aber klar sein, dass wir nicht weitere Untersuchungen in Auftrag geben“, betonte er.

Das Gutachten sei das richtige Signal, fand Jochen Ruf. Umgerechnet entsprächen die 6000 Euro 1,30 Euro pro Bürger, das sei die Sache wert. „Es ist eine Möglichkeit, Neutralität auf den Tisch zu bekommen.“

Wenn das Ergebnis da sei, werde man mit der Telekom reden, sagte Braun auf Nachfrage von Paul Mayer. Aber die Rechtslage sei eindeutig: „Wenn die Telekom nicht will, haben wir keinen Einfluss.“ Sollte das Unternehmen schon vorher ein Baugesuch einreichen, müsse der Gemeinderat dieses behandeln, so Braun weiter. Mayer forderte daraufhin, die Telekom zügig zu informieren und ihr zu erklären, dass es um den Bürgerfrieden gehe. „Ich hoffe, es kommt so, wie man denkt. Ich werde zustimmen, aber ich mache mir Sorgen, was aus dem Ganzen wird“, sagte Mayer weiter.

Wegen des Friedens werde er zustimmen, berichtete Thomas Glutsch. „Aber ich rechne nicht mit neuen Erkenntnissen. Und es sollte nicht Schule machen, dass Gutachten erstellt werden.“ Franz Schuler warnte, dass die Telekom das Interesse verlieren könnte, einen Mast aufzustellen. „Dann protestieren die, die immer für den Mast waren und keinen kriegen.“

Unter den Bürgern gebe es viele, denen der Mast optisch nicht gefalle, berichtete die Äpfinger Ortsvorsteherin und Gemeinderätin Doris Dolkemeyer. Sie konstatierte „eine Unsicherheit bei den Ortschaftsräten“. „Wenn ein Gutachter Alternativen findet, ist es gut, wenn nicht, werden die Ortschaftsräte für den Mast sein.“ Sie sprach sich für das Gutachten aus, denn das Thema Strahlenbelastung sei für viele so wenig greifbar, dass es die 6000 Euro rechtfertige.

Es sei richtig, einen Unabhängigen hinzuzuziehen, der sich auskenne, fand auch der Bürgermeister. Bei einer Enthaltung stimmte das Gremium dafür, den TÜV Süd zu beauftragen. Die Telekom hat Braun am Dienstagvormittag über die Entwicklung informiert, das berichtete er der SZ.

„Besorgte Bürger“ sind zufrieden

Die „Interessengemeinschaft besorgter Bürger der Ortsteile Äpfingen und Sulmingen“ (IG) ist zufrieden mit der Entscheidung des Gemeinderats, ein Immissionsgutachten zu den Mobilfunkstandorten Kreuzberg, Bolz sowie innerörtlichen Alternativen in Auftrag zu geben. „Wir beglückwünschen Bürgermeister, Gemeinde- und Ortschaftsräte zu der Entscheidung und freuen uns“, sagt Hubert Hagel von der IG. „Auch wir gehören zu der Mehrheit der Bürger, die den Mobilfunkausbau befürworten, es geht uns aber um den konkreten Standort.“ Die IG hätte es gerne gesehen, wenn nicht nur Strahlung und technische Eignung der Standorte, sondern auch das Thema Ortsbild im Gutachten berücksichtigt worden wäre, führt Hagel weiter aus. Das sei bei dem in Auftrag gegebenen Gutachten nun leider nicht der Fall. Aus Gesprächen mit Bürgern wisse er, dass es denen, die den Standort Kreuzberg kritisierten, zum Teil nicht um die Strahlenbelastung, sondern um das Ortsbild gehe.

„Unser Anliegen ist, dass die Gemeinde jetzt schnell in Verbindung mit der Telekom tritt, damit diese ihre Aktivitäten aussetzt, bis das Gutachten da ist. Wichtig wäre für uns auch, dass das Ergebnis des Gutachtens den Bürger präsentiert wird, und dass sie dabei Fragen stellen und diskutieren können“, so Hagel weiter. Auf die Frage, wie die IG reagieren wird, sollte der TÜV-Gutachter den Kreuzberg für den besten Standort halten, antwortet er: „Man sollte jetzt abwarten. Die Frage sollte man hinten anstellen, bis das Gutachten vorliegt.“

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