So wollen Gemeinden Artenvielfalt fördern

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In vielen Gemeinden finden Schmetterlinge und andere Insekten nur noch wenig Lebensräume. Schemmerhofen, Maselheim und Laupheim
In vielen Gemeinden finden Schmetterlinge und andere Insekten nur noch wenig Lebensräume. Schemmerhofen, Maselheim und Laupheim wollen jetzt die Artenvielfalt fördern. (Foto: Birgit van Laak)

Die Artenvielfalt in Deutschland schrumpft. „Wir haben ein großes Problem mit der Biodiversität. Unsere Enkel werden uns das einmal um die Ohren hauen“, mahnt Professor Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen. Für Maselheim, Schemmerhofen und Laupheim soll er untersuchen, wo Potenziale für mehr Artenvielfalt schlummern (SZ berichtete). Ziel ist es, konkrete Flächen zu ermitteln und Pflegemaßnahmen zu benennen.

Mit der Frage, wie die Gemeinde die Artenvielfalt auf ihren Flächen fördern kann, beschäftigt sich der Maselheimer Gemeinderat seit geraumer Zeit. Doch immer wieder zeigte sich: So einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Wo liegen die besten Chancen, etwas zu erreichen? Wie sollen diese Flächen gepflegt werden? Zusammen mit Schemmerhofen und Laupheim will die Gemeinde das Thema nun systematisch angehen und zwar auf wissenschaftlicher Grundlage.

Potenzial wird untersucht

Der Agrarwissenschaftler und Biologe Professor Roman Lenz von der Hochschule Nürtingen soll als wissenschaftlicher Leiter für die drei Kommunen untersuchen, welche Potenziale für mehr Biodiversität, sprich Artenvielfalt, auf den Gemarkungen Maselheim, Schemmerhofen und Laupheim liegen. Dabei geht es nicht darum, genau zu erfassen, welche Arten aktuell auf bestimmten Flächen vorkommen. Denn Inventarisierungen seien aufwändig und zum Teil ja schon vorhanden, sagt Lenz.

Für Inventarisierungen müsse man zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten vor Ort sein. „Das kostet Zeit und Geld.“ Deshalb richtet er den Blick nicht so sehr auf den Bestand, sondern auf die Möglichkeiten. Welche Biotoptypen, sprich Lebensräume, finden sich auf den Gemeindegebieten? Welche Arten könnten folglich dort leben? Und was muss dafür getan werden?

Im ersten Schritt werden Luftbilder und Informationen des lokalen Naturschutzes ausgewertet. Es wird nach Böden und Klima, Nutzung, Pflegemanagement, Größe sowie Vernetzung geschaut und so letztlich die unterschiedlichen Biotoptypen ermittelt. Über eine digitale Datenbank des Landes lässt sich im zweiten Schritt anhand der typischen Biotopeigenschaften herausfinden, welche Arten dort vorkommen können.

Im dritten Schritt geht es darum, Steckbriefe für die unterschiedlichen Biotope zu erstellen. Diese sollen zeigen, wie am besten bewirtschaftet werden sollte, um die Potenziale für mehr Artenvielfalt auszuschöpfen. Hinweise erhalten die Gemeinden auch zu einer möglichen Vernetzung von Biotopen. Dass dann noch Fragen offen seien, werde nicht ausbleiben, sagt Lenz. Manches lasse sich nur klären, wenn man vor der ersten Maßnahme ins Gelände gehe, etwa um festzustellen, wie stark sich aus anderen Ländern eingewanderte Pflanzen, sogenannte Neophyten, schon ausgebreitet haben.

Wo eine Gemeinde schließlich mit Maßnahmen anfange, entscheide sie selbst, betont Lenz. Potenziale für mehr Biodiversität fänden sich typischerweise in Dauergrünlandbereichen, an Flussufern, entlang von Infrastruktur sowie in Freiflächen innerhalb der Besiedlung wie Parks oder Wäldchen, sagt der Agrarwissenschaftler.

Da es sich beim Raum Maselheim-Schemmerhofen-Laupheim um ein eher ländliches Gebiet handelt, erwartet er vielfältige Potenziale. „Es sind spannende Bereiche dabei“, sagt der Biologe mit Blick zum Beispiel auf die Riedgebiete bei Laupheim und Schemmerhofen. Dort seien eventuell besondere Arten zu vermuten, so Lenz. Darauf freue er sich.

Die Untersuchung umfasst nicht nur gemeindeeigene Flächen, sondern die gesamte Gemarkung. Ob die Kommune Informationen auch an Privatleute weitergebe, sei ihre Sache, sagt Lenz. Das Gutachten jedenfalls liefere auch Vorschläge, was in landwirtschaftlich genutzten Bereichen möglich wäre. „Über die Fruchtfolge und die Intensität der Bewirtschaftung kann man viel tun“, erläutert Lenz, dem daran liegt, mit Landwirten ins direkte Gespräch zu kommen.

Zwei bis drei Monate dauert nach Schätzung des Wissenschaftlers und Planers eine solche Untersuchung. Laupheim habe den Auftrag bereits erteilt, berichtet Lenz. In Maselheim und Schemmerhofen gibt es entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse: Unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Lenz übernimmt das Bad Schussenrieder Fachbüro Uismedia die Aufgabe.

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