Der Pfingsturlaub ist nichts für Imker

Lesedauer: 6 Min

Jens Klausner ist seit drei Jahren Hobbyimker. Beim Bezirksimkerverein er einen neunmonatigen Anfängerkurs absolviert.
Jens Klausner ist seit drei Jahren Hobbyimker. Beim Bezirksimkerverein er einen neunmonatigen Anfängerkurs absolviert. (Foto: Birgit van Laak)

Ob in der Stadt oder auf dem Land: Imkern ist im Trend. Die Zahl der Imker im Bezirksimkerverein Biberach hat sich seit 2004 verdoppelt. Die Anfängerkurse sind voll, die anschließende Begleitung der Neuimker durch Paten erweist sich als Erfolgsmodell. Jens Klausner hat den Kurs vor drei Jahren absolviert, inzwischen besitzt er zwölf Bienenvölker und ist begeistert von seinem neuen Hobby.

„Der erste eigene Honig ist etwas Besonderes“, erzählt Jens Klausner. „Der schmeckt einfach nochmal besser.“ Vor gut drei Jahren entdeckte er das Imkern für sich. Sensiblisiert durch Berichte über das Insektensterben, hatte er beobachtet, dass auch in seinem Obstgarten in Bergerhausen viel weniger Bienen, Hummeln und Co. unterwegs waren, und sich für den Anfängerkurs des Bezirksimkervereins angemeldet.

Dass der Wunsch, etwas Gutes für die Bienen zu tun, ein typischer Anmeldegrund für die Kurse ist, weiß der Bezirksvorsitzende, Helmut Fesseler aus Maselheim, aus Erfahrung. Seit er 2004 die Ausbildung auf die Beine stellte und in den folgenden Jahren Medienberichte über Bienensterben die Menschen aufschreckten, wächst die Zahl der Imker. In Biberach erhöhte sie sich von 119 auf 254, in Württemberg von 8000 auf 13 000. „Wir haben nach Jahrzehnten, in denen es immer weniger Imker gab, wieder den Stand von vor 80/90 Jahren erreicht“, freut sich Fesseler.

Imkerbund hält Ausbildung für unerlässlich

Wichtig ist ihm und seinen Kollegen vom Deutschen Imkerbund, dass die Neuen ihr Handwerk von Grund auf lernen. „ Wir warnen davor, ohne Anfängerkurs einfach loszulegen“, sagt Imkerbundsprecherin Petra Friedrich. Bienenhalter, die sich nicht auskennen würden und die Varroamilbe nicht behandelten, brächten wegen des Übertragungsrisikos die Völker anderer in Gefahr. Ein Imker brauche Wissen und Erfahrung. „Bienen sind Wildtiere, jedes Jahr verläuft anders“, sagt sie. „Erst nach fünf Jahren hat man die nötige Sicherheit, erst dann ist man kein Neuimker mehr“, bestätigt Helmut Fesseler.

Über neun Monate, von März bis November, besuchte Jens Klausner den Anfängerkurs. In Theorie und in Praxis lernte er, was es heißt, Imker zu sein. Am Ende erhielt er einen Ableger und begann die Arbeit mit seinen ersten eigenen Bienen.

„Mir wurde schnell klar, welche Verantwortung man hat“, berichtet er. Vier Stunden pro Woche ist er für sein neues Hobby im Einsatz, im Frühjahr und Sommer heißt es besonders präsent zu sein. „Von Ende April bis Ende Juli kann man als Imker nicht einfach zwei Wochen in den Urlaub fahren. Ein Bienenvolk, das davonfliegt, ist tot“, sagt Fesseler. „Früher hätte es einen Baumstamm gefunden und auch Nahrung, aber heute verhungern die Bienen oder bekommen die Varroamilbe.“ Das mache er seinen Anfängern von vorneherein deutlich. „Da rede ich Klartext“, betont er.

Weil ein Imker mit seiner Freizeit nicht mehr so flexibel umgehen kann, eignet sich dieses Hobby nach Fesselers Ansicht weniger für Jugendliche als für Menschen, die die Familiengründungsphase hinter sich haben. Auch für künftige Rentner biete sich die Imkerei an. „Man übernimmt Verantwortung – Bienen sind Geschöpfe Gottes – und man macht etwas Sinnvolles.“

Jens Klausner stieg nach dem Kurs gleich intensiv ins Imkern ein. Er stockte auf drei Völker auf. Besonders stolz ist er, dass er alle gut über den Winter brachte. Ein Pate vom Bezirksverein stand ihm wie allen Neuimkern zur Seite, denn immer wieder tauchten Fragen und Sorgen auf. „Anfangs war es schwierig, die Angst angegriffen zu werden, aus dem Kopf zu bekommen“, erzählt Klausner. Inzwischen sei für ihn klar: Bienen sind sanftmütig.

Rückfragen beim Imkerpaten sind nach drei Jahren nur noch selten nötig. Seine Völker und ihre Eigenschaften kennt der Bergerhauser ganz genau. „Eines ist richtig wetterfühlig“, erzählt er und lacht.

Ein Vorzeige-Nachwuchsimker sei er, sagt Fesseler über Jens Klausner. Der Bergerhauser hat inzwischen zwölf Bienenvölker in seinem Obstgarten und beim Fischereiverein in Ringschnait. Der Honig wird selbst gegessen oder verkauft. „Es ist immer spannend, wie er wird. Der Blütenhonig schmeckt dieses Jahr eher nach Raps und Apfel“, berichtet der Neuimker. Einen eigenen Tannenhonig würde er auch gerne einmal ernten. Dazu müsste er aber wie Fesseler seine Bienen in den Schwarzwald fahren. „Vier Völker zu den Weißtannen im Schwarzwald zu bringen, das würde mich schon reizen“, sagt Klausner.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen