Als Gemeinderat braucht man gesunden Menschenverstand

Lesedauer: 6 Min
Johannes Ströbele engagiert sich seit 30 Jahren.
Johannes Ströbele engagiert sich seit 30 Jahren. (Foto: Andreas Spengler)
Schwäbische Zeitung

Sie bestimmen die Politik in den Städten und Gemeinden mit, entscheiden über die Ausgaben einer Kommune und über Projekte und Baumaßnahmen und kontrollieren nicht zuletzt auch die Verwaltung: Doch Gemeinderäte zu finden, ist schwierig. Im SZ-Interview berichten ein altgedienter und ein junger Gemeinderat aus Maselheim über ihre Motivation. Im Gespräch mit Birgit van Laak erzählen sie, was das Amt bedeutet, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, was ihnen gefällt und was nicht.

Johannes Ströbele gehört seit 30 Jahren dem Gemeinderat an.

Herr Ströbele, haben Sie vor Ihrer ersten Kandidatur lange überlegt oder spontan zugesagt, sich aufstellen zu lassen?

1980 wurde ich schon in den Ortschaftsrat gewählt, aber weil ein Hinderungsgrund vorlag, konnte ich das Amt nicht antreten. Der Hinderungsgrund war 1989 nicht mehr gegeben. Weil ich bereits im Vorfeld von Bürgern angesprochen worden war, habe ich nicht gezögert anzutreten. Mir war es ein Anliegen, dass die Bürger bei der Wahl ein Spektrum an Möglichkeiten haben.

Was macht für Sie den Reiz dieses Ehrenamts aus?

Ich fand es immer wichtig, dass man sich engagiert, man kann nicht nur fordern oder schimpfen. Ich war bereits im Sportverein, im Spielmannszug und als Zunftmeister engagiert. Sich einzubringen, war für mich nichts Neues. Als Gemeinderat hat man die Möglichkeit zu gestalten, man kann Einfluss nehmen darauf, wie sich die Gemeinde entwickelt.

Welche Voraussetzungen sollte man als Gemeinderat mitbringen?

Besondere Voraussetzungen braucht es nicht. Man muss den gesunden Menschenverstand anwenden. Als Gemeinderat erhält man vorab die Sitzungsvorlagen und macht sich Gedanken, ob man eine Sache für sinnvoll und notwendig für den Ort hält. In der Sitzung hört man dann die Ansichten der Kollegen und der Verwaltung und trifft seine Entscheidung.

Wie groß ist der Zeitaufwand?

Der Zeitaufwand ist unproblematisch. Es sind 14 bis 16 Sitzungen im Gemeinderat und acht bis zehn im Ortschaftsrat. Freilich macht man sich im Vorfeld Gedanken, liest sich ein, schaut sich Gegebenheiten vor Ort an. Aber ein Jugendtrainer im Fußball hat einen viel größeren Zeitaufwand.

Als Gemeinderat hat man eine öffentliche Rolle. Wie wirkt sich das im Alltag aus?

Man erhält Einladungen von Vereinen, zu kulturellen Veranstaltungen, Besuchen von Abgeordneten oder Landrat. Selbstverständlich muss man dann auch mal einen Termin absagen, schließlich gibt es noch den Beruf und die Familie. Das andere Thema ist, dass man von den Bürgern auf Themen angesprochen wird. Das finde ich gut. Ich mache mich immer kundig, weil ich gut erklären möchte, weshalb wir etwas so entschieden haben.

Was waren für Sie besonders positive Erlebnisse in dem Ehrenamt?

Wenn man etwas auf den Weg gebracht hat, was den Ort vorwärts bringt, dann ist das schon erfüllend. Die Entscheidungen, die man als Gemeinderat trifft, wirken über Generationen, seien es Baugebiete, Turnhallen- oder Rathausbau. Ich finde, wir haben das gut miteinander gemacht. In den 30 Jahren ist viel passiert.

Gab es auch schon Momente, in denen Sie überlegt haben aufzuhören?

Es gab auch Negatives, vor allem in meinen Anfangsjahren. Die Pläne für eine Müllverbrennungsanlage in Äpfingen, für den Kiesabbau 1996 und die für den Motorpark haben Wunden geschlagen, auch in der Bevölkerung. Ich habe mir damals schon überlegt, ob ich weitermachen will. Aber einfach hinzuschmeißen entspricht nicht meinem Naturell. Die Befürchtung, dass eine Müllverbrennungsanlage gebaut wird, hat übrigens dazu geführt, dass ich zum ersten Mal demonstriert habe. Ich bin froh, dass wir das abwehren konnten, ebenso den Kiesabbau in der damaligen Form.

Was den Motopark angeht, ich bin froh, dass diese Belastung für die Bevölkerung nicht kam. Diese drei Konfliktthemen wirkten auch insofern nach, als es im Anschluss schwer war, Kandidaten zu finden. Aber das ist inzwischen lange her. Ich würde gerne die Bürger ermuntern, sich aufstellen zu lassen. Gemeinderat ist eine interessante Aufgabe. Ich hoffe, dass sich Leute finden, die Verantwortung übernehmen.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen