50 Jahre Landjugend Äpfingen – Zeitenwandel rüttelt nicht an Tradition

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 Landjugend gestern und heute: Schriftführerin Alina Beller (von links), Simon Lämmle, Patrick Egle, Vorstand Simon Gerster, Ma
Landjugend gestern und heute: Schriftführerin Alina Beller (von links), Simon Lämmle, Patrick Egle, Vorstand Simon Gerster, Maria Geyer, Vorstand Jochen Härle und Bruno Laupheimer an einem Tisch. Geyer und Laupheimer sind zwei der 20 Gründungsmitglieder der Äpfinger Landjugend. (Foto: Birga Woytowicz)
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Das Vereinsheim wurde geteilt, um Punkt 22 Uhr war zappenduster und wer anders glaubte, war ein ungebetener Gast: Vor 50 Jahren schlugen die Uhren bei der Äpfinger Landjugend noch anders als heute. Doch obwohl sich Zeiten ändern und Interessen verschieben, ist im Kern alles beim Alten geblieben: Dorfgemeinschaft, kirchliche Tradition und Freundschaften pflegen. Am 22. September feiert die Landjugend ihr 50-jähriges Bestehen in der Turnhalle in Äpfingen.

„Mit dir hab ich noch was vor.“ Mit diesen Worten sei der Pfarrer damals auf ihn zugekommen, erinnert sich Bruno Laupheimer. Er ist eines der rund 20 Gründungsmitglieder der Äpfinger Landjugend. Junge Menschen für die Vereinsidee zu begeistern, sei damals nicht schwer gewesen. „Es gab ja bloß Sportvereine, eigentlich nur Fußball, sonst nichts“, erzählt Maria Geyer. Auch sie schloss sich der Gruppe direkt an.

Freitagabends standen Gruppenabende an, zu weiteren Terminen habe man sich spontan verabredet. „Wir haben Theater gespielt, Volkstänze einstudiert oder gebastelt“, erinnert sich Geyer. Am Dreikönigstag und an Nikolaus sei man zudem von Haus zu Haus gezogen.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt Maria Geyer und fängt an zu grinsen. „Kannst du dich noch an den Unfall erinnern?“ Bruno Laupheimer weiß, wovon Geyer spricht. „Wir hatten damals eine Partnergruppe in Mettenberg. Eines Abends wollten wir sie besuchen.“ Er selbst hätte da zwar einen Führerschein, aber kein Auto besessen. So schnappte er sich den Wagen seines Bruders. „Ich habe geblinkt, um links nach Mettenberg abzubiegen, da hat mich von hinten ein anderes Auto überholt.“ Die Fahrzeuge kollidierten, niemand wurde verletzt. Der Haken an der Sache: Sie hätten sich zu siebt auf die fünf Plätze ins Auto gequetscht, erzählt Maria Geyer. „Einige von uns sind dann schnell abgehauen.“ Der andere Fahrer habe sich gewundert, wo all die Leute hin seien. „Na da müssen sie sich wohl verguckt haben“, habe Maria Geyer nüchtern entgegnet.

Wege trennen und kreuzen sich

Heute fangen Geyer und Laupheimer herzlich an zu lachen. Durch die Landjugend seien Freundschaften gewachsen. Gut fünf Jahre waren beide in der Gruppe aktiv, danach hätte man die meisten aus den Augen verloren. „Mit Einzelnen habe ich noch Kontakt, aber das meiste hat sich verlaufen“, sagt Geyer. Zur 50-Jahr Feier am 22. September hofft sie, viele bekannte Gesichter wiederzutreffen.

Die jungen Aktiven der Äpfinger Landjugend erleben den umgekehrten Fall: Hätten sich nach der Grundschulzeit die Wege erst getrennt, würden sie sich durch die Landjugend nun wieder kreuzen. „Ich habe mich hier noch einmal mit alten Grundschulfreunden angefreundet“, erzählt Jochen Härle. Der 17-Jährige ist zusammen mit Simon Gerster Vorsitzender der Landjugend. „Es ist keine direkte Konkurrenz. Wir spüren aber schon, dass das Angebot anderer Vereine sehr groß ist“, sagt Gerster. So kämen mal mehr, mal weniger Jugendliche zu den Treffen, in der Regel 20 bis 30.

Was sie anstellen, entschieden sie häufig spontan, nach Lust und Laune. Im Gegensatz zu früher ist die Landjugend da inzwischen flexibler. Sie hat einen eigenen Raum im Gemeindehaus. „Wir haben uns damals einen Raum mit dem Frauenbund und dem Kirchengemeinderat geteilt“, erinnert sich Maria Geyer. Diesen hätten sie nicht nur aufgeräumt, sondern auch pünktlich verlassen müssen. „Bis 22 Uhr mussten wir raus sein. Ansonsten hat der Pfarrer von außen das Licht ausgemacht.“ Der Pfarrer habe zudem als einziger den Schlüssel verwaltet.

Der ist inzwischen in festen Händen der Landjugend. Jeder kann ihn sich beim Vorstand abholen. Das Vereinsheim kann jederzeit genutzt werden. Auch die Ausstattung ist mit jener von damals nicht zu vergleichen. Die Jugendlichen haben eine Theke, Sofas, einen Kicker, einen Fernseher und eine Spielekonsole.

Was sie sonst so unternehmen? „Wir gehen ins Kino, waren schon bei einer Brauereibesichtigung oder Riesenschnitzel essen“, erzählt Härle. Zudem organisiert die Landjugend einmal im Jahr eine große Weihnachtsparty – ihre Haupteinnahmequelle.

Tradition wird weiterhin gepflegt

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Jugendlichen veranstalten Passionsspiele, pflegen immer noch die Nikolaus-Tradition, nehmen an den Sitzungen des Kirchengemeinderats teil oder helfen bei der Fronleichnamsprozession mit. Sie seien religiös, viele zugleich auch Ministranten.

Entscheidend sei das aber nicht, sagt Härle. Die Äpfinger Landjugend ist zwar katholisch und früher waren evangelische Jugendliche tatsächlich ungern gesehen. Doch heute lege sie viel mehr Wert auf die Dorfgemeinschaft als auf die Konfession. Für Härle zeigt sich das besonders am 1. Mai. „Wenn wir einen Maibaum aufstellen und das ganze Dorf sich darüber freut, dann haben wir etwas Schönes geleistet.“

Dass Landflucht unter jungen Leuten weit verbreitet ist? Für Jochen Härle und die anderen Mitglieder der Landjugend nicht nachvollziehbar. „Uns gefällt’s hier in Äpfingen. Im Dorf ist es einfach ein anderes Beisammensein, das schätzen wir.“

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