Zwischen „schwerer Kost“ und Hörgenuss

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Unter dem gefühlvollen Dirigat von Ari Rasilainen musizierte das 60-köpfige Orchester auf hohem Niveau. Überzeugend auch Violin-
Unter dem gefühlvollen Dirigat von Ari Rasilainen musizierte das 60-köpfige Orchester auf hohem Niveau. Überzeugend auch Violin-Solistin Birgit Kolar (stehend im Vordergrund). (Foto: Angelika Gretzinger)
Angelika Gretzinger

Nur sehr wenige Besucher hatten sich am Samstagabend auf den Weg ins Kulturhaus Schloss Großlaupheim zum Konzertabend der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz gemacht. Auf dem Programm standen Heart op. 27 Nr. 5 von Flint Juventino Beppe, das Konzert für Violine und Orchester „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg sowie Johannes Brahms Sinfonie Nr. 1 c-moll op.68.

Allesamt sehr anspruchsvolle Werke. Nicht nur für die Musiker, die diese Herausforderung scheinbar mühelos meisterten, sondern auch für die Zuhörer. Denn gerade der erste Teil des Abends bot „schwere Kost“ und war durchaus „etwas anstrengend“, wie es eine Dame aus dem Publikum formulierte. Belohnt wurden die Ohren der Zuhörer dann aber im zweiten Teil mit einer hervorragend dargebotenen Brahms Sinfonie.

Bereits zu Beginn des Abends zeigte das Orchester, welch Können in jedem einzelnen Musiker steckt. Das Werk Heart op. 27 Nr. 5 von Flint Juventino Beppe bot einen guten Einstieg in einen hochwertigen Klassikabend in Laupheim. Durch äußerst gefühlvolles Spiel entstand ein runder harmonischer Gesamtklang, der immer wieder von fließenden Übergängen in der Dynamik geprägt wurde. Warme tiefe Celloklänge begleiteten helle klare Flageolettöne. Punktgenau erklang das Glockenspiel. Mit virtuosem und glasklarem prägnantem Spiel entlockte die Solistin Birgit Kolar in Alban Bergs Konzert für Violine und Orchester „Dem Andenken eines Engels“ ihrem Instrument einen, vor allem in den höheren Lagen, kraftvollen Klang. Mit seiner Ausdrucksstärke gaben Orchester und Solistin dem zugrunde liegenden Denkmal für die junge Manon Gropius, die 18-jährig an Kinderlähmung starb, klare Wesenszüge.

Bravo-Rufe nach Brahms-Sinfonie

Unter dem Dirigat von Ari Rasilainen bot das 60-köpfige Orchester eine von Grund auf solide Leistung auf hohem Niveau. Sehr gefühlvoll führte Rasilainen die Musiker, vor allem in Brahms Sinfonie in c-moll, zu immer wiederkehrenden Höhepunkten. Das sehr homogen klingende Orchester ging dabei ganz in der Musik auf und nahm so die Zuhörer mit auf eine spannende musikalische Reise durch die Gefühlswelt. Mit Bravo-Rufen und langanhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum für eine rundum überzeugende Aufführung der Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 68 von Johannes Brahms.

Der Konzertabend, der in Kooperation mit der Villa Rot und Dr. Walter Mauermann stattfand, war eine kulturelle Bereicherung für Laupheim. Liebhaber anspruchsvoller Klassik erlebten an diesem Abend einen hochkarätigen Hörgenuss belohnt. Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz zeigte, dass sie zurecht zu den wichtigsten Kulturträgern des deutschen Südwestens gehört. Das ausgewählte Konzertprogramm war jedoch nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack, was die geringe Zuhörerzahl erklären dürfte.

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