Zu viele Alte, zu wenig Aktive im Vorstand

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Am Ende eines langen Weges: Heinrich Krug ist wahrscheinlich der letzte Vorsitzende des Albvereins.
Am Ende eines langen Weges: Heinrich Krug ist wahrscheinlich der letzte Vorsitzende des Albvereins. (Foto: Axel Pries)

Zeiten hat es gegeben, da sind die Wanderfreunde eine Woche durch die schönsten Gegenden Deutschlands marschiert, da ging es auch schroffe Berge hinauf. Aber das war einmal. Der Schwäbische Albverein Laupheim ist heute nicht nur bescheidener geworden bei seinen Ausflügen, der Traditionsverein steht gar vor der Auflösung. Die Mitglieder sind alt geworden, es fehlt an Nachwuchs und ganz akut auch an Vorstandsaktiven. So fällt dem Vorsitzenden Heinrich Krug wohl bald die undankbare Aufgabe zu, zur letzten Versammlung einzuberufen – wenn kein Wunder geschieht.

Das Wunder wären neue Vorstandsmitglieder, denn die aktuellen sind alle schon lange aktiv und selbst nicht mehr die Jüngsten. Man will die Ämter abgeben. „Ich habe schon lange gesagt, dass ich einen Nachfolger suche“, erklärt Heinrich Krug, der agil und rege wirkt, mit 83 Jahren aber in den Vereinsruhestand treten möchte – endlich. Die Geschichte seines Engagements ist lang genug. 1997 übernahm der Stetter den Vorsitz erstmalig und war zuächst acht Jahre im Amt, ehe er an Horst Ott übergab. Der war dann sechs Jahre lang Vorsitzender, und als Horst Ott nicht mehr wollte, sich aber kein Nachfolger fand, bildete sich ein Viererteam, zu dem auch wieder Heinrich Krug gehörte. Das Team löste sich vor zwei Jahren auf, worauf Heinrich Krug sich erneut als Vorsitzender wiederfand. Die Stellvertretung übernahm Gerti Betz aus Baustetten. Aber auch sie möchte nicht mehr.

Gründung im Jahr 1892

Wenn der Schwäbische Albverein Laupheim, der streng genommen nur eine Ortsgruppe des überörtlichen Albvereins ist, tatsächlich seine Auflösung beschließt, geht in Laupheim eine über 100-jährige Tradition verloren. Der Verein wurde nämlich im Jahr 1892 gegründet, zu einer Zeit, als die Wanderbewegung in ganz Deutschland viele Vereine hervorbrachte. Und über Jahrzehnte prägte der Albverein das heimische Wandergeschehen. „Wir haben viele Touren gemacht“, erzählt der heutige Vorsitzende, der im Laufe seines Lebens auch in anderen Vereinen Mitglied war. Zwischen Alb und Allgäu, Balingen und bayrisch Schwaben waren die Wanderer bei ihren Tagestouren unterwegs. Das hieß gewöhnlich: Start am frühen Morgen, Ende und Einkehr am Nachmittag. Damit war der Wandertag aber noch nicht beendet. „Wir haben dann noch zusammengesessen. Oft hatte jemand ein Instrument mit dabei, und es wurde gesungen“, erinnert sich der frühere Stetter und Wainer Bürgermeister an Glanzzeiten in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern. Das dabei entstehende Gemeinschaftsgefühl war der Kitt, der die Aktiven eng zusammenschweißte. „Zu uns sind etliche nur wegen der guten Gemeinschaft gekommen“, erzählt der Vorsitzende. Das galt erst recht bei den großen Touren, die Ausdauer und Geschick erforderten. Für ihre einwöchigen Touren fuhr man nach Südtirol, nach Tschechien oder auch in den Teutoburger Wald, übernachtete und feierte gemeinsam in Berghütten – und wurde gemeinsam älter.

Dass der Nachwuchs ausblieb, ist seit Jahren spürbar. Noch vor 15 Jahren zählte der Albverein in Laupheim gut 200 Mitglieder, heute sind es nur noch 130. Und die haben mittlerweile ein Durchschnittsalter von 80 Jahren. Das wirkt sich längst auf die Wanderaktivität aus: Aus Tageswanderungen wurden Halbtagestouren, die auch noch in zweieinhalb- und eineinhalbstündige Strecken aufgeteilt werden. „Der Verein hat es vor 30 Jahren versäumt, für Nachwuchs zu werben“, erklärt Heinrich Krug „das große Sterben“. Ob’s was genutzt hätte, weiß er auch nicht. Wahrscheinlich, so vermutet er, gibt es einfach zu viel Konkurrenz in Sportvereinen wie dem TSV Laupheim, die das Wandern neben anderen Sportarten eben auch mit anbieten.

Wehmut schwingt mit, wenn Heinrich Krug feststellt, dass er wohl der letzte Vorsitzende dieses Vereins sein wird. Eines hat er nie herausgefunden: wer der erste seiner Vorgänger war, damals 1892.

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